Malen mit Hitze – wie in der Antike

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Fr, 15. Februar 2019

Gundelfingen

Heidelore Hartmann stellt ihre Werke im Foyer des Gundelfinger Rathauses aus / Eine Besonderheit sind ihre Enkaustik-Arbeiten .

GUNDELFINGEN. Eine Ausstellung mit Malerei und Enkaustik von Heidelore Hartmann ist am Mittwoch im Foyer des Gundelfinger Rathauses eröffnet worden. 40 Kunstwerke mit unterschiedlichsten Motiven in kräftigen, bunten Farben sind zu sehen.

Heidelore Hartmann entdeckte schon früh ihre Leidenschaft für die Malerei. "Anfangs besuchte ich viele Kurse, unternahm Malreisen nach Italien", erzählte die Künstlerin bei der Vernissage. Gemalt wird von ihr alles: Menschen, Pflanzen, Gebäude. "Es ergeben sich immer neue Motive, die ich mit Begeisterung festhalten möchte", sagte sie. Als Autodidaktin hat sie sich die Technik der Enkaustik angeeignet und immer weiter verfeinert. "Es ist eine sehr alte Technik, die viel Feingefühl braucht", erläuterte sie den Gästen. Die Technik erklärte sie dann auch genauer: "Enkaustik ist eine Technik, bei der man Wachsfarben in verschiedenen Verarbeitungsformen zusammen mit Hitze verarbeitet." Ob während der Arbeitsweise Hitze benutzt wird oder erst die Farbe pastös aufgetragen und anschließend zum Schwitzen gebracht wird, sei unwesentlich. "Die klassische Enkaustik-Malerei ist ein antikes Malverfahren, bei dem mit Wachs gebundene Farben heißflüssig auf Stein, Keramik oder Holz aufgetragen wurden." Bereits 3000 Jahre vor Christus sei diese Technik bei den Ägyptern bekannt gewesen, erklärte Hartmann. Höhepunkt fand die Maltechnik in der klassischen Epoche der griechischen Kunst. Die Enkaustik-Malerei stellte ein bewährtes und dauerhaftes Malmedium dar – lange vor der Erfindung der Ölmalerei. "Es macht viel Spaß – aber man braucht auch viel Übung", betonte die Künstlerin.

Hartmann verwendet dafür ein kleines, handliches Bügeleisen, einen sogenannten Enkaustik-Pen und spezielle Pinsel. Das Ergebnis, so erzählte die 77-Jährige, sei stark vom zufälligen Verlauf der Wachsfarben bestimmt. Zum anderen gebe es eine große Auswahl an Werkzeugen, mit denen unterschiedlichste Effekte herausgearbeitet werden können. Jeder Arbeitsschritt verändert das Bild, was zur Folge hat, dass Enkaustik-Bilder nicht reproduziert werden können. Jedes Bild ist ein Unikat. An ihren Werken arbeitet Hartmann unterschiedlich lange – von zehn Minuten bis zu einem halben Jahr. Ihre mit Enkaustik-Technik erstellten Bilder zeigen leuchtende Rosen, Blumenwiesen, Menschengruppen und Landschaften.

Aber die in Stettin geborene Künstlerin malt auch mit Acryl- und Aquarell-Farben. "Das ist schon sehr schwierig und eine absolute Kunst", gesteht sie. Hartmanns Aquarelle leuchten in pastelligen und zarten Tönen und entführen in traumhafte Landschaften. Immer stehen Blumen oder Bäume im Vordergrund. Blicke zum "Kaiserstuhl" oder in den "Taubergießen" hielt sie mit Aquarellfarben fest. Ihre Bilder strahlen Ruhe aus. Oft wird sie von Passanten angesprochen, wenn sie mit ihrer Malpalette und Staffelei im Park sitzt und arbeitet. "Anfangs war das sehr komisch für mich – aber heute beantworte ich gerne alle Fragen."

Die Vernissage wurde von Marion Holland gesanglich begleitet.

Die Ausstellung ist noch bis zum 9. März zu den Öffnungszeiten des Gundelfinger Rathauses, 8 bis 18 Uhr, zu sehen.