HINTERGRUND

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

Mo, 18. Mai 2020

Deutschland

Wie Hygieniker die Vorgaben beurteilen

"Es geht stets um die Unterbrechung und Verhinderung von Infektionsketten", charakterisiert Ernst Tabori, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg, die Bedeutung des Abstandsgebots beim "Sars-CoV-2-Arbeitsschutzstandard" des Bundesarbeitsministeriums. Unternehmen sollten auch, wie dies die Vorgaben vorschreiben, die Arbeitszeiten und Pausen ihrer Mitarbeiter möglichst versetzt organisieren oder mit Homeoffice arbeiten. "Jeder Mitarbeiter muss die Möglichkeit haben, sich vor dem Essen desinfizieren zu können, Staus an Toiletten oder vor dem Kopierer sind zu vermeiden, ergänzt Winfried Ebner, Oberarzt für Hygiene und Umweltmedizin an der Freiburger Uniklinik. Drei Säulen für den Kampf gegen Corona hat Ebner für die Krankenhäuser als Arbeitgeber ausgemacht: die Schulung der Aufmerksamkeit bei Mitarbeitern und bei Patienten, die Ermöglichung von Tests und eine Basis-Hygiene inklusive Atemschutznutzung. In der Uniklinik gelte mittlerweile eine Mundnasenschutz-Pflicht für Mitarbeiter im Umgang mit Patienten und im Gespräch mit den Kollegen.

 Ganz besonders begrüßen die Hygiene-Fachleute an den Richtlinien für Arbeitgeber die Aufforderung, sich mit einer Infektion nicht mehr zur Arbeit zu "schleppen". Diese falsch verstandene Verantwortung gegenüber einem Unternehmen sollte und wird es wohl nach Corona nicht mehr geben, glaubt Tabori. "Das wird jetzt hoffentlich verpönt sein, die Kollateralschäden auch bei Durchfallerkrankungen oder der Grippe sind gerade in den Kliniken immens", stimmt ihm Ebner zu.