Gestolper durch die Neunziger

Dorothee Soboll

Von Dorothee Soboll

Mo, 29. Februar 2016

Rock & Pop

Der Kölner Comedian Luke Mockridge vor zweimal ausverkauftem Konzerthaus in Freiburg.

Die Bühne sieht aus wie eine Baustelle, an Gerüsten hängen die Buchstaben "LUKE", ein E-Piano steht bereit. Davor sitzen knapp 2000 Leute, im Schnitt 18 Jahre alt. Comedian Luke Mockridge tourt mit seinem Programm "I’m lucky, I’m Luke" durch Deutschland und spielt in Freiburg zweimal vor ausverkauftem Haus.

Seine Zielgruppe ist die Generation Youtube, die er beim Auftritt am Freit ab der ersten Minute auf seiner Seite hat. Er kann machen, was er will, seine Fans lieben ihn. Da ist es egal, dass er das Konzerthaus Theaterhaus nennt und nicht weiß, welcher Wochentag ist. Und dass er in der ersten halben Stunde nichts macht, außer Publikumsfragen zu stellen: Wer aus Freiburg kommt, ob Eltern dabei sind, ob jemand Geburtstag hat. Das Geburtstagskind bekommt spontan ein etwas holprig gedichtetes Ständchen.

Etwas holprig wirken die gesamten zwei Stunden, der 26-Jährige stolpert durch sein Programm. Er erinnert die Zuschauer, die den Altersdurchschnitt heben, an ihre Kindheit in den 1990ern. Die Gummibärenbande holt er aus der Versenkung, Witze über Lassie und Flipper haben schon bei Mittermeier funktioniert, für die Teenager schlägt er Brücken zu den "Hunger Games" und Lena Meyer-Landrut.
Irgendeinen Aufhänger, sich ans Klavier zu setzen, findet er immer, alles beginnt mit "Lemon Tree". Es sind diese Momente, die einen kurz durchatmen lassen, weil Mockridge nicht mehr auf der Bühne herumzappelt. 2000 Leute singen Bruchstücke von Neunziger-Hits. Beim Refrain von "Wonderwall" von Oasis kommt tatsächlich Gänsehaut auf. Er spielt besser, als er singt, was auch an der Aussteuerung liegt. Das scheint Mockridge nicht zu stören: "Wir sind eine Band aus 2000 Leuten", freut er sich wie ein kleines Kind.

Mockridge ist ein Bühnenmensch, der im Springmaus-Theater in Bonn aufgewachsen ist, seine Eltern sind Ex-"Lindenstraße"-Star Bill Mockridge und die Kabarettistin Margie Kinsky. Sein Auftritt ist scheinbar auf Interaktivität ausgerichtet, aber die ist in Wirklichkeit ein auswendig gelerntes Programm, das er abspult. Besonders fällt das bei den Musikeinlagen auf. Er lässt sich vom Publikum Neunzigerhits zurufen, von denen er zwei, drei anspielt. Plötzlich schwenkt er auf andere Songs um, auf die seine Lichtshow perfekt abgestimmt ist.

Seine Gags sind hauptsächlich Zoten, erst nach der Pause wird er ein bisschen böse: "Die ganzen geilen Musiker sterben. Da kann man nur hoffen, dass Gott auf Helene Fischer steht." Kurze Stille, dann allgemeines Gelächter. Zum Schluss wird er dann noch Ernst: "Es ist doch toll, dass heute 2000 Leute beieinander sitzen und einfach Spaß haben, obwohl auf der Welt gerade so viel Verrücktes passiert." Recht hat er.

Weitere Auftritte: Offenburg, Baden-Arena, Do, 12. Mai, 20 Uhr; Freiburg, Rothaus-Arena, Sa, 24. September, 20 Uhr