USA

Harvey Weinstein steht erneut wegen Vergewaltigung vor Gericht

dpa

Von dpa

Do, 22. Juli 2021 um 20:26 Uhr

Panorama

Der frühere Hollywood-Mogul Harvey Weinstein kehrt nach Los Angeles zurück, doch es ist kein glamouröser Auftritt: Der frühere Filmmogul ist nun auch in Kalifornien wegen Vergewaltigung angeklagt.

In einem Gefängnis-Overall, im Rollstuhl sitzend wird der 69-Jährige am Mittwoch (Ortszeit) in den Gerichtssaal gefahren. Mit Handschellen gefesselt habe Weinstein bei der Anklageerhebung nur wenige Worte gemurmelt, berichteten US-Medien.

Weinstein, der nach einem Prozess in New York seit 2020 wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung eine langjährige Haftstrafe absitzt, muss sich nun auch in Kalifornien den schweren Vorwürfen mehrerer Frauen stellen. Vergeblich hatten seine Anwälte bis zuletzt versucht, die Auslieferung zu stoppen. Doch mit ihrem Argument, er sei zu gebrechlich und gesundheitlich schwer angeschlagen, kam das Team nicht durch.

Per Flugzeug ging es am Dienstag aus dem Gefängnis in New York nach Kalifornien – und schon einen Tag danach vor den Richter. "Jeder, der seine Macht und seinen Einfluss missbraucht, um jemanden auszunutzen, wird zur Rechenschaft gezogen", erklärte Staatsanwalt George Gascón. Elf Anklagepunkte wurden vor Gericht verlesen, darunter Vergewaltigung und andere sexuelle Übergriffe. Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft geht es um Vorwürfe von fünf Frauen in einem Zeitraum von 2004 bis 2013.

Weinstein, der frühere Vorwürfe stets damit begegnete, jegliche sexuelle Handlungen hätten einvernehmlich stattgefunden, räumte auch diesmal keine Schuld ein. Er muss Ende Juli wieder vor Gericht erscheinen. Im Falle eines Schuldspruchs in allen Punkten drohen 140 Jahre Haft.

Weinsteins Verurteilung im vorigen Jahr markierte einen Meilenstein der US-Rechtsgeschichte. In dem Fall, durch den die #MeToo-Bewegung mit ausgelöst wurde, hatte die Jury den Zeugenaussagen mehrerer Frauen entgegen Weinsteins Unschuldsbeteuerungen geglaubt. In dem aufsehenerregenden Prozess ging es vor allem um zwei Vorwürfe: Weinstein soll eine Produktionsassistentin zum Oralsex gezwungen und eine Schauspielerin vergewaltigt haben. Der Richter verurteilte Weinstein im März 2020 zu 23 Jahren Haft. Sein Anwaltsteam bemüht sich weiter um seine Freilassung. Lange Zeit hatte der einst schwerreiche Produzent die Branche dominiert. Gleichzeitig waren seine angeblichen sexuellen Übergriffe in Hollywood und in der Schauspielszene New Yorks ein offenes Geheimnis.