Naturdenkmale

Stadt Freiburg will 34 Bäume unter besonderen Schutz stellen

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Fr, 01. Januar 2021 um 16:56 Uhr

Freiburg

Die Stadtverwaltung schlägt 34 imposante und ökologisch wertvolle Bäume für die Auszeichnung als Naturdenkmale vor. Damit würde sich der geschützte Bestand um ein Drittel vergrößern.

Das Land sieht nur noch wenig Potenzial für neue Naturdenkmale im Südwesten. Doch in der Stadt ist offenbar noch Luft: 34 grüne Denkmale will das Rathaus nun ausweisen und damit Freiburgs besonders geschützten Bestand schlagartig um ein Drittel vergrößern. Das Prozedere für imposante und ökologisch wertvolle Bäume ist in Gang gesetzt.

Sauerstoff- und Schattenspender

Für die Auszeichnung als Naturdenkmal schlägt die Stadtverwaltung heimische Arten vor – Eichen, Weiden, Linden, Buchen, Esche, Holunder, Erle, Platanen und Ulmen – sowie Arten, die vor langer Zeit aus Nordamerika importiert wurden, wie die Douglasie im Illenwald oder ein Mammutbaum, erklärte Rathaussprecher Sebastian Wolfrum. Auf der Liste stehen auch zwei Eiben-Gruppen am Schlossberg und die 77 Platanen auf dem Hauptfriedhof: "Ein prächtiges Baumensemble", meinte Wolfrum. Die Kandidaten prägen das Stadtbild, spenden Sauerstoff und Schatten und helfen der Stadt auf dem Weg zu ihren ambitionierten Arten- und Klimaschutzzielen.

Alter, Schönheit, Rarität: Früher ging es bei Naturdenkmalen eher um den Erhalt der Erscheinung, heute dagegen vor allem um ihren Nutzen für die Biodiversität. "Bäume sind überlebensnotwendig für Vögel, Fledermäuse und Insekten", so Wolfrum.

Die Liste wurde zuletzt vor 10 Jahren ergänzt

In Freiburg stehen etwa 25 000 Bäume in Parks und weitere 25 000 entlang von Straßen. Etwa 250 Bäume, die zum Teil in Privatbesitz sind, gehören bisher zu Freiburgs 100 Naturdenkmalen – dabei handelt es sich sowohl um Einzelbäume wie die gebietstypische Sommerlinde und den exotischen Ginkgo, als auch um Baumgruppen und Flächen wie der Alte Friedhof (Herdern) und der Seehauweiher (Haid). Im großen Stil ergänzt wurde die Liste zuletzt 1998, 2007 und 2010. Vor zehn Jahren wurden acht Naturdenkmale auf einen Streich ausgewiesen. Freiburgs erstes lebendes Denkmal war 1950 ein Tulpenbaum an der Goethestraße, der inzwischen gefällt werden musste.

70 Jahre später haben nun städtische Fachleute, Bürgerinnen und Bürger sowie Naturschutzverbände die 34 neuen Kandidaten vorgeschlagen. Diesen Monat hat die Untere Naturschutzbehörde im Umweltschutzamt Wolfrum zufolge das Verfahren zum Unterschutzstellen eröffnet.

Das letzte Wort hat der Gemeinderat

Eine "Unterschutzstellung" hatte im Oktober die Landtagsabgeordnete Gabi Rolland auch für eine Hängebuche im Sedanquartier gefordert. Seither war nichts mehr zu hören. Bürgerforum und Stadtverwaltung wollten den Baum auf landeseigenem Grund an der Ecke Wilhelm- und Moltkestraße zum Denkmal machen, doch das Land wollte sich die Nutzbarkeit des Areals nicht verbauen.

Im eröffneten Verfahren werden nun die Träger öffentlicher Belange und die Eigentümer der Bäume gehört – die Hälfte steht auf privatem Grund. Dann soll das städtische Amt Anregungen und Einwände auswerten und Anfang 2021 die finale Liste der Bäume fertig haben. Das letzte Wort hat der Gemeinderat: Stimmt er zu, könnte die Rechtsverordnung im ersten Halbjahr in Kraft treten und das "Großgrün" mit dem grünen Dreieckschildchen ausgezeichnet werden. Für sie Bäume gilt ein weitgehendes Veränderungsverbot, Schäden sind zu melden. Experten kontrollieren die Bäume und die Stadt sponsert zum Teil Erhaltungsarbeiten.