Last Christmas

George Michael, wir vermissen dich ganz arg!

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Sa, 19. Dezember 2020 um 11:37 Uhr

Rock & Pop

Manchmal vermisst man etwas erst, wenn man es nicht mehr findet. Das kann eine einzelne, ausgeleierte Socke sein, der Partner – oder auch ein Lied. Zum Beispiel "Last Christmas".

Es gehört eigentlich zu den absoluten Naturgesetzen der vorweihnachtlichen Zeit, dass ständig, immer, zu jeder Tages- und Nachtzeit "Last Christmas" von Wham im Radio läuft – und man dann beim Zähneputzen oder beim An-der-Ampel-Stehen laut aufstöhnen und entrüstet "Boah, schon wieder ..." schimpfen kann.

So, und nun das: nämlich nix. Kein "Last Christmas I gave you my heart" und "This year, to save me from tears...", kein George Michael, der unnachahmlich "Uu-uh" zwischendrin macht, einfach nix. Gut, Auto fahren fällt dieser Tage bei vielen sicher flach (wohin auch?), aber Duschen ist ja noch erlaubt – natürlich nur kurz, wegen des Klimas – , und da lief das Lied bislang bei mir nicht. Meinen die Radiosender, in diesem Ausnahmejahr brauchen wir Hörerinnen und Hörer überhaupt gar keine Beständigkeit mehr?

Last Christmas


Tatsache ist, dass meine Wenigkeit das Lied dieses Jahr zum ersten Mal überhaupt selbst gewählt hat – bei Youtube. Was soll man sagen. Es war schön. Und es hat den Willen gestärkt, sämtliche liebgewonnenen, aber auch die weniger liebgewonnenen medialen Feiertagsroutinen hochleben zu lassen.

"Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" wird also selbstredend angeschaut, immerhin das läuft dieser Tage 19-mal in den Öffentlich-Rechtlichen. Wenn die verdammt gut versteckte Fernbedienung nicht wieder auftaucht, dann eben auf Netflix zur Wunschzeit, wenn alle satt und zufrieden sind und nur noch ein bisschen Beständigkeit fehlt.

Dasselbe gilt für Silvester. "Dinner for One" ist fest eingeplant, und wenn wir, die wir null Uhr mittlerweile am liebsten verschlafen, wegen der verbotenen Böller nicht wie jedes Jahr aus dem Schlaf gerissen werden – dann, ja, dann ist aber was los. Beziehungsweise dann setzen wir uns trotzig mit einer Tasse Tee auf den Balkon – und hören uns auf dem Handy das Feuerwerk vom letzten Jahr an.