Antibiotika-Forschung

Graberde aus Nordirland soll gegen multiresistente Keime wirken

Fabian Federl

Von Fabian Federl

So, 04. Juli 2021 um 10:24 Uhr

Gesundheit & Ernährung

BZ-Plus In einem Grab in Nordirland entdeckt ein Forscher ein Bakterium. Es könnte helfen, eines der wichtigsten Probleme der modernen Medizin zu lösen: Bislang fehlt eine Waffe gegen multiresistente Keime.

Er galt als Wunderheiler, James McGirr. Im Jahr 1745 in einem Dorf im heutigen Nordirland geboren, wurde er als junger Mann Pfarrer und konnte scheinbar alles von der Krätze bis zur Cholera heilen, was die Menschen seiner Pfarrei befiel. Als McGirr im Alter von 70 Jahren starb, sollen seine letzten Worte gewesen sein: "Nach meinem Tode soll der Lehm, der mich bedeckt, alles heilen, was ich zu heilen vermochte."
276 Jahre nach seiner Geburt haben zehntausende Menschen die Erde aus McGirrs Grab in den Händen gehalten, zwischen den Fingern zerrieben, unter ihren Kopfkissen verteilt, in Europa, in den USA. So viele, dass der Friedhofswärter ein Schild vor McGirrs Grab anbrachte, mit einer Bitte: Man solle doch bitte die Graberde, wenn man sie sich schon leihe, wieder zurückbringen.
Heilende Erde
2019 traf die Legende des Pfarrers McGirr auf die Forschung des Mikrobiologen Gerry Quinn. Zwei Dinge verbinden diese Männer: Ihre Herkunft, das Dorf Boho in Nordirland. Und der Lehm. Denn Gerry Quinn fand heraus, dass Pfarrer McGirrs Graberde wirklich heilt. Nur eben anders, als die Pilger Jahrhunderte lang glaubten.
Das Geheimnis des lindernden Lehms, glaubt Gerry Quinn, liegt in einem Organismus, der knapp einen Mikrometer, also einen millionstel Meter, groß ist und den Geruch von moosigem Waldboden verbreitet. Ein Organismus, an dem zwei Nobelpreise hängen. Und dessen Sporen die Antwort auf eine der wichtigsten Fragen der Medizin enthält.
An einem regnerischen Tag im Frühherbst sitzt Gerry Quinn, ein kleiner Mann mit eisblauen Augen und einem Dreiteiler aus Tweed, am Steuer seines Mietwagens. Er fährt durch kleine Ortschaften in der leeren Mitte Nordirlands, vorbei an Seenplatten, an Nadelwäldern und Weideland, bis an die Grenze des Vereinten Königreichs mit der Republik Irland, in das Dorf Boho, wo Quinn aufgewachsen ist, und Pfarrer McGirr begraben liegt. Er folgt Serpentinen einen Hügel hinauf, bis ein Kirchturm erscheint, eine kleine Kapelle und am höchsten Punkt: der Friedhof. Irgendwo dort findet sich eine im Boden eingelassene Steinplatte mit schwer lesbarer Inschrift. Es liegt ein Kiesel darauf mit der Inschrift "Hope", ein Kruzifix, ein Amulett des Heiligen Christopher, Schutzpatron der Reisenden. Am Kopfende der ...

Jetzt diesen Artikel lesen!

Entscheiden Sie sich zwischen kostenloser Registrierung und unbegrenztem Zugang, um sofort weiterzulesen.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel/Monat lesen - inkl. BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel
  • Redaktioneller Newsletter mit den wichtigsten Nachrichten aus Südbaden
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten. Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.

Registrieren

kostenlos

  • 5 Artikel pro Monat lesen

  • Redaktioneller Newsletter

  • Nutzung der Kommentarfunktion

Die eingegebene E-Mail Adresse ist bereits registriert.
Hier können Sie sich anmelden
Diese E-Mail-Adresse ist bereits registriert aber nicht aktiv.
Aktivierungslink erneut zuschicken

BZ-Digital Basis

12,40 € / Monat

  • Lesen Sie alle Artikel auf badische-zeitung.de
  • Unbegrenzter Zugang zur News-App mit optionalen Push-Benachrichtigungen
  • Entdecken Sie Südbadens kulinarische Welt mit dem BZ-Straußenführer, BZ-Restaurantführer und BZ-Vesper
  • Abonnenten der gedruckten Zeitung erhalten BZ-Digital Basis zum exklusiven Vorteilspreis

Anmeldung