Freiburger Künstlerin in Neustadt

Harmonie der Farben als Pop Art

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Mo, 29. Juni 2020 um 16:59 Uhr

Titisee-Neustadt

Ein ganz klein wenig surreal, ja fast unheimlich ist das Ganze. Da eröffnet das Kunstforum Hochschwarzwald seine erste Ausstellung in diesem Jahr – und keiner kommt. Nur vier Personen einschließlich der Künstlerin sind mit Mundschutz bei der Vernissage dabei.

. "Wegen der Corona-Pandemie haben wir zu keiner Vernissage eingeladen", sagte Vorsitzender Rainer Mertens fast ein wenig entschuldigend. "Mehr als zehn Besucher hätten wir aufgrund der Pandemie-Maßnahmen und Abstandsregeln nicht begrüßen dürfen.

Dessen ungeachtet hofft er auf regen Besuch der Ausstellung von Gabriele Ewels-Hurka, die in den eigenen Räumen an der Salzstraße und in der Sparkasse Neustadt zu sehen ist. Mit "Stickers und Bühnen" ist die Präsentation von Acrylbildern überschrieben, bei denen die 70-jährige Freiburger Künstlerin vor allem in ihren frühen Werken auf einen Titel verzichtet hat. "Jeder kann sehen, was er will und soll sich seine Gedanken machen, wenn er meine Arbeiten betrachtet", sagte Ewels-Hurka. Mal seien diese lieblich, andererseits gebrochen und manchmal gebrochen oder gar bedrohlich. Es sind die Farben und deren Zusammenstellung, die die pensionierte Gymnasiallehrerin für Deutsch und Französisch seit mehr als drei Jahrzehnten begeistern und die sie in teils großflächigen Arbeiten präsentiert. "Wie stehen Farben miteinander in Verbindung, wo entstehen Harmonien, wie vertragen sie sich", erklärte Ewels-Hurka die Grundgedanken bei der Schaffung ihrer Werke.

Sehr strikt getrennt sind diese Farben, fast ein bisschen streng, aufgetragen in Acryl auf Leinwand und Holz. Im Lauf der Zeit hat die Künstlerin diese exakt abgegrenzten Farbfelder hin zu "milden Pop Art" entwickelt, wie sie erläutert. Sie fügt Stickers und Albumbilder, wie sie früher in Poesiealben geklebt wurden, ein und erzählt damit Geschichten.

In ihren neuesten Werken verräumlichen sich die Flächen, expandieren von 2D zu 3D. Frei schwebende Quader und Applikationen aus teils historischem Figurenmaterial und blumigen Wand-Dekos "verdichten sich zu großformatigen Szenen dieser zum Surrealen tendierenden Werkgruppe".

Bei allem aber stünden die Farben weiter im Vordergrund, sagt die Künstlerin weiter und gibt diesen Arbeiten nun bewusst Namen: "Giraffenschach", "Schwarmintelligenz", "Showtime", "Die Sammlerin" oder "Neues aus der Welt des Hochadels" hat sie ihre Werke überschrieben.

Mit dieser Schau ist ein Stück Alltag beim Kunstforum eingekehrt. "Die erste Ausstellung im Frühjahr musste wegen Corona ja abgesagt werden", sagte Rainer Mertens. Sie wird im Spätjahr nachgeholt.

Geöffnet ist das Kunstforum bis 19. Juli samstags von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 13 Uhr.