Große Spielfreude gepaart mit Musikerironie

Heidi Ast

Von Heidi Ast

Mo, 18. November 2019

Lahr

Die Big Band W gastierte im Stiftsschaffneikeller in Lahr, wo sie vor 31 Jahren das erste Konzert aufgeführt hatte.

LAHR. Vor 31 Jahren absolvierte die Big Band W (W steht für Workshop) ihr erstes Konzert unter Leitung des legendären Karl-Otto, genannt Carlo Bäder im Lahrer Stiftsschaffneikeller. Hierher kehrte man am Samstag zurück, und das nicht nur, um dem 2007 verstorbenen Komponisten und Arrangeur Bäder die Ehre zu geben.

In Schwarz und Gelb, Dirigent Hanjo Gißler sogar mit gelben Schuhen, präsentieren sich vier Saxophonisten, eine Saxophonistin, fünf Posaunen, vier Trompeter, die eine satte Brass-Sektion ergeben, sowie vier Musiker im Rhythmusbereich. Sie bringen an diesem Abend sowohl Jazz- und Big Band Klassiker auf die Bühne wie "Doin’ Basie’s thing", ein Stück aus dem Repertoire des legendären Count Basie, oder "Undecided" aus der Feder von Sid Robin und unter anderem auch von Ella Fitzgerald interpretiert, als auch komplexe Arrangements von Bäder, aber natürlich auch Hits wie "Master blaster" von Stevie Wonder oder "Son of a preacher man" von Dusty Springfield.

Ein energetischer Swing Groove füllt den Gewölbekeller mit dem typischen inspirativen Sound der dreißiger und vierziger Jahre. Die volle Bläserkraft wird von Jürgen Kilian am Synthesizer mit einer Tonfolge ausgeplingt, die an das Tagesschauthema erinnert.

Zwischen den einzelnen Stücken erzählt Gißler launig über die gemeinsame Arbeit mit Carlo Bäder. "Moons of jupiter" ein komplexes Stück mit verschiedenen Stimmungsebenen, die Bäders Fantasie und seine Reiselust verdeutlichen. Stefan Kürz an der Trompete spielt seine Solonummer hell und ein wenig einsam, flirrende Einsprengsel, unterlegt mit minimalistischer Pianobegleitung. Heiser unterbrechen die gestopften Posaunen und Trompeten. Sie setzen immer wieder schrille Tiraden, plötzlich vorbeifliegenden Meteoriten gleich. Partiell erinnern die wechselhaften Tonfolgen an Igor Strawinskys "Le sacre du printemps". Ein plötzlicher, fast brachialer Ausbruch der Bläser fährt wie ein Weckruf durch den voll besetzten Stiftsschaffneikeller. Es folgt das süße, mit dem Schwerpunkt auf den Einsatz der Besen, Schlagzeugsolo von Matthias Ruf bei dem Stück "Cute". Auch wenn das Drumset eher überschaubar ist, so holt Ruf, unter melodischer Leitung des E-Pianos, alle Rhythmen aus der kleinen Kiste.

Über Bäders Komposition "Yesterdays" spielt die Big Band auf eine der großen Interpretationen von Ella Fitzgerald von "Undecided" zu. Ein Vergleich, dem sich Isabel Haist schon durch das Arrangement nicht stellen muss. Haist verfügt über eine klare, kräftig und gut intonierende Stimme und ein Timbre wie Fitzgerald ist keine faire Maßeinheit. Es folgt "What a difference a day makes" mit zarter und emotionaler Betonung, die Entdeckung des Wunderbaren in jedem Ton spürbar. Weiter geht es mit einem stark angezogenen Walzertakt bei der Bäder-Komposition "I’ll take romance – should I marry rich or should I list on a pitch" humorig von Haist interpretiert. Die Auswahl der Stücke und deren Interpretationen an diesem Abend umfasst eine komplexe Bandbreite, mit Spielfreude und Musikerironie dargeboten.