Corona-Pandemie

Hochschwarzwälder haben während des Lockdowns ihre Kleider ausgemistet

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Di, 09. Juni 2020 um 19:09 Uhr

Titisee-Neustadt

Der Lockdown hat dem Team der Kaffee-Kleider-Stube in Neustadt viel Ware und jede Menge Arbeit gebracht – sogar eine benutzte Herrenunterhose ist abgegeben worden.

Ein blauer Rollkragenpullover, ein brauner Fellschal und mehrere Halstücher fallen aus der Tüte auf den großen Tisch. Hier liegen schon Stapel mit T-Shirts, Strickjacken und Hosen. Rosmarie Schelb, Ella Kurz und Sabrina Hodroj vom Team der Kaffee-Kleider-Stube sichten, sortieren, stapeln – und haben damit alle Hände voll zu tun. Viele Hochschwarzwälder haben den Lockdown genutzt und zu Hause klar Schiff gemacht. Dazu gehörte auch der Blick in den Kleiderschrank.

Mehr als 30 Leute kamen zur Kleiderabgabe

Mitte März musste die Einrichtung am Neustädter Hirschenbuckel aufgrund der Corona-Pandemie schließen, jetzt hatte sie erstmals wieder für eine Kleiderabgabe geöffnet. "Der Andrang war groß. Mehr als 30 Leute werden schon da gewesen sein", schätzt das Trio. Etliche hätten auf diesen ersten Termin regelrecht gewartet, man habe gemerkt, dass die Leute zu Hause aus- und aufgeräumt haben.

Damit ist nun auch das ehrenamtliche Team der Kleiderstube beschäftigt. Seit acht Uhr sind sie an diesem Dienstag bei der Arbeit. Rosmarie Schelb nimmt die nächste Tasche und zieht neben ein paar Kleidungsstücken einen hölzernen Kasten mit einer Kurbel heraus. "Sieht wie eine Mühle aus", sagt sie und öffnet eine Klappe. "Allerdings nicht für Kaffee, da drin ist eine Walze mit Metallspitzen."

"Manche Leute geben kaputtes Geschirr, zerrissene oder dreckige Kleider ab." Ella Kurz

Neben all den vielen guten Kleidern und nützlichen Haushaltswaren, die in der Kleiderstube abgegeben werden, seien auch immer wieder wahre Wundertüten mit kuriosem oder schlicht unbrauchbarem Inhalt dabei. "Manche Leute geben kaputtes Geschirr, zerrissene oder dreckige Kleider ab", erzählt Ella Kurz. Höhepunkt sei eine ungewaschene Herrenunterhose gewesen. Diese Sachen werden von den Helferinnen gleich aussortiert und entsorgt. Dabei bekommen sie immer wieder Hilfe von zwei Männern, die an diesem Morgen etliche Müllsäcke wegfahren.

Die Regale im Lager und im Laden sind voll

"Was würde ich selbst noch anziehen, an was hätte ich eine Freude – wer so über die Sache nachdenkt, die er uns bringt, macht es richtig", sagen die Frauen. Das gelte auch jetzt, beim großen Aufräumen während Corona. Wie oft Menschen sich diese Gedanken machen und eben nicht nur schnell Ungeliebtes loswerden wollen, zeigen die vollen Regale in Laden und Lager, gefüllt mit schönen Kleidungsstücken. Gern gesehen sind auch Bettwäsche und Handtücher.

"Wer es allerdings gerade nicht ganz so eilig damit hat, seine Sachen abzugeben, kann gerne noch etwas warten", sagt Rosmarie Schelb. So könne das Team trotz des Ansturms von vergangener Woche noch aufarbeiten, was wegen der Zwangspause warten musste: das große Umräumen. Die Wintersachen werden sortiert und kommen ins Lager, T-Shirts und kurze Hosen für die warme Tagen nach vorne in denVerkauf.
Info:

Nächste Kleiderannahme ist am Dienstag, 16. Juni, von 9 bis 11 Uhr, Hirschenbuckel 3, Titisee-Neustadt

Er wird aller Voraussicht nach im Juli wieder starten. Gemeinsam mit den Verantwortlichen der Diakonie habe man sich darauf geeinigt, die Türen für Einkäufer im Juni noch zuzulassen. "Es dürften bislang eh nur drei Leute im Laden sein", sagt Sabrina Hodroj. Wie sehr die Leute darauf warteten, wiederkommen zu dürfen, habe sich beim Kleiderabgabetermin vergangene Woche gezeigt. Und auch jetzt schaut eine Mutter mit ihrem Sohn durch die Türe und fragt, wann sie wieder reinkommen darf. "Die Pause war gut um mal durchzuatmen – aber jetzt freuen wir uns auf die Arbeit und den Kontakt mit den Menschen", sagt Rosmarie Schelb und nimmt die nächste Tüte. Inhalt: ein Nachthemd, mehrere T-Shirts und ein schöner Kerzenständer.