Häschen ohne Hemd und Höschen

AFP

Von AFP

Mo, 01. August 2022

Kultur

Die deutsche Ausgabe des Männermagazins "Playboy" wird 50 und sieht sich als feministisch an.

Es ist die wohl älteste Ausrede beim Zeitschriftenkauf. "Ich lese den Playboy doch nur wegen der tollen Interviews", sagten einst die Jungen und Männer, die sich beim Kauf des Erotik-Hochglanzmagazins ertappt fühlten. Dass die deutsche Ausgabe des Playboy nun 50 wird, dürfte freilich mehr an nackter Haut liegen.

Wäre es bei der "Playboy"-Lektüre nur nach den Interviews gegangen, hätten sich Männer nach der am 1. August 1972 erschienenen deutschen Erstausgabe womöglich verstört abgewandt. Esther Vilar, Autorin des Bestsellers "Der dressierte Mann" sprach darin Sätze, die zart besaiteten Männern bis heute weh tun dürften. Die Frau, sagte Vilar, sehe den Man nicht als menschliches Wesen. Eher als "eine Maschine, die materielle Werte produziert". Die Welle der Empörung nutzte den Verkaufszahlen des Magazins.

Wer heute über den Playboy spricht, spricht aber vor allem über die Coverstars und die Playboy-Häschen – Frauen mit Hasenohrhauben in engen Kostümen als PR-Maskottchen. 1983 wurde Nastassja Kinski die erste bekannte Schauspielerin auf der Titelseite. Die Idee, mit Prominenz Auflage zu machen, funktioniert ungebrochen. Die Cover mit den Schauspielerinnen Simone Thomalla oder Nathalie Wörner verkauften sich gut, das Heft mit Eiskunstlauflegende Kati Witt war in ganz Deutschland ausverkauft.

Als der Heinrich-Bauer-Verlag den deutschen "Playboy" lancierte, war er durch das 1953 veröffentlichte Original aus den USA längst eine Weltmarke. Die erste deutsche Ausgabe hatte einige Besonderheiten. So war Covergirl Gaby Heier reichlich bekleidet, dabei hätte sie gar nichts gegen Nacktheit gehabt – aber es "habe keiner gefragt, ob ich mich ausziehen will". 2003 holte Heier das nach.

Nach dem Bauer-Verlag brachte ab 2003 der Burda-Verlag den Playboy raus. Nach dessen Ausstieg Anfang 2020 übernahmen Chefredakteur Florian Boitin und Myriam Karsch die Lizenz. Der Abobestand ist auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 2000, die Auflage mit 106 000 Exemplaren ordentlich.

Obwohl 90 Prozent der Leser männlich sind, verblüffte Geschäftsführerin Karsch vor gut zwei Jahren in der Süddeutschen Zeitung mit einer Charakterisierung des Magazins, die wohl nicht jedem auf Anhieb einfallen würde. "Für mich ist der Playboy sehr feministisch", sagte sie. "Wir stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit – wir zeigen Frauen, die über ihren Körper selbst entscheiden."