HINTERGRUND

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Sa, 09. Januar 2021

Ettenheim

HISTORISCHER VEREIN

Geschichte, Arbeit und Stadtmuseum

Die Eröffnung des Stadtmuseums im Kellergewölbe des Vereinshauses, das einst als städtisches Gefängnis gebaut und genutzt wurde, war im August 2006 ein Meilenstein für die Ortsgruppe Ettenheim des historischen Vereins. Er war 1920, also vor 100 Jahren gegründet worden. Ein weiterer Meilenstein könnte schon zeitnah folgen, wenn die Stadt ihre Pläne umsetzt und das Volksbank-Gebäude in der Friedrichstraße nach dem Umzug des Kreditinstituts ins Quartier Radackern zum Stadtarchiv umgebaut wird.

Ein Blick in die Geschichte des Vereins und Aufgaben des Vereins:

Die Gründung
Die Ettenheimer Gruppe wurde am 12. Juli 1920 von Otto Stemmler, damals Direktor am Realgymnasium, gegründet. Er war auch ihr erster Vorsitzender. Mit Ernst Schaaf übernahm 1934 ein überzeugter Nationalsozialist die Vereinsführung. In den ersten Jahren hatten einzelne viel geforscht. In den 1980er Jahren unter dem Vorsitzenden Bernhard Uttenweiler ist die Forschungsarbeit dann wissenschaftlicher geworden. In dieser Phase entstand die Grundlagenliteratur zur Stadtgeschichte. Veröffentlicht wurden die Arbeiten in Büchern unter anderem in den Jahresbänden "Die Ortenau" des historischen Vereins Mittelbaden oder im "Geroldseckerland", dem historischen Jahrbuch des Ortenaukreises. Auf die Initiative des historischen Vereins wurden überdies Gedenktafeln im Stadtgebiet angebracht, zuletzt zur Erinnerung an die jüdischen Schüler am Städtischen Gymnasium. Auch die Zusatzbeschilderung an Straßenschildern inklusive QR-Codes mit Informationen über die Namensgeber der Straßen ist eine Initiative von Mitgliedern des historischen Vereins.

Das Stadtmuseum
Schon zur Gründung beschlossen die Vereinsmitglieder, Exponate zur Stadtgeschichte in einem Raum auszustellen. Deshalb wurde bereits im Dezember 1920 ein Museumsausschuss gegründet. Im Februar 1955 fanden die Exponate im Gasthaus Lienhard eine erste Heimstatt in einer sogenannten Heimatstube. 1999 gründete sich ein Förderkreis Museum, der sich sowohl um ein Konzept für ein Museum als auch um Sponsoren für ein solches kümmerte. Am 29. August 2006 wurde schließlich das Museum im Kellergewölbe des Vereinshauses eröffnet. An Kostbarkeiten befinden sich dort zwei Knoblochtzer-Inkunabeln aus dem Jahr 1478, die Rohan-Bibel von 1734 und eine Rezepthandschrift des 1784 verstorbenen Scharfrichters Jakob Mengis. Selbstredend darf auch das bekannte Halsband nicht fehlen, wegen dem einst der Kardinal Rohan am französischen Hof in Ungnade fiel. Die Übergabe es Colliers an die Stadt und das Museum fand 2004 durch Gräfin Kotulinsky-Rohan statt.

Die Vorsitzenden

Treibende Kraft zur Gründung der Ortsgruppe war der Direktor des Realgymnasiums, Otto Stemmler, der bei der Gründungsversammlung am 18. Juli 1920 auch zum Vorsitzenden gewählt wurde. Er wurde 1934 von Geschichtsprofessor Ernst Schaaf abgelöst. Dieser stand bis 1944 dem Verein vor. Nach einer Vakanz wurde 1947 der Sparkassendirektor Friedrich Allendorf zum Vorsitzenden gewählt. Ihm folgte 1969 der Fernmeldeamtmann Josef Naudascher aus Mahlberg. Von 1973 bis 1977 stand Amtsgerichtsdirektor Walter Kießling an der Spitze. Unter der Führung (1977 bis 1979) von Bernd Klug, Geschichtslehrer an der Heimschule wurde der "historische Stammtisch" mit Vortragsprogramm für die Mitglieder eingeführt. 1980 übernahm der Heimschullehrer Bernhard Uttenweiler, inzwischen Ehrenmitglied des Vereins, die Führung. Sein Nachfolger wurde im März 2012 der Konrektor der Realschule an der Heimschule, Thomas Dees.