Der Beerensaft färbt sogar Haare

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Von bl

Fr, 10. September 2021

Gesundheit & Ernährung

DIE KRAFT DER KRÄUTER: Die Heilpflanze Holunder ist von Frühjahr bis Spätsommer präsent.

. Das Frühjahr 2021 war so kalt, dass die Obst- und Fruchternte mag
er ausfällt. Nur wenige haben der Kälte getrotzt. "Darunter eine meiner absoluten Lieblingsheilpflanzen: der Holunder", erklärt die Löffinger Kräuterexpertin Gisela Schreiber strahlend. "Eine Pflanze, die uns vom Frühjahr bis in den Spätsommer mit seinen heilenden Pflanzenteilen begleitet und von der die wenigsten wissen, dass nicht nur Blüten und Beeren Anwendung in der Antike fanden, sondern auch Wurzeln und Blätter. Aus ihnen wurden heilende Sude gekocht." Die Blätter, so Schreiber, wurden als Umschlag bei Geschwüren und Entzündungen aufgelegt, alkoholische Auszüge der Wurzeln bei Schlangenbissen eingesetzt und die frische Rinde bei Insektenstichen und Brandwunden genutzt. "Außerdem wurden die Haare mit Beerensaft schwarz gefärbt." Alles Anwendungen, die heute keine Rolle mehr spielen, aber dazu beitragen, dass sich seit jeher unheimlich viele Mythen um diese Pflanze ranken.

Vor allem die Germanen verehrten den Holunderbusch als Wohnsitz der Hausgöttin Holda, Schutzpatronin für Mensch und Pflanzen. Spuren davon lassen sich bis in die Moderne erkennen, denn bei keinem Bauernhaus durfte bis vor Kurzem der Holunderbusch fehlen. Er wurde entsprechend gepflegt und gehütet, denn – so der Volksglaube – wer ihn fällt oder verletzt, der wird krank oder stirbt sogar. Und so finden sich noch heute im Hochschwarzwald viele Holunderbüsche in den Gärten und vor allem in den Feldhecken.

Dort betören sie im Frühjahr mit ihrem aromatischen Blütenduft und im Spätsommer laden sie zur Beerenernte ein. Durch den sonnenarmen Sommer benötigen sie derzeit noch ein paar Sonnenstrahlen, um noch etwas Süße und vor allem Vitamin C zu produzieren. Erntereife Beeren sind dunkellila, fast schwarz, weshalb die Pflanze auch die botanische Bezeichnung Sambucus nigra trägt.

Die Anwendung des Holundersafts bei Erkältungskrankheiten basiert vorrangig auf dem hohen Gehalt an Vitamin C und schweißtreibenden Inhaltsstoffen. Diese regen das Wärmeregulationszentrum des Organismus an und führen dazu, dass beginnende Erkältungsbeschwerden regelrecht ausgeschwitzt werden. Ein in vielen Haushalten nach wie vor angewandtes Hausmittel.

Dies bestätigt auch Claudia Ketterer, Inhaberin von "Claudias Früchteküche" in Unadingen. "In der Herbst-Winterzeit ist der Holundersaft nach wie vor der Renner. Wobei auffällt, dass durch das gesunkene Erkältungsgeschehen im vergangenen Winter die Nachfrage eindeutig geringer war als üblich." Ketterers Tipp für einen heißen Holundersaft: "Ein halbes Glas Holundersaft mit heißem Wasser auffüllen. So hat er die richtige Trinktemperatur." Außerdem geht durch das fehlende Erhitzen des Safts der Vitamin C Gehalt nicht verloren. Wer will, kann noch einen Löffel Honig, der eine leicht desinfizierende Wirkung hat, dazugeben.

Wer nicht mehr bis zum Winter warten will, für den hat Kräuterexpertin Gisela Schreiber ein Rezept für Holunder-Balsamico parat. Äußerst lecker schmeckt er zu Endivien oder Chicorée-Salat mit Orangen, wo sich die bittere Salatkomponente mit der fruchtigen Süße der Orange und natürlich dem Holunderbalsamico vereinigt.