Trauer

Heiterkeit und Härte: Ein Nachruf auf Walter Scheel

Karl Ludwig Günsche (Mitarbeit: Stefan Hupka)

Von Karl Ludwig Günsche (Mitarbeit: Stefan Hupka)

Mi, 24. August 2016 um 19:57 Uhr

Deutschland

Abschied von einem früheren Bundespräsidenten, sozialliberalen Vizekanzler und populären Volksliedinterpreten: Walter Scheel ist im Alter von 97 Jahren in Bad Krozingen gestorben.

Er war ein Mann, der die Öffentlichkeit immer gesucht hat. Doch als man ihn zuletzt öffentlich sah, hatte der Verlust der Kräfte ihn schon sichtbar im Griff. Im vergangenen Februar war das, als Bad Krozingens prominentester Bürger seiner Gemeinde eine Ruhebank für die Fußgängerzone spendete. Aber auch vor zwei Jahren, umlagert von Gratulanten zum 95. Geburtstag. Schon da erinnerte der Jubilar entfernt noch an den Walter Scheel, den die Menschen kannten und liebten – elegant, redegewandt und auf humorvolle Art ziemlich ehrgeizig.
"Es gibt überhaupt keinen Draht in dieser Bundesrepublik, an dem ich nicht irgendwie gezupft hätte." Walter Scheel Bis ihn das langsame Verdämmern herausgleiten ließ aus seinem politischen Leben, war Scheel fast immer irgendwo dabei, wenn in der Nachkriegsrepublik Weichen gestellt wurden: als junger Solinger Stadtverordneter, später dann im Landtag in Nordrhein-Westfalen, als Bundesminister in Bonn, Parteichef, Staatsoberhaupt und auch danach noch als FDP-Ehrenvorsitzender. "Es gibt überhaupt keinen Draht in dieser Bundesrepublik, an dem ich nicht irgendwie gezupft hätte", bekannte er – nicht ohne Stolz.
Mit seinem Tod geht ein langes Kapitel der bundesdeutschen Geschichte unwiederbringlich zu Ende. Er war der Letzte aus der Riege der Nachkriegspolitiker, der noch mit an den Kabinettstischen von Konrad Adenauer und Ludwig Erhard gesessen hat, der Letzte auch, der Mitglied der Nazipartei war und den Krieg als aktiver Soldat erlebt und erlitten hat. Walter Scheel war, wie kaum ein anderer, ein manchmal entscheidender Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Kaum war er als Oberleutnant der Luftwaffe aus dem Krieg zurückgekehrt in seine Heimatstadt Solingen, schloss er sich 1946 der FDP an. "Es war eine Aufbruchzeit für mich. Selbstbestimmung nach der Diktatur", erinnerte er sich Jahre später. ...

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