HINTERGRUND

Fabian Kretschmer

Von Fabian Kretschmer

Di, 12. Mai 2020

Ausland

China und die USA im neuen Kalten Krieg?

Die amerikanisch-chinesischen Beziehungen sind auf einem historischen Tiefstand. Das Undenkbare wird zur realpolitischen Option: Man müsse sich im schlimmsten Fall auf einen "bewaffneten Konflikt" mit den USA einstellen, heißt es in einer geheimen Analyse, die laut der Nachrichtenagentur Reuters der chinesischen Staatsführung inklusive Präsident Xi Jinping vorgelegt wurde.

 Die Corona-Krise verschärft die Feindseligkeiten. So spricht der amerikanische Außenminister Mike Pompeo von einem "bedeutsamen Maß an Beweisen", dass das Virus aus einem Labor in Wuhan entsprungen sei, während fast sämtliche Wissenschaftler und westlichen Geheimdienste der englischsprachigen Welt widersprechen oder daran zweifeln.

 Nun könnte die chinesische Staatsführung die wüsten und offensichtlich nicht haltbaren Anschuldigungen nutzen, um als besonnen reagierende Weltmacht diplomatischen Boden gut zu machen. Stattdessen passiert das Gegenteil. Chinas Staatsmedien haben sich in ihren antiamerikanischen Entgleisungen weiter hochgejazzt. Außenministeriumssprecher Zhao Lijian deutete auf Twitter an, dass das Virus doch eigentlich von der US-Armee bei einer militärischen Sportveranstaltung nach Wuhan importiert worden wäre.

 Viele Beobachter gehen davon aus, dass die Coronavirus-Pandemie die geopolitische Weltordnung verändern wird – aber in welcher Weise? "Die Pandemie könnte den Startpunkt für das asiatische Jahrhundert markieren", meint der singapurische Ex-Diplomat und Buchautor Kishore Mahbubani im Economist.