Gut für Kinder, Eltern und Erzieher

Victoria Langelott

Von Victoria Langelott

Mi, 19. Februar 2020

Efringen-Kirchen

Mit dem in 18 Monaten erarbeiteten Qualitätshandbuch hat das Kinderhaus seine pädagogische Arbeit auf einen Nenner gebracht.

EFRINGEN-KIRCHEN. Im Kinderhaus Efringen-Kirchen ist in 18 Monaten Arbeit ein gut strukturiertes, übersichtlich gestaltetes Nachschlagewerk entstanden, das allen Beteiligten dient: den Erziehern, den Eltern, vor allem aber natürlich den Kindern. Denn das unter dem Titel "Qualitätshandbuch" Entstandene hält fest, welche pädagogischen Ziele die Einrichtung verfolgt, welche Leistungen sie bietet, welche Schwerpunkte sie hat und wie die Arbeit der Erzieher reflektiert, bewertet und weiterentwickelt wird.

Die Kindergartenbeauftragte der Gemeinde Nicole Fischer hatte die Idee zum Handbuch, Kinderhausleiterin Ulrike Mörgelin und ihre Stellvertreterin Andrea Aebi waren sofort offen dafür. Und die Gemeinde gab bereitwillig die sich auf 12 000 Euro belaufende Summe für die Begleitung des Prozesse durch Barbara Huber-Kramer und Christine Zeller vom Institut für Bildung und Management (IKS) aus Zell im Wiesental. Jeder der 20 Fachkräfte – 19 Frauen und ein Mann – brachte in den vergangenen 18 Monaten 50 Extrastunden in den Prozess ein.

Positiv für das Team
Wichtigstes Ziel der intensiven Arbeit war es, wie Nicole Fischer bekräftigt, "das pädagogische Miteinander auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen". Und das, so bestätigen die drei Frauen, sei gut gelungen. Das Team sei pädagogisch und auch menschlich zusammengewachsen. Beim gemeinsamen Reflektieren stellte Ulrike Mörgelin aber auch fest, dass vieles des nun explizit Festgehaltenen Selbstverständlichkeiten sind, "die wir schon immer machen." Aber das Ausloten unterschiedlicher Handhabungen im Team und das Erarbeiten eines Konsenses, den alle mittragen können, wurde als sehr fruchtbar empfunden.

Gut für die Kinder
Was brauchen die Kinder?, war eine Leitfrage. "Alle Kinder sollen ganzheitlich gefördert werden", heißt ein zentrales, festgehaltenes Ziel. Aus dem landesweit geltenden Orientierungsplan wurden dafür Entwicklungsziele für Körper, Sinne, Gefühl und Mitgefühl sowie Denken, Sprache oder Werte abgeleitet. Das Handbuch hält dann auch fest, was den einzelnen Zielen dient – etwa der Morgenkreis und das Angebot "Singen Bewegen und Sprechen" für die Sprachentwicklung. Zu den im Kinderhaus verankerten Schwerpunkten gehört auch der strukturierte Alltag. Das Frühstück nehmen so alle gemeinsam ein. Es ist ein Moment, den Andrea Aebi sehr schätzt. Zu Siebt sitzen die Kinder mit einer Erzieherin am Tisch, dann ist Raum fürs Schmecken, Genießen, aber auch fürs Erzählen. Auch die regelmäßige Bewegung an frischer Luft ist als Schwerpunkt fixiert. Und am jeden Monat veranstalteten Naturtag geht es zum Entdecken in den Wald, in die Reben oder aufs Feld. "Alles ist dabei gleichwertig," betont Fischer.

Vorteil für Eltern
"Das Handbuch gibt Eltern mehr Transparenz", sagt Ulrike Mörgelin. Es wird zugänglich für alle ausgelegt. Für Nicole Fischer gibt es Eltern auch Verlässlichkeit, stellt nicht nur dar, was und wie gearbeitet wird, sondern auch warum. Dabei wurde im Entwicklungsprozess auch Wert darauf gelegt, wie Mörgelin festhält, dass Elternbedürfnissen Rechnung getragen wird. Das Kinderhaus sei so flexibler geworden, etwa bei den Abholzeiten. "Wenn die Mutter auf dem Nach-Hause-Weg das Kind um 15.30 Uhr abholen möchte, ist das kein Problem". Verankert sind auch Treffpunkte mit Eltern, etwa mit Eltern-Kind-Nachmittagen, dem Sommerfest oder dem Adventshaus. Zudem soll es immer wieder schriftliche Elternbefragungen geben und auch das Tür- und Angel-Gespräch mit Müttern und Vätern wird als wertvoll geschätzt.

Wie es weiter geht
Der Prozess ist nicht abgeschlossen. Er werde stetig fortentwickelt, so Ulrike Mörgelin. Die Reflexionsarbeit soll aber auch in anderen Kindergärten der Gemeinde aufgegriffen werden. "Start war im Kinderhaus", hält Nicole Fischer fest, was angesichts der Größe der Einrichtung mit ihren 145 Kindern nahe lag. Andere Kindergärten sollen einen ähnlichen Weg gehen, wobei sie selbst entscheiden sollen, wie sie den Prozess für sich gestalten.