Tief Ignatz

Höllentalbahn nach Sturmschäden im Schwarzwald wieder in Betrieb

Konstantin Görlich, Felix Klingel, BZ und dpa

Von Konstantin Görlich, Felix Klingel, BZ-Redaktion & dpa

Do, 21. Oktober 2021 um 09:55 Uhr

Hinterzarten

Sturmtief Ignatz hat den Berufsverkehr in Baden-Württemberg durcheinandergewirbelt. Bäume stürzten auf Straßen und in eine Oberleitung der Höllentalbahn. Inzwischen fahren die Züge wieder.

Ein in die Oberleitung gestürzter Baum hat am frühen Donnerstagmorgen einen Zug der Höllentalbahn bei Hinterzarten gestoppt. Die Fahrgäste mussten das Unfallfahrzeug auf offener Strecke verlassen. Um an den Zug zu kommen und ihn freischneiden zu können musste die Feuerwehr zunächst einen Bach überbrücken.

Der Bahnverkehr zwischen Hinterzarten und Himmelreich war unterbrochen, was sich auf den gesamten Verkehr auf der Breisgau-S-Bahn ausgewirkt hat. Die Bahn hatte einen Ersatzverkehr eingerichtet. Züge sollten in dem Bereich frühestens zur Mittagszeit wieder fahren.

Straßen im Kreis Emmendingen gesperrt

Ansonsten gab es im Schwarzwald bislang keine größeren Behinderungen durch Sturmtief Ignatz. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen und beschädigten Autos, Bauzäune wurden umgeworfen. Verletzte gab es jedoch nicht. Ebenso präsentierte sich die Lage im Elztal, wo die Straße zwischen Gutach-Siegelau und Stollen-Bleibach wegen Astbruchgefahr und umgestürzter Bäume für etwa zwei Stunden komplett gesperrt war, wie die Polizei meldet.

Die Kreisstraße 5109 (Gscheidstraße) ist laut einer Information des Emmendinger Landratsamts aufgrund umgestürzter Bäume in Freiamt-Keppenbach voll gesperrt. Feuerwehr, Forst- und Straßenmeisterei waren am frühen Morgen im Einsatz, mussten diesen jedoch wegen der Gefährdungslage abbrechen. Sobald die Situation es zulasse, würden die Fäll- und Aufräumarbeiten fortgesetzt. Die Kreisstraße werde voraussichtlich erst im Laufe des Freitags wieder freigegeben.

Tribünendach in Todtnau abgedeckt

Im Kreis Lörrach hat der kräftige Herbststurm eher leichte Spuren hinterlassen. Mehrfach mussten Feuerwehr und Polizei ausrücken, weil umgestürzte Bäume aber auch um geworfene Bauzäune Straßen blockierten, sagte Polizeisprecher Mathias Albicker auf Anfrage. Vereinzelt waren auch Ziegel von Dächern geweht worden.

In Todtnau hat der Sturm nach Angaben der Polizei ein Tribünendach abgedeckt. An frühen Vormittag waren die meisten Schäden, etwa auch ein Baum, der die B3 zwischen Efringen-Kirchen und Welmlingen blockierte, wieder beseitigt. Trotzdem kam es im Nahverkehr zu Verspätungen. Die Feuerwehr Weil am Rhein hat im Stadtgebiet bislang vier Einsätze wegen Sturmschäden gehabt. Drei waren an der Rheinstraße und der Haltinger Straße in Märkt, einer in der Nonnenholzstraße, wo jeweils Äste auf der Straße lagen und fortgeräumt werden mussten. An der Römerstraße waren Styroporplatten auf die Straße geweht worden.

Stromausfälle in der Ortenau

In Offenburg bestand am Donnerstagmorgen in einzelnen Straßen Gefahr durch herabfallende Dachziegel, vorübergehend wurde ein Gehweg gesperrt. In der Senefelderstraße in Offenburg hat sich eine Plastikbank durch den Wind verselbständigt und hierbei ein Auto beschädigt. In der Haunauer Straße in Rheinau ist kurz vor 7 Uhr ein Rollerfahrer gegen einen umstürzenden Baum geprallt und zu Fall gekommen. Der 51-Jährige hat sich hierbei leichte Verletzungen zugezogen und musste mit einem Rettungswagen in eine Klinik gebracht werden. Die Hanauer Straße war während er Unfallaufnahme und bis zur Beseitigung des Hindernisses durch Einsatzkräfte der Feuerwehr halbseitig gesperrt. Unmittelbar nach dem gestürzten Rollerfahrer ist auch eine Opel-Lenkerin mit dem Baum kollidiert. Hierbei blieb es allerdings beim Blechschaden von rund 3.000 Euro.

Im gesamten Ortenaukreis hat es als Folge des Sturms zusätzlich einige Stromausfälle gegeben. Um 4.22 Uhr stürzte ein Baum in eine Freileitung, was zu einer etwa einstündigen Störung in Wolfach-Kirnbach und in Hornberg-Reichenbach führte, wie das Überlandwerk Mittelbaden mitteilt. Gegen 6.30 Uhr löste ebenfalls ein Baum einen etwa halbstündigen Stromausfall in den Kehler Ortsteilen Kittersburg und Hohnhurst aus. Weitere kleinere Störungen wurden aus dem Wolf- und Kinzigtal, aus Friesenheim-Schuttern und aus Schweighausen gemeldet.

Ebenso ist es im Schwarzwald in Gurtweil, Münstertal und Neustadt zu Stromausfällen gekommen. Heftige Windböen rissen Bäume um, die in Freileitungen fielen und dadurch Leiterseile und auch Masten beschädigten. Mitarbeiter der ED Netze entfernten vielerorts Bäume, die in Freileitungen gefallen waren. Die Arbeiten in teils schwer zugänglichem und unwegsamen Gelände bedürfen eines besonders umsichtigen Vorgehens. – und könnten daher noch bis zum Wochenende andauern.

Freiburg bleibt vom Sturm weitgehend verschont

Im Markgräflerland schüttelte Sturm Ignatz viele Bäume durch. An zwei riesigen Buchen am Straßenrand in Niederweiler brachen die Stämme und mehrere Hauptäste ab. Sie blockierten die Straße für den laufenden Verkehr. Auch ein Linienbus musste anhalten und auf die Feuerwehr warten. Der Stadtkreis Freiburg blieb vom Sturm dagegen weitgehend verschont. Die dortige Feuerwehr rückte zu vier unwetterbedingten Einsätzen aus.

Das Einsatzgeschehen wird von der Führungsgruppe Hochschwarzwald koordiniert, um die integrierte Leitstelle in Freiburg zu entlasten. Seit 5.30 Uhr am Donnerstagmorgen habe es 30 Einsätze für einen Großteil der Feuerwehren gegeben. 15 Davon betreffen den Hochschwarzwald, sieben das Dreisamtal, vier das Markgräflerland und jeweils zwei den Kaiserstuhl und den südlichen Breisgau.

Zum Glück begann der Sturm vor Einsetzen des Berufsverkehrs, der dann aber die Feuerwehr mit Hinweisen versorgte. Eine Bereitschaft soll bis 12 Uhr aufrechterhalten werden, dann dürfte die Spitze des Sturms erreicht worden sein. Die Wetterdienste rechnen für den Kreis Breisgau-Hochschwarzwald noch bis 13 Uhr mit Böen auf derzeitigen Niveau.

Überall in Baden-Württemberg meldet die Bahn aufgrund von Unwetterschäden "starke Einschränkungen" im Nahverkehr. Einzelne Züge verspäten sich erheblich oder fallen ganz aus. Besonders betroffen war neben dem Schwarzwald auch der Norden Baden-Württembergs. So wütete der Sturm auch in Mannheim und sorgte dafür, dass mehrere Lastwagen auf der Rheinbrücke querstanden. Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte waren im Einsatz.

In der Stadt konnten die Menschen am Donnerstag weder Parks noch Friedhöfe besuchen. Beerdigungen fanden statt. "Besucher von Trauerfeiern bitten wir, wegen der drohenden Ast- und Baumbruchgefahr die Hauptwege nicht zu verlassen", hieß es aus dem Rathaus. Im Stadtgebiet waren seit dem frühen Morgen Einsatzkräfte der Feuerwehr unterwegs um Sturmschäden zu beseitigen. Ziegel waren von Dächern geweht worden, umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste sorgten für viel Arbeit.

In Heidelberg hat der Zoo geschlossen

Aufgrund des Unwetters blieb auch der Zoo in der Nachbarstadt Heidelberg am Donnerstag vorsorglich geschlossen. "Wir möchten kein Risiko eingehen", hieß es vom Zoo. In Ludwigsburg war aufgrund der Wucht des Sturmtiefs ein größeres Gerüst auf ein Gebäude gestürzt, wie die Polizei mitteilte. Nähere Angaben waren zunächst nicht bekannt. Aus Pforzheim gibt es Berichte über zahlreiche Beschädigte Autos.

Bei Phillippsburg stürzte der Anhänger eines Lastwagens um, wie die Polizei mitteilte. Das Gespann sei am Donnerstagmorgen in Richtung Bruchsal unterwegs gewesen, als der Anhänger auf einer Brücke von einer starken Windböe erfasst und auf die Seite geworfen wurde.

Ignatz zieht weiter nach Bayern

Der Sturm "Ignatz" verursacht nun auch in Bayern erste Schäden. Die Integrierten Leitstellen in Unterfranken meldeten am Donnerstagmorgen Dutzende Einsätze, meist wegen umgestürzter Bäume, umgefallener Bauzäune oder von Dächern gewehter Dachziegel. Teilweise kam es zu Stromausfällen und gesperrten Zugstrecken. In Würzburg wurde ein Baugerüst an einer Rettungswache des Roten Kreuzes umgeweht. Menschen kamen ersten Informationen zufolge nicht zu Schaden.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet am Donnerstag in Bayern Sturmböen bis zum Nachmittag. Im Laufe des Vormittags soll es zunächst in Franken und Schwaben, später auch in den östlichen Landesteilen, zu Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 90 Kilometern pro Stunde kommen. In Nordbayern und im höheren Bergland könne es auch orkanartige Böen mit bis zu 115 Kilometern pro Stunde geben.
Für das Allgäu und den nördlichen Teil von Franken sagt der DWD zudem örtlich Starkregen voraus. Schwere Sturmböen seien auch hier nicht ausgeschlossen. Am Nachmittag soll sich der Wind deutlich abschwächen. Grund für das Unwetter ist die Kaltfront eines Sturmtiefs, dessen Kern über Skandinavien liegt.

Die Feuerwehr Würzburg rief die Menschen auf, nicht notwendige Aufenthalte im Freien zu vermeiden. In Augsburg blieb der Zoo am Donnerstag wegen des Sturms geschlossen.