Bad Krozingen

Herzzentrum ab 1. April vollständig in Uniklinik integriert

Frank Schoch

Von Frank Schoch

Do, 01. April 2021 um 09:00 Uhr

Bad Krozingen

Mit dem Übergang des Universitäts-Herzzentrums Freiburg-Bad Krozingen ist der Standort Bad Krozingen langfristig gesichert. Bis aus den beiden Häusern eines wird, wird aber noch Zeit vergehen.

Das Universitäts-Herzzentrum Freiburg-Bad Krozingen (UHZ) wird zum 1. April vollständig ins Universitätsklinikum Freiburg (UKF) integriert. Der institutionelle Zusammenschluss bedeutet indes nicht, dass sofort auf allen Ebenen aus zwei Häusern eines wird. Immer wieder war zu hören, dass im UHZ mit 1700 Mitarbeitern, davon 1200 in Bad Krozingen, und im UKF mit 13 000 Mitarbeitern unterschiedliche Kulturen bestünden. Auch die Klinikleitung spricht von einem Prozess des Zusammenwachsens, der nun anzustreben sei.
Es ist der institutionell letzte Akt auf einem jahrelangen Weg. Vom 1. April an ist das UHZ zu 100 Prozent Teil des UKF. Mit mehr als 95 000 stationären Patienten jährlich und knapp 2200 Betten entsteht damit eine der größten Unikliniken Deutschlands. Auch die Immobilien der Klinik im Bad Krozinger Süden und das Gelände, auf dem diese stehen, wurden vom UKF gekauft. Bislang waren beide im Besitz des Benedikt Kreutz Vereins (BKeV), der die Einrichtung 1965 auf den Weg gebracht hatte. Dem Verein gehören auch weiterhin die unmittelbar an das Klinikgelände angrenzenden Flächen, sodass bei möglichen Erweiterungen die Interessen des BKeV berücksichtigt werden müssten. Auch über einen Beirat ist der Verein weiter Teil des UHZ, allerdings nurmehr in beratender Form. Seit 2011 hatten sich das UKF und der BKeV den Betrieb und die Geschäftsanteile des als GmbH geführten UHZ geteilt.

Corona und die drohende Insolvenz

Das UHZ hat sich laut einer Pressemitteilung des Klinikums in den vergangenen Jahren eine sehr gute medizinische und wissenschaftliche Reputation als kardiovaskuläres Schwerpunktzentrum erarbeitet. Auch finanziell befand man sich demnach auf einem guten Weg. Änderungen in der Steuergesetzgebung hatten allerdings bewirkt, dass das UHZ eigentlich von 2021 an jährlich rund sieben Millionen Euro Umsatzsteuer mehr zu bezahlen hätte. Da diese Summe offenbar dauerhaft nicht wieder zu erwirtschaften gewesen wäre, hatten sich die Verantwortlichen von UHZ, BKeV und UKF seit 2018 um ein Modell bemüht, um diese zusätzlichen Steuern zu vermeiden. Die so erarbeiteten Pläne eines Verpachtungsmodells lagen Anfang 2020 nahezu unterschriftsreif bereit, als die Corona-Pandemie die Kliniken vor neue, nicht zuletzt wirtschaftliche Herausforderungen stellte. So stand das UHZ im Frühjahr 2020 kurz vor der Insolvenz.

In Verhandlungen wurden die seit längerem laufenden Gespräche für eine stärkere Integration des UHZ in das UKF fortgeführt. Als Ergebnis stand im Sommer 2020 fest: eine Übertragung sowohl der Geschäftsanteile des BKeV als auch des Geschäftsbetriebs an das Universitätsklinikum. Dies war, so die Pressemitteilung, eine logische und von beiden Seiten präferierte Lösung. Auch die Arbeitsplätze der rund 1700 UHZ-Beschäftigten und den Standort Bad Krozingen sehen die Verantwortlichen so langfristig gesichert.

Klinikleitung sieht Potenzial, aber auch Notwendigkeit des Zusammenwachsens

"Ich freue mich, dass wir für das UHZ eine zukunftsweisende Lösung gefunden haben, die den Standort Bad Krozingen langfristig stärkt", sagt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer. Der Leitende Ärztliche Direktor, Frederik Wenz, und die Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Freiburg, Anja Simon, betonen: "Wenn wir jetzt zusammenwachsen, werden wir eine der größten Universitätskliniken in Deutschland sein. Diese Stärke, dieses große Potenzial gilt es nun richtig einzusetzen; zum weiteren Ausbau einer qualitätszentrierten, universitären Spitzenmedizin in Freiburg und am Campus Bad Krozingen."

Der BKeV-Vorstandsvorsitzende und Bürgermeister von Bad Krozingen, Volker Kieber, betont, dass der Betriebsübergang eine Win-Win-Situation darstelle. "Wir haben im Sinne der Beschäftigten verhandelt und dabei den Standort Bad Krozingen als kardiovaskulären Schwerpunkt gesichert. Zudem ist es uns gelungen, dass das UHZ dauerhaft zu einem Department der Universitätsklinik Freiburg wird. Damit ist unsere Kleinstadt nun auch Universitätsklinikstandort, worauf wir sehr stolz sind", so Kieber.

Kündigunsschutz ja, eigener Personalrat nein

In der Mitteilung des Klinikums heißt es, dass dank der Erhöhungen der Freistellungen im nunmehr gemeinsamen Personalrat die Arbeitnehmerrechte"in Zukunft sogar über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus vertreten werden". Die Arbeitnehmervertretung aus Personalrat, bisherigem UHZ-Betriebsrat, der sich zum 1. April auflöst, sowie den Gewerkschaften Verdi und Marburger Bund sieht die Entwicklung zwiespältig. So sei etwa der primäre Wunsch, in Bad Krozingen eine eigene Dienststelle mit eigenem Personalrat einzuführen, von der Geschäftsführung nicht erfüllt worden. Stattdessen wurde ein Personalbeirat geschaffen, dessen acht Mitglieder die Interessen der UHZ-Mitarbeiter im Personalrat vertreten sollen.

Außerdem wurde auch erreicht, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen und einen besonderen Kündigungsschutz für die ehemaligen UHZ-Mitarbeiter bis 2026 gibt. Zukünftig wolle man insbesondere weiter auf die Schaffung eines eigenen Personalrats sowie in Stuttgart auf die Novellierung des Landespersonalvertretunggesetzes hinwirken, um eine Vergrößerung des Personalrats zu ermöglichen.