Lebensmittelversorgung

Hofläden und Marktstände sind jetzt beliebte Einkaufsorte

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Do, 26. März 2020 um 15:54 Uhr

Schliengen

Fast alle Läden sind geschlossen, nur die des täglichen Bedarfs sind geöffnet – dazu zählen auch Marktstände und Hofläden. Anbieter im Raum Schliengen erfahren reichlich Zuspruch.

Corona-Krise hin oder her: Der Mensch braucht etwas zu essen – und das gibt es nicht nur in Supermärkten und Discountern, sondern auch in Hofläden und an Marktständen. Wie laufen dort derzeit die Geschäfte? Die BZ befragte Markthändlerin Carola Zimmermann, Fleischermeister Martin Widmann und Heike Jung vom Hofladen Jung. Alle drei Befragten stellen fest: Der Zuspruch hat zugenommen, die Kunden sind kooperativ und halten sich an die Sicherheitsregeln.

Selbst- und Kundenschutz sind auch hier ein Thema

"Es hat angezogen, und es kommen auch Leute, die vorher nicht gekommen sind", sagt Carola Zimmermann. Seit zehn Jahren verkauft sie freitags auf dem großen Platz vor der Lieler Schlossgartenhalle Gemüse, Obst, Eier, selbst gemachtes Brot, Marmelade und Spirituosen. Zu den eigenen Produkten des landwirtschaftlichen Betriebs zwischen Liel und Niedereggenen kommt Ware aus der Region. Seit die Corona-Krise in Südbaden angekommen ist, trägt Zimmermann an ihrem Stand immer neue Einmalhandschuhe und hält Abstand, Selbstbedienung gibt es nicht mehr.

"Man merkt, dass die Leute mehr daheim sind und kochen." Fleischermeister Martin Widmann
Zum Thema Mundschutz sagt sie nüchtern: "Es ist schwierig, welchen zu bekommen." Sie habe keine Bedenken, dass ihr die Ware ausgehen könnte, stellt sie fest. Wie sich die Erntesituation bei den zugekauften Feldfrüchten Spargel und Erdbeeren entwickle, werde man sehen, und: "Man kann als Erntehelfer auf dem Feld gut Abstand halten". Abstand halte auch ihre Kundschaft: "Es ist alles machbar, man muss nur vernünftig sein. Und man kann ja trotzdem miteinander schwätzen."

"Man merkt, dass die Leute mehr daheim sind und kochen", beobachtet Fleischermeister Martin Widmann. Der Fleischerei-Meisterbetrieb Widmann betreibt ein Fachgeschäft in Hartheim, zudem ist man auf Wochenmärkten zwischen Hartheim und Kandern unterwegs. Die Inhaber legen großen Wert auf regionales Fleisch, 95 Prozent des Wurstsortiments ist aus eigener Herstellung. Zum Marktwagen und auch in den Hartheimer Laden kämen mehr Kunden als sonst, sagt Widmann.

Im Laden trennt eine Plexiglasscheibe Verkäufer und Kunden, im Marktwagen sitzen die Verkäufer einen Meter höher als die Kundschaft und: "Nach jedem Kunden werden die Hände desinfiziert." Dass die Kunden Abstand halten, so Widmann: "Hat bislang überall vorbildlich geklappt!" Da derzeit Partyservice, Mittags- und Aboessen und die Belieferung von Hocks wegfallen, bietet die Hartheimer Fleischerei seit Dienstag, 24. März, einen Lieferservice für Fleisch, Wurst und Mittagstisch an. "Von Stand heute kommen wir durch", stellt Widmann fest.

Brote, Speck, Linzertorte und Wein

"Es läuft wahnsinnig, und wir geben auch unser Letztes", sagt Heike Jung. Sie und Edwin Jung sind die Inhaber des Hofladens Jung in Niedereggenen und der Schweighofer Filiale. Die selbst gebackenen Brote waren bereits vor der Corona-Krise gefragt. Aktuell stünde Edwin Jung an Backtagen von drei Uhr nachts bis 20 Uhr abends in der Backstube, erzählt Heike Jung. Das Sortiment umfasst Bauernspeck, Schinken, Dosenwurst, Käse, Obst, Gemüse, Salate, Eier, Marmelade, Honig, Linzertorte, Wein und selbst gebrannte Schnäpse. Was der landwirtschaftliche Vollerwerbsbetrieb nicht hergibt, wird aus der Region zugekauft, Südfrüchte stammen vom Großmarkt.

Nun darf nur noch jeweils ein Kunde den Hofladen betreten, nachdem er sich zuvor im Eingangsbereich die Hände desinfiziert hat – da ist es günstig, dass vor beiden Ladenstandorten reichlich Platz vorhanden ist. Der Laden wurde etwas umgebaut, eine Plexiglasscheibe im Kassenbereich aufgestellt, Selbstbedienung ist nicht mehr möglich. Alle seien sehr kooperativ, freut sich Jung: "Ein Dank an unsere Kunden, dass sie so mitmachen". Sollte es etwa beim Waren-Auffüllen zu personellen Engpässen kommen, gebe es viele Hilfsangebote aus der Nachbarschaft, sagt Jung. Auch hierfür sei sie sehr dankbar.

Zum Betrieb gehören Kirschen- und Zwetschgenbäume, hier bereiten der Familie Einreisesperren und Frostnächte Sorgen. Je nach Erntemenge kämen normalerweise Erntehelfer aus Rumänien und Polen, erzählt Jung. Eventuell könne man auf andere Kräfte ausweichen – doch das flotte Arbeitstempo erfahrener Erntehelfer sei wichtig angesichts des begrenzten Zeitfensters bei der Ernte: "Obst kann nicht ewig am Baum bleiben."
Öffnungszeiten Hofladen Jung: In Niedereggenen donnerstags von 14 bis 18 Uhr und freitags von 7 bis 18 Uhr, in Schweighof donnerstags von 15 bis 19 Uhr, samstags von 8 bis 12 Uhr.

Carola Zimmermanns Marktstand "Gemüsekorb" und der Marktwagen der Fleischerei Widmann stehen freitags von 14 bis 18 Uhr bei der Schlossgartenhalle Liel. "Gemüsekorb" in Schliengen: Samstags von 8.30 bis 12.30 Uhr bei der Metzgerei Dosenbach.

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