Sonderedition

Hebels Werke sind nun in sechs Bänden versammelt

Daniel Scholaster

Von Daniel Scholaster

Sa, 07. Dezember 2019 um 15:04 Uhr

Lörrach

16 Jahre Arbeit stecken in der Ausgabe. Nach fast zweihundert Jahren ist es gelungen, das überlieferte Werk Hebels erstmals in einer Edition mit zahlreichen unveröffentlichten Texten vorzulegen.

Nach 16 Jahren Arbeit ist im September eine sechsbändige Hebel-Ausgabe erschienen. Es handelt sich dabei um die erste Studien- und Leseausgabe, die nahezu sämtliche Schriften von Johann Peter Hebel enthält. Am Sonntag stellten zwei der Herausgeber die fertigen Bände im Dreiländermuseum vor.

"Der ganze Hebel soll es sein": Mit diesen Worten würdigte der Präsident des Hebelbundes, Volker Habermaier, die Leistung der Herausgeber und ihrer Mitarbeiter, die sich einer Aufgabe gestellt hatten, die bisher noch niemand gewagt habe, anzugehen. In seinem Grußwort hob er hervor, dass es nach fast zweihundert Jahren gelungen sei, das überlieferte Werk Hebels erstmals in einer Edition mit zahlreichen unveröffentlichten Texten gesammelt vorzulegen. Seit den "Sämmtlichen Schriften" in acht Bänden von 1832/34 und ihrer Neuauflage von 1838 läge keine Werkausgabe des Dichters vor, die den Anspruch erheben könne, die poetischen und theoretischen Schriften vollständig zu erfassen.

Unbekannte Texte im Kontext des Gesamtwerks

Die aktuelle Lese- und Studienausgabe erhebt den Anspruch, alle Schriften und Manuskripte Hebels erfasst zu haben, sie als gesicherte Texte in ihren historischen Kontext einzuordnen und durch einen wissenschaftlichen Apparat zu erschließen. Sie beruht auf dem neuesten Forschungsstand und präsentiert bisher unerschlossene oder unbekannte Texte im Kontext des Gesamtwerks. Die fremdsprachigen Texte Hebels sind übersetzt und kommentiert worden und bieten vor allem hinsichtlich der erstmals vollständig transkribierten Exzerpthefte (1780-1803) neue Einblicke in das theoretische Fundament von Hebels Schriften. Das gilt für die Theologie, Philosophie und Literatur. Habermaier dankte den Herausgebern, dass nun noch vor Weihnachten "diese wahrlich wohlfeile Ausgabe" erschienen sei.

Professor Hansgeorg Schmidt-Bergmann, der als Vorstandsvorsitzender der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe und Herausgeber maßgeblich am Zustandekommen des Projekts beteiligt war, bestätigte diese Aussage Habermaiers. Denn mit 59 Euro sei die gebundene sechsbändige Ausgabe tatsächlich äußerst günstig zu erwerben. Er und die anderen Mitarbeiter hätten sich darum bemüht, die Kosten möglichst gering zu halten. Das sei vor allem deshalb möglich gewesen, weil zahlreiche Institutionen und Unternehmen das Projekt finanziell unterstützt hätten. Dazu zählten unter anderem die Literarische Gesellschaft und die Evangelische Landeskirche in Baden, als deren erster Prälat Hebel einst amtiert hatte. Der Literaturwissenschaftler betonte außerdem, dass er und seine beiden Mitherausgeber, Professor Jan Knopf vom Karlsruher Institut für Technologie und Franz Littmann, Philosoph und Hebeldankträger von 2013, ausschließlich ehrenamtlich für das Projekt gearbeitet hätten. Hinzu sei die Hilfe durch viele weitere Fachleute gekommen. Nur so sei es möglich gewesen, dass umfangreiche und vielseitige Werk Hebels entsprechend zu erschließen. Auch die Sammlung des Dreiländermuseums war in die Forschungen einbezogen worden.

Ein neuer Zugang zum Werk auch für Jüngere

Durch den günstigen Preis sollen viele Menschen einen neuen Zugang zu dem alemannischen Dichter und Literaten erhalten, der vielen Jüngeren heute kaum noch bekannt sei, wie Schmidt-Bergmann weiter ausführte. Aus diesem Grund sei es vielleicht hilfreich, dass der Wallstein-Verlag in Göttingen, in dem die Ausgabe erscheine, diese auch als E-Book anbiete.

Franz Littmann gab zur Einführung in Hebels Schriften einen kleinen Einblick, indem er Auszüge mit Bezug auf deren Auseinandersetzung mit dem jüdischen Glauben vorlas.

Hebel habe zu jenen Theologen der Aufklärung gehört, die in Anlehnung an Gotthold Ephraim Lessings Drama "Nathan der Weise" den Dialog mit anderen Religionen, in der damaligen Zeit also vor allem mit dem Judentum, gesucht hätten. Der badische Pfarrer habe insbesondere den jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn geschätzt und sich mit dessen Schriften, das zeigten seine Aufzeichnungen, beschäftigt.