Titisee

Ein Hauch von Hochsaison im Hochschwarzwald

Eva Korinth

Von Eva Korinth

Fr, 22. Mai 2020 um 14:54 Uhr

Titisee-Neustadt

Die großen Seen haben am Vatertag Menschen scharenweise angelockt, am Titisee und am Schluchsee herrschte Gedränge wie im Hochsommer. Abstand halten war unmöglich. Eine Momentaufnahme.

Auf der Seestraße in Titisee drängen sich am Nachmittag die Menschen dicht an dicht. Alt und Jung sind unterwegs, schlendern von Geschäft zu Geschäft und ans Ufer. Berührungsängste gibt es kaum. Nur wenige Besucher tragen eine Maske vor Mund und Nase, die meisten haben ihren Schutz unters Kinn gezogen.

Warteschlangen bilden sich an den Eisdielen, bei den Bootsvermietern und Stegen der Rundfahrtschiffe.

Die Pandemie merkt man an Masken, Schutzwände und Desinfektionsmittel

Begehrt sind Sitzplätze in der Gastronomie im Freien, Ruhebänke und Schattenplätze. Paare liegen am Ufer auf Handtüchern. Kinder spielen am Wasser und freuen sich über die Enten. Hunderte wandern und radeln am See, der Menschenstrom in der Bruderhalde wirkt, als wäre Volks- und Radwandertag. Überall lachen die Besucher und sind gelöste Gesichter zu sehen. Dass das Coronavirus präsent ist, ist nur an den überall aufgestellten Hinweisschildern für Abstand halten und Mundschutz tragen sowie den in den Bestell- und Kassenzonen aufgestellten Spuckschutzwänden ersichtlich, das Personal trägt Mundschutz und Handschuhe.

Zufrieden mit seinen Passagieren zeigt sich Kapitän Armin Schweizer. Ja, sie verhalten sich diszipliniert. Am Verkaufsstand vor dem Steg des Rundfahrtschiffs Carola sind für die Wartenden Abstandsmarkierungen angebracht. Wer ohne Mundschutz kommt, kann eine Einmalmaske kaufen – denn auf den Schiffen ist sie Pflicht; auf dem Steg steht ein Händedesinfektionsautomat. Während der Rundfahrt gibt es zudem Kontrollgänge, ob jeder Fahrgast seine Maske korrekt trägt. Die zurückgegebenen Tret-, Ruder- und Elektroboote werden vor erneuten Herausgabe desinfiziert.

Vor der Terrasse der Eisdiele Carola mit acht Tischen steht Johannes Bockstaller, empfängt die Gäste und weist ihnen Tische zu. "Die Masse ist nicht zu bändigen", sagt er mit Blick auf das Gewusel auf der Seestraße und am Ufer. Auch bei ihm heißt es warten. Zwei jungen Frauen ohne Maske verwehrt er den Zugang. sie hatten sich umsonst angestellt. Nein, sagt Bockstaller, eine Zeitbeschränkung gebe es nicht auf seiner Terrasse, jeder könne so lange sitzen wie er wolle.

"Wir haben uns extra hier getroffen. Es ist schön, dass wir uns wieder frei bewegen dürfen." Besucher aus Donaueschingen
Froh, einen Tisch ergattert zu haben, nehmen Großeltern aus Donaueschingen mit Tochter und Enkel aus Freiburg Platz: "Wir haben uns extra hier getroffen. Es ist schön, dass wir uns wieder frei bewegen dürfen." Die Bedienung lässt sie vor der Bestellung auf einem Formular Adresse und Uhrzeit eintragen. Die Gastronomie muss Infektionswege nachvollziehbar machen können. Zwei Rentnerinnen sind mit dem Zug aus Freiburg gekommen und freuen sich: "Frische Luft." Im Biergarten haben sich sechs Motorradfahrer vom Bodensee niedergelassen. "Das tut gut", sagen sie und finden es schön, dass es wieder etwas zu essen gibt.

Im Biergarten des Bergsees sind die Tische und Stühle auf Abstand gestellt und gilt freie Platzwahl. Wer etwas essen oder trinken möchte, für den gilt im Freien Selbstbedienung – mit Schlange stehen.

Auch am Schluchsee sind nach den Autokennzeichen Besucher aus Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und selbst aus Norddeutschland unterwegs, Schweizer sowieso. Autofahrer und Motorradfahrer, teils in Gruppen, fahren gemütlich, Radfahrer sind zahlreich. Alle Parkplätze der B 500 und im Ort sind voll, geparkt wird auch auf den Seitenstreifen der Bundesstraße.

Abstand halten, unmöglich – vielleicht auch gar nicht gewollt?

Auf den Wanderwegen rund um Altglashüten und Falkau und auch im Bärental sind die Wanderer und Radler in großen Gruppen zu beobachten. Abstand halten, unmöglich – vielleicht auch gar nicht gewollt? Am Schluchsee verteilen sich die Menschen, denn etliche Besucher – wie etwa Vater und Sohn aus Horb – nutzen ihren Ausflug zum Radfahren und Paddeln oder Wandern. Auf dem Rundfahrtschiff MS Schluchsee gibt es immer einen freien Platz. Die Strände werden genutzt zum Sonnen und Ausruhen.