"Hackathon" zeigt, was an nur einem Wochenende möglich ist

Dierk Knechtel

Von Dierk Knechtel

Di, 29. Oktober 2019

Offenburg

Zeitdruck, Spaß und Prämien für Tüftlerteams: Rund 120 Teilnehmer entwickeln im Technologiepark Offenburg in 32 Stunden Lösungen für "Smart Cities".

OFFENBURG. Wie können Städte mithilfe von Massendaten, Vernetzung und intelligenter Software besser organisiert werden? Das war die Aufgabenstellung beim Hackathon "Smart Cities", der am Wochenende im Technologiepark Offenburg stattfand. Teams aus 120 zumeist jungen Teilnehmern hatten 32 Stunden Zeit, um Lösungen zu entwickeln. Fünf Preise à 1000 Euro winkten den Gewinnern.

Der englische IT-Slangausdruck "hack" steht für Lösung, Marathon gibt den Wettlaufcharakter wieder. Hackathons sind in der IT-Entwicklerszene ein übliches Eventformat. Ziel ist die Entwicklung von Prototypen, die die Chance zur Marktreife haben. Die Teams tüfteln nebeneinander in einer offenen Anordnung und sollen sich so gegenseitig inspirieren. Ping-Pong-Platte, Tischkicker, Fernsehzimmer dienen Austausch und Entspannung. Sie werden gecoacht vom Team um Stephan Trahasch und lernen, ihre Ideen effizient umzusetzen. Trahasch ist Professor für Informatik an der Hochschule Offenburg und leitete auch die letzten beiden Hackthons im Technologiepark. Zum Abschluss präsentieren die Teams ihre Prototypen im fünfminütigen "Pitch". Dieser simuliert Erst-Termine mit Investoren und Kunden, deren Aufmerksamkeit meist von sehr kurzer Dauer ist. Ihre Stelle nehmen beim Hackathon die Jury und das Publikum ein. Der Jury gehören an: Peter Schneider (Smart City Solutions GmbH), Marco Beicht (Powercloud GmbH), Klaus Muttach (OB Achern und Aufsichtsratsvorsitzender der WRO) sowie Florian Appel. Ausrichter ist das Gründernetzwerk der Wirtschaftsregion Offenburg/Ortenau (WRO), Startup Connect. Geschäftsführer Florian Appel will mit dem Hackathon die Gründerszene in der Ortenau beleben.

Junge Talente aus den Bereichen Informatik, Design und Betriebswirtschaft sollen in die Region geholt werden, um die Aufgaben der Zukunft anzupacken, ob als Start-up-Unternehmer oder in einem der etablierten Unternehmen. "Hier sind auch Leute aus den Personalabteilungen von WRO-Firmen unterwegs. Es kommt vor, dass Teilnehmer noch während des Studiums angeworben werden. Überhaupt wollen wir sie mit Förderern, Investoren und potentiellen Kunden zusammenbringen, Stichwort Netzwerken."

Idealerweise sollen Start-ups entstehen wie die Plattform "Fensterhelfer" von Jérôme Klausmann, der beim letztjährigen Blackforest Hackathon dabei war. Vorbild ist auch die 2013 von Fabian Silberer und Marco Reinbold gegründete Sevenit GmbH, Anbieter der Buchhaltungssoftware Sevdesk. Das Start-up aus Offenburg ist mittlerweile auf 42 Mitarbeiter angewachsen und fungiert gemeinsam mit der Hochschule Offenburg und der Schrempp Edv GmbH als Mitveranstalter. Die noch junge Binando GmbH aus Stuttgart optimiert Fahrtrouten bei der Leerung von Altglascontainern. Mitgründer Nikolaos Baltsios schilderte in seinem Impulsvortrag die systematische Entwicklung seines aus Sensoren, Hard- und Software bestehenden Produktes bis zur konkreten Anwendung durch echte Kunden. Er mahnte die Teilnehmer, sich auf tatsächlich vorhandene Bedarfe zu fokussieren.

Parken in der Innenstadt etwa ohne lästiges Im-Kreis-Fahren? Die Gewinner in der Kategorie Best Pitch und Business könnten das mit ihrer App Spark, dem "Airbnb des Parkens", in Zukunft möglich machen. Eine automatisierte grüne Welle an innerstädtischen Kreuzungen für Notarztfahrten? Dafür sorgt die App "Grüne Welle für Notfälle", die den Preis für die beste technische Lösung gewann. Die App CityShift wiederum soll Bürger und Verwaltung in Austausch miteinander bringen. Mit vielen weiteren Ideen bewies der Hackathon erneut, was an nur einem Wochenende möglich ist.