Grüne im Land im Höhenflug

dpa,jsz

Von dpa & Jens Schmitz

Fr, 20. September 2019

Südwest

Kretschmanns Partei kommt in Umfrage auf 38 Prozent / CDU liegt bei 26, SPD bei acht Prozent.

STUTTGART (dpa/jsz). Rekordwert für die Grünen, dramatische Lage für die CDU im Südwesten: Nach der Ankündigung von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), bei der Landtagswahl 2021 wieder antreten zu wollen, haben die Werte für seine Partei im Land auf 38 Prozent zugelegt. Die CDU mit Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann liegt mit 26 Prozent auf dem zweiten Platz.

Das geht aus einer am Donnerstag in Stuttgart veröffentlichten Umfrage von Infratest dimap für den Südwestrundfunk und die Stuttgarter Zeitung hervor. Rund eineinhalb Jahre vor der Wahl ist die CDU damit weit von ihrem Ziel entfernt, selbst die Regierungschefin oder den -chef zu stellen. Kretschmann regiert seit 2011, erst mit einem grün-roten Bündnis, seit 2016 mit einer grün-schwarzen Koalition. Er hatte am 12. September erklärt, für eine dritte Amtszeit antreten zu wollen. Bei der Landtagswahl 2016 waren die Grünen auf 30,3 Prozent gekommen und erstmals stärkste Kraft bei einer Landtagswahl geworden. Die 38 Prozent sind der höchste Wert, den Infratest dimap nach eigenen Angaben bundesweit jemals für die Grünen gemessen hat.

Die SPD kommt in der neuen Umfrage auf acht Prozent – ein Allzeittief in Baden-Württemberg. "Das ist, finde ich, eine Katastrophe", erklärte Partei- und Fraktionschef Andreas Stoch. Unmittelbar nach einer dreitägigen Fraktionsklausur klagte er, dass schlechte Zahlen den Blick auf inhaltliche Arbeit verstellen könnten. Die AfD, derzeit größte Oppositionsfraktion, liegt bei zwölf, die FDP bei acht Prozent. Die Linke wäre mit drei Prozent weiterhin nicht im Landtag vertreten.

Kretschmanns Entscheidung für eine Spitzenkandidatur stößt bei 71 Prozent der Befragten auf Zustimmung. 77 Prozent sind zufrieden oder sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Eisenmann, die derzeit Kultusministerin ist, kann 23 Prozent der Bürger mit ihrer Arbeit überzeugen. Könnten die Menschen den Regierungschef direkt wählen, würden sich 69 Prozent für Kretschmann entscheiden, 13 Prozent für seine Herausforderin. Eisenmann hat damit einen noch schlechteren Wert als CDU-Landeschef Thomas Strobl, der im März bei dieser Frage auf 17 Prozent gekommen war.

Im bundesweiten Vergleich ist Kretschmann laut Umfrage der beliebteste Ministerpräsident. Dabei reicht seine Popularität weit über das eigene Lager hinaus: Auch Anhänger von FDP (85 Prozent), CDU (83), SPD (70) und AfD (56 Prozent) sind zufrieden mit seiner Arbeit als Regierungschef. Wird die Arbeit der grün-schwarzen Regierung getrennt nach Parteien betrachtet, schneiden die Grünen besser als die CDU ab. Mit ihnen sind 60 Prozent der Befragten zufrieden – mit der Arbeit des Juniorpartners hingegen 38 Prozent.