Genossen inmitten der Zeitenwende

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Do, 30. Juni 2022

Eschbach

Die Volksbank Breisgau-Markgräflerland lud zur Vertreterversammlung/ Langjährige Aufsichtsräte geehrt.

. Erstmals nach zwei Jahren Corona-Pause und im fünften Jahr nach der Fusion von Volksbank Breisgau-Süd und Volksbank Müllheim zur Volksbank Breisgau-Markgräflerland trafen sich die Vertreter der knapp 37 000 Mitglieder zählenden Genossenschaftsbank in der Heitersheimer Malteserhalle. Neben turnusmäßigen Aufsichtsratswahlen und Ehrungen verdienter Genossen stand der Bericht über das Geschäftsjahr 2021 des Vorstandsvorsitzenden Norbert Lange im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Erstmals in Präsenz konnte die 2020 ins Amt gewählte Aufsichtsratsvorsitzende Susanne Hierholzer die Gäste der Vertreterversammlung begrüßen. "Wir erleben derzeit eine Zeitenwende", stieg dann der Vorstandsvorsitzender Norbert Lange mit dem Ausspruch von Bundeskanzler Olaf Scholz in seinen Bericht ein. Bezog sich das Kanzlerzitat auf Russlands Angriff auf die Ukraine, nannte Lange auch den Klimawandel und die Corona-Pandemie als weitere Faktoren. Folgen seien "massive Preissteigerungen bei Gas und Öl, aber auch an der Supermarktkasse" und letztlich eine Inflation auf Rekordniveau. Diese habe mit 7,9 Prozent im Mai den höchsten Stand seit Herbst 1981 erreicht. Entsprechend habe die Europäische Zentralbank "nach langem Zögern" beschlossen, die Leitzinsen ab Juli um zunächst 0,25 Prozent zu erhöhen, und weitere Steigerungen für den Herbst 2022 angekündigt.

"Die Preise steigen, das Wachstum schwächelt", warnte Lange vor einer Stagflation – einer Phase stagnierender Konjunktur bei länger anhaltender, hoher Inflation. Zwar hätten die Banken seit langem einen Zinsanstieg herbeigesehnt, dieser erfolge nun allerdings viel zu schnell. Corona habe andererseits bei der Volksbank zu einem regelrechten "Digitalisierungsschub" beigetragen, fuhr Lange fort. Viele Kunden hätten "trotz anfänglicher Skepsis recht schnell die Vorteile des digitalen Bankings für sich entdeckt", freute er sich. Zur Vorsicht riet Lange, auch wenn sich die Volksbank "mit dem Thema beschäftige", bei der Blockchain-Technologie, wie beispielsweise Bitcoins. Kryptoanlagen seien "spekulativ und schwankungsanfällig". Zentrale Stärken der Volksbank seien und blieben hingegen analoge Werte wie Nähe und Regionalität. "Wo Globalisierung an ihre Grenzen stößt, kann Regionalität punkten", gab Lange sich überzeugt.

Überzeugt sei die Bank auch von nachhaltigem Handeln. Basierend auf den drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales habe man eine Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet. Neben Verzicht auf Papier, eigenen PV-Anlagen oder einer E-Fahrzeugflotte sollen weitere "deutliche Schritte" in Richtung Energieautarkie und Klimaneutralität gegangen werden, versicherte Lange. Nicht zuletzt habe man mit der Fusion 2018 ökonomisch sinnvolles Handeln bewiesen. Leuchtturm des Zusammenschlusses würde das in Bälde fertiggestellte neue Beratungszentrum "Wertehaus" im Gewerbepark Eschbach.

Mit derzeit 36 563 Mitgliedern ist deren Zahl seit 2017 leicht rückläufig. Dennoch ist mehr als ein Viertel der Einwohner im Geschäftsgebiet der Volksbank Breisgau-Markgräflerland Genosse, freute sich Norbert Lange. Erfreulich sei ebenfalls, dass sich die Bilanzsumme im zurückliegenden Geschäftsjahr um 9,1 Prozent auf über 2,2 Milliarden Euro erhöht habe. Um 10,1 Prozent auf erstmals über vier Milliarden gestiegen sind das betreute Kundenvolumen, um 9,8 Prozent auf gut 2,4 Milliarden Euro das Kundenanlagevolumen. Entgegen aller Erwartungen habe man auch beim Kundenkreditvolumen um 9,8 Prozent auf nun rund 1,5 Milliarden Euro zulegen können.

Als "wichtige Größe im Risiko- und Liquiditätsmanagement" verfüge die Volksbank über einen Wertpapierbestand von knapp 672 Millionen Euro. "Wir verfolgen eine sehr breite Diversifikation und investieren ausschließlich in Adressen mit einem Investment-Grade-Rating", versicherte Lange zum Thema Sicherheit von Geldanlagen – womöglich noch unter dem Eindruck der Insolvenz der Bremer Greensill Bank im März 2021, die auch in der Region zu Betroffenheiten geführt hatte. Zur Sicherheit gehöre ebenfalls eine "solide Eigenkapitalausstattung", die 2021 auf knapp 233 Millionen Euro aufgestockt werden konnte.

Den Zinsüberschuss habe die Bank 2021 um 3,8 Prozent auf 31,7 Millionen Euro steigern können, führte Lange aus. Ein weiterer leichter Anstieg sei für das laufende Jahr zu erwarten, kam Lange zur Gewinn- und Verlustrechnung. Um 400 000 Euro auf 16,7 Millionen Euro gesenkt wurden indes die Personalkosten für die knapp 290 Mitarbeiter, so dass letztlich ein Jahresüberschuss von knapp 3,9 Millionen Euro erwirtschaftet worden war. Einstimmig sprach sich die Vertreterversammlung dafür aus, knapp 368 000 Euro als Dividende ausschütten, die restliche Summe den Rücklagen zuführen zu wollen.

Einstimmig im Amt bestätigt wurden die Aufsichtsratsvorsitzenden Heidi Schwarz-Schindler, Martin Buck und Hans Christian Maier. Aus Altersgründen nicht erneut zur Wahl standen Matthias Dinse und Harald Kraus. Aus den Händen von Rainer Haag vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband konnten sie die Silberne Ehrennadel des Verbandes beziehungsweise die Schulze-Delitzsch-Medaille für langjährige Aufsichtsratstätigkeit entgegen nehmen.