Gymnasiasten üben den fairen Handel

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Mi, 06. Oktober 2021

Bad Säckingen

Schülergenossenschaft bestückt einen Automaten / Dieser führt nur fair Gehandeltes im Angebot.

. Genuss mit gutem Gewissen: Das verspricht der "Fairomat", der zu Beginn des neuen Schuljahres im Aufenthaltsraum des Scheffel-Gymnasiums aufgestellt wurde. Dahinter verbirgt sich nicht nur ein Automat mit fair gehandelten Süßigkeiten, sondern auch ein pädagogisches Konzept, außerdem die Erfüllung von Verpflichtungen, die mit zwei Auszeichnungen verbunden sind. Bürgermeister Alexander Guhl, der Umweltbeauftragte Ralf Däubler sowie Manfred Trenkle vom Murger Weltlädeli dankten den Schülern für ihren Einsatz.

Als erste Schule am Hochrhein wurde das Scheffel-Gymnasium zur "Fairtrade-School" ernannt, die Stadt gewann 2019 den zweiten Platz im Bundeswettbewerb "Hauptstadt des fairen Handels". Mit dem Preisgeld erwarb die Kommune den Automaten und schenkte ihn (samt Erstbefüllung) dem Gymnasium. Für die Unterhaltung sind die Schülerinnen und Schüler selbst verantwortlich. Sie sind mit dem fairen Handel vertraut, denn dazu gibt es Unterrichtseinheiten in verschiedenen Fächern. Am Gymnasium existiert eine Fairtrade-AG, der vor allem jüngere Schüler angehören. "Das ist unsere Kreativ-Abteilung," erklärte die Lehrerin Hedwig Kubina. Die Schüler entwarfen Plakate zum fairen Handel und ermittelten per Fragebogen die favorisierten Produkte für den Fairomaten: Das sind Fruchtgummibärchen, Schokoriegel, Frucht- und Nussriegel sowie Cashew-Nüsse und getrocknete Mangos, die alle im Weltlädeli eingekauft und zu guten Preisen weiterveräußert werden, da der Fairomat nicht gewinnorientiert arbeitet. Um die betriebswirtschaftliche Seite kümmert sich die 2019 gegründete Schülergenossenschaft, die aus zwölf Schülern der Stufen zehn bis zwölf besteht. Sie entwickelte die Geschäftsidee, schrieb den Businessplan, erfasst die Produkte und kümmert sich um die Bestellungen sowie die Bestückung des Automaten, der ohne Strom arbeitet: Der Münzprüfer funktioniert mechanisch, die Spiralen müssen durch Drehen in Gang gesetzt werden. Nebenbei lernen die Schüler am praktischen Beispiel viel über das Genossenschaftswesen. Schon in den ersten drei Wochen erzielte der Fairomat einen Umsatz von 300 Euro.

Ein zweiter, ebenfalls von den Schülern zu betreuender Automat soll in der Stadtbücherei aufgestellt werden. "Unsere Idee ist, ihn an verschiedene Unternehmen auszuleihen, um für die Idee des fairen Handels zu werben", meinte Hedwig Kubina. Das erste Projekt der Schülergenossenschaft war die Aufstellung eines Wasserspenders. Durch die Verwendung "fairer Fußbälle", den Verkauf von Rosen, Schulheften oder T-Shirts aus fairem Handel sowie Projektarbeiten zu diesem Thema und vieles mehr versucht das Gymnasium, seiner Rolle als "Fairtrade-School" gerecht zu werden.