Wanderung

Gut gerüstet: Mit unseren Buchtipps die Umgebung neu entdecken

Ronja Vattes, Geraldine Friedrich

Von Ronja Vattes & Geraldine Friedrich

So, 04. April 2021 um 11:00 Uhr

Literatur & Vorträge

Der Sonntag Die Tage sind bereits heller und länger, die Temperaturen steigen – und damit die Lust am Draußensein und Wandern. Mit diesen Büchern können Sie die Umgebung neu entdecken.

Soweit es die Corona-Bestimmungen gerade zulassen können Sie mit unseren Büchertipps die Umgebung neu entdecken.

Das große Buch vom Wandern

Einfach loslaufen und auf große Tour gehen? Keine so gute Idee. Wer im Mittelgebirge oder gar in den Alpen wandern will, vielleicht sogar auf einer Mehrtagestour, der sollte nicht nur körperlich fit und trittsicher, sondern auch gut vorbereitet sein, was Ausrüstung, Verpflegung, Kartenmaterial, Notfälle und Wettervorhersagen angeht. Christian Hlade ist erfahrener Vielwanderer und hat mit "Das große Buch vom Wandern" ein fundiertes Basiswerk zusammengetragen, das praktisch auf alles eine gute Antwort parat hat: Wie finde ich die richtigen Wanderschuhe? Wie den passenden Rucksack? Was sollte ich auf jeden Fall dabeihaben – und wie plane ich sinnvoll für Mehrtagestouren meine Kleidung, Nahrung und Ausrüstung, um mich nicht kaputt zu schleppen? Anschaulich erklärt er Wettersymbole in Apps und Nachrichten ebenso wie Hinweise in der Natur, wenn ein Wetterumschwung oder gar ein Gewitter naht. Packlisten und Tipps zur perfekten Wanderkost sind aufgeführt. Ein Hüttenknigge gibt Orientierung, Yoga-Übungen lockern unterwegs und auch das Thema Wandern mit Kindern kommt nicht zu kurz. Dazu ein Für und Wider zu elektronischem versus Kartenmaterial aus Papier, Tipps zu GPS-Uhren und wie man Karten liest.

Fazit: Auf den knapp 400 Seiten finden nicht nur Einsteiger, sondern auch erfahrene Wanderer viele gute Hilfen und Anregungen. Und wer es lieber kürzer mag: In wenigen Tagen erscheint von Christian Hlade auch "Wanderwissen kompakt" als Taschenbuch.
Christian Hlade: Das große Buch vom Wandern, Braumüller Verlag, 384 Seiten, 25 Euro

Zwischen Lungenkraut und Seidelbast

Seit Corona die Freizeitaktivitäten einschränkt, gehen die Menschen spazieren wie noch nie durch Wald und Wiesen. Wer darüber hinaus wissen möchte, was denn da so am Wegesrand blüht, dem sei der Klassiker aus dem Kosmos Verlag empfohlen.

Das Bestimmen funktioniert so: Anhand von Blütenfarbe, Zahl der Blütenblätter und der Blütenform wird der Suchende in einen bestimmten Abschnitt des Buchs gelenkt. Dann muss er oder sie einfach die Seiten durchblättern und findet so die gesuchte Blume. Die Einteilung nach diesen Kriterien ist zwar botanisch unkorrekt, dafür sind aber Erfolgserlebnisse bei Groß und Klein garantiert.

Das Werk eignet sich auch, um den Nachwuchs an der frischen Luft bei Laune zu halten. So lässt sich eine Art Quiz veranstalten: für vier korrekt bestimmte Pflanzen gibt’s eine kleine Belohnung. Bei mehrfacher Wiederholung merken sich Kinder die so bestimmten Pflanzen. Und die Eltern staunen nicht schlecht, dass Sohn oder Tochter plötzlich wie aus dem Effeff das "Dunkle Lungenkraut" oder den "Gemeinen Seidelbast" identifiziert. Und der Lerneffekt ist durchs Selber-Suchen größer als mit Pflanzenbestimmungs-Apps.

Insgesamt enthält der Fotoband 550 Blumen. Es gibt zwei weitere Varianten des seit 1935 erscheinenden Werks: einen speziellen Kindernaturführer mit nur 85 Arten (9,99 Euro). Für Erwachsene, die es noch genauer wissen wollen, eignet sich der Band mit 870 Arten verteilt auf 2000 Zeichnungen (19,99 Euro).

Aus Sicht der Autorin ist der Fotoband mit 550 Arten aber ein idealer Kompromiss, um als Bestimmungseinsteiger schnelle Erfolge zu erzielen, aber dennoch eine gewisse Bandbreite an Arten zu haben. Für Kinder eignen sich die Fotos zudem besser zum Bestimmen als die Zeichnungen.
Margot Spohn: Was blüht denn da? Der Fotoband, Kosmos Verlag, 448 Seiten, 14,99 Euro

Streifzüge durch die Nacht

Die Nacht hat viele Gesichter. Gruselig für die einen, wenn es knackt und raschelt oder plötzlich Schritte zu hören sind. Magisch für die anderen, die sich dem Glanz der Sterne still ergeben und so zur Ruhe kommen. Dirk Liesemer hat sich in seinem Buch "Streifzüge durch die Nacht" aufgemacht, um die Nächte wandernd zu entdecken. Er läuft bei Mondaufgang durchs sonst dunkle Havelland, erkundet in einer Sommernacht die Dünen Amrums oder wandert im Tiefschnee im Karwendel. Doch man muss nicht reisen oder tief in die ruhebedürftige Natur vordringen, um die Nacht neu zu erleben. Ebenso spürt er Hamburger Geräuschen nach oder durchstreift das nächtliche Wien – während alle anderen (in Vor-Corona-Zeiten) gerade zum Opernball strömen.

Das Buch ist packend geschrieben und eine Liebeserklärung ans Neugierig- und Offen-Sein für neue Erfahrungen – und wirft ein durchaus magisches Licht auf die nächtlichen Schatten.
Dirk Liesemer: Streifzüge durch die Nacht – wie ich unsere Heimat neu entdeckte, Malik Verlag, 272 Seiten, 20 Euro