Aktion gegen Grundschleppnetze

Greenpeace versenkt weiter Felsen vor Rügen

dpa

Von dpa

Mo, 27. Juli 2020 um 19:44 Uhr

Deutschland

Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace haben auch am Montag große Granitblöcke im Meeresschutzgebiet Adlergrund östlich von Rügen versenkt.

Mit den bis zu eine Tonne schweren Natursteinen wollen sie verhindern, dass Fischer mit Grundschleppnetzen den Meeresboden "durchpflügen" – auch wenn dies legal sei, wie die Organisation mitteilte.

Greenpeace-Experte Thilo Maack sagte: "Zur Rettung der Meere brauchen wir echte Schutzgebiete frei von menschlicher Zerstörung." Deutschland müsse Fischerei und Ausbeutung von Rohstoffen in den Schutzgebieten verbieten. Durch Grundschleppnetze würden artenreiche Steinriffe und Miesmuschelbänke in Gefahr geraten.

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt des Bundes in Stralsund prüft die am Wochenende begonnene Aktion nach Angaben einer Sprecherin. Es handele sich um eine komplexere Situation, weshalb die Prüfung etwas dauern könne, sagte sie am Montag. Die Schifffahrt sei bereits über das Versenken von Steinbrocken in dem Gebiet informiert worden. Laut Greenpeace sind die Steine keine Gefahr für Schiffe, dafür lägen sie zu tief. Laut Greenpeace hat es bis Montagmittag kein Einschreiten seitens der Behörden gegeben. Greenpeace wirft die Steine in der Ausschließlichen Wirtschaftszone ins Wasser. Deshalb sind Bundesbehörden zuständig.

Aus Sicht des Fischereiverbandes Mecklenburg-Vorpommern ist die Aktion illegal. "Das ist Selbstjustiz", kritisierte der Vorsitzende Michael Schütt. Bisher seien rund 50 Felsblöcke versenkt worden, sagte ein Greenpeace-Sprecher. Mit 150 bis 200 Steinbrocken könne das Schutzgebiet Adlergrund komplett vor der Grundschleppnetzfischerei geschützt werden.

Deutschland hat Greenpeace zufolge bereits 2007 fast die Hälfte seiner Meeresgebiete als Schutzzonen ausgewiesen. Auch die Pläne für ein Verbot bodenzerstörender Fischerei im Schutzgebiet Adlergrund sind demnach längst fertig. Allerdings fehle der politische Wille, sie umzusetzen, prangert Greenpeace an. Selbst in ausgewiesenen Schutzgebieten der Nord- und Ostsee sowie dem Nationalpark Wattenmeer erlaube die Bundesregierung weiter Ölausbeutung, Fischerei sowie Sand- und Kiesabbau, kritisierte die Organisation.