Umstrittener Konzern aus China

Huawei sieht sich als Opfer

Tom Weingärtner

Von Tom Weingärtner

Mo, 22. April 2019 um 18:48 Uhr

Wirtschaft

Der chinesische Konzern Huawei gilt vor allem in den USA als Sicherheitsrisiko. In der Zentrale in Shenzen versucht man, Bedenken auszuräumen.

Ist der chinesische Technologiekonzern Huawei eine Bedrohung für die Sicherheit des Westens? Die Antworten fallen unterschiedlich aus. Ein Blick in die Huawei-Zentrale in Shenzen.

Das Hauptquartier des Technologiekonzerns Huawei(Der chinesische Weg) in Shenzen ist eine Parklandschaft: kurz geschnittener Rasen, tropische Bäume und Seen, auf denen sich schwarze Schwäne tummeln. Der Unternehmensgründer Ren Zhengfei will damit den Anspruch seines Unternehmens unterstreichen, immer die Ideen zu haben, die zu Innovationen führen. In drei Jahrzehnten hat der ehemalige Soldat Ren Huawei zu einem globalen Technologiekonzern gemacht. Die Hälfte des Umsatzes von 107 Milliarden Dollar (2018: 95 Milliarden Euro) erwirtschaftet Huawei außerhalb der Volksrepublik. 15 Prozent davon gibt die Firma für Forschung und Entwicklung aus.

Im Norden von Shenzen hat Huawei einen Campus für 25 000 Ingenieure errichtet. Die meisten werden direkt von den Universitäten rekrutiert und so gut bezahlt, dass sie nach 15 Jahren ausgesorgt haben. Ihre Firma geht davon aus, dass ihre Kreativität dann verbraucht ist. Bemerkenswert ist der Campus auch deswegen, weil er im europäischen Stil erbaut wurde. Man betritt ihn durch einen Bahnhof französischer Anmutung. Ein elektrischer Zug bringt die Beschäftigten- ins mittelalterliche Freiburg oder Granada. Das Ambiente soll helfen, die Grenzen der eigenen Kultur zu überwinden.

Beim Mobilfunkstandard G 5, der demnächst auch in Deutschland eingeführt werden soll, haben die Chinesen die Nase vorn. Huawei ist entschlossen, beim Aufbau der dafür notwendigen Infrastruktur seinen Hut in den Ring zu werfen. Optimisten gehen zum Beispiel davon aus, dass in der Zukunft Fabriken über G- 5 -Verbindungen gesteuert werden.

In Shenzhen bekommt man schon einen Vorgeschmack davon, wie die neue, digitale Welt aussehen könnte. Die Stadt ist im Blick tausender Kameras und an jeder Ampel werden alle Nummernschilder der vorbeifahrenden Fahrzeuge registriert. Mit der Auswertung dieser Datenflut habe man die Stadt nicht nur sicherer gemacht, sagt Huawei-Sprecher Joe Kelly. Auch Verwaltungsaufgaben könne man nun effizienter bewältigen.

Diese Aussicht hat andernorts die Bedenkenträger auf den Plan gerufen. Besonders in Amerika möchte man eine solche weitgehende Kontrolle nicht gerade dem Unternehmen eines Landes überlassen, das den eigenen Status als Weltmacht infrage stellt. Die Amerikaner haben Huawei als Mobilfunkausrüster ausgeschlossen und üben großen Druck auf ihre Verbündeten aus, die G-5-Technik nicht gerade bei Huawei zu kaufen.

Die Chinesen sehen das anders. Ein ausgefeiltes Sicherheitsmanagement sorge dafür, dass alle Produkte von Huawei sicher seien und den Datenschutzanforderungen genügten, sagt Sophie Batas, Direktor für Cybersicherheit im Brüsseler Büro des Konzerns. In der Vergangenheit habe es nie Probleme mit der Sicherheit von Huawei-Komponenten gegeben.

Zu schaffen macht Huawei ein Gesetz der Volksrepublik, nach dem alle Firmen des Landes zur Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten verpflichtet sind. Das gelte aber nicht für die Aktivitäten des Konzerns außerhalb Chinas, versichert Huawei. Als Vertrauen bildende Maßnahme haben sie Journalisten nach Shenzhen eingeladen. Die Reporter sind allerdings nicht mehr zugelassen, als die Geschäftsstrategie erläutert wird.

Aber den Amerikanern, heißt es in Shenzhen, gehe es gar nicht um die Sicherheit der Produkte von Huawei, sondern um einen Trumpf im Handelsstreit mit China. Sobald sich Washington und Peking über neue Regeln im Handel verständigt hätten, werde die US-Regierung ihre Bedenken gegen Huawei fallen lassen. Die Cybersicherheit, sagt Huawei-Chef Ken Hu, sei kein politisches, sondern ein technisches Problem.

In Shenzhen in man erleichtert darüber, dass die Deutschen dem Druck der Amerikaner offenbar nicht nachgeben und Huawei zur Ausschreibung der G-5-Technik zulassen wollen. Die Europäer hätten ein hohes Interesse daran, mit Huawei zusammenzuarbeiten, sagt Kelly. Ohne die Konkurrenz aus China blieben zwei Anbieter übrig: Eriksson und Nokia würden dann mindestens 30 Prozent mehr verlangen. Die Telekom will auf das Angebot von Huawei nicht verzichten.