"Hurra, wir leben noch"

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Do, 02. Juli 2020

Laufenburg

Martin Willi wagt Neustart in Kultschüür in Laufenburg/Schweiz mit Filmen, Konzerten und Theater.

"Hurra, wir leben noch – und es geht weiter!" So überschreibt Martin Willi den Neustart in der Kultschüür im schweizerischen Laufenburg nach vier Monaten Corona-Zwangspause. Mit einer Hommage an den Filmemacher Federico Fellini öffnet die Kultschüür am 12. Juli wieder ihre Pforten, bevor ab September wieder Konzerte, Kabarett, Lesungen und Theater geboten werden.

. Wie Betriebsleiter Martin Willi erklärt, ist für die Wiedereröffnung ein Schutzkonzept nach den geltenden Abstands- und Hygieneregeln erarbeitet worden. Pro Vorstellung können maximal 40 Personen in die Kultschüür gelassen werden. Paare und Angehörige einer Familie dürfen zusammensitzen, ansonsten wird ein Stuhl zwischen zwei Besuchern frei gelassen. Trotz der begrenzten Zuschauerzahl ist Martin Willi sehr froh, dass er wieder Live-Kultur und Filme präsentieren kann. Einige der Veranstaltungen, die im März und April wegen Corona abgesagt werden mussten, können nachgeholt werden.

Unter dem Titel "Club de Cinéma" geht es am Sonntag, 12. Juli, 10 Uhr, mit einer besonderen Filmmatinee los. Aus Anlass des 100. Geburtstags des legendären italienischen Regisseurs Federico Fellini wird dessen Film "Die Nächte der Cabiria" von 1957 gezeigt. Der Streifen ist nicht so berühmt wie die Klassiker "La Strada" oder "La Dolce Vita", aber ebenso hochklassig und sehenswert, wie Willi sagt. Hauptperson des Dramas ist ein naives römisches Straßenmädchen, das trotz aller Enttäuschungen und schlechten Erfahrungen mit Männern die Hoffnung auf Liebe und Glück nicht aufgibt.

Nach der Hommage an den großen Filmemacher Fellini ist am 14. August, 20.30 Uhr, die Roman-Verfilmung "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" zu sehen. Der Film erzählt die Geschichte des jungen Mädchens Griet, das 1664 als Magd ins Haus des berühmten Malers Jan Vermeer kommt und von diesem porträtiert wird. Wie Martin Willi sagt, laufen seit drei Jahren auch Filme in der Kultschüür, wo man dafür ausgerüstet ist mit Beamer und Leinwand. Vor und nach dem Filmgenuss ist der Barbetrieb offen.

Am 12. September startet das Herbstprogramm mit einem Jazzkonzert des dänischen Duos Sinne Eeg und Thomas Fonnesbaek (Kontrabass und Gesang), das Eigenkompositionen und traditionellen Jazz im Repertoire hat. Bei einem Urlaub in Kopenhagen hat Martin Willi die skandinavischen Jazzmusiker kennengelernt und war so begeistert, dass er sie nach Laufenburg holen wollte.

"Ehemann günstig abzugeben" heißt das witzig-ironische Bühnenprogramm von Mareike und Martin Glönkler, die am 19. September in der Kultschüür gastieren. Die beiden Kabarettisten und Schauspieler aus der Nähe von Freiburg spielen nicht nur ein Ehepaar, sondern sind auch im echten Leben verheiratet.

Am 16. Oktober spielt der Laufenburger Musiker Gabriel Kramer mit seiner Formation "Dampfbühler" originellen Mundart-Folk. Hinter dem anspielungsreichen Namen "fe-m@il" steckt die Sängerin Tanja Baumberger aus Solothurn, die am 31. Oktober mit Chansons bezaubert. Schon ein bewährtes Format ist die "Lesung im Dunkeln", bei der die Zuhörer im Dunkeln sitzen und den Texten der Autoren über Lautsprecher lauschen. Bei der neuen Ausgabe dieser Reihe "Reading by Night" am 7. November lesen Markus Bundi und Katja Schönherr aus der Schweiz sowie der Mundartautor Markus Manfred Jung aus Hohenegg, der ehemalige "Burgschreiber von Laufenburg", aus ihren Texten. Zwischen den Leseblöcken spielt die junge Cellistin Natalia Dauer aus Bad Säckingen.

Das Theater Wiwa unter Regie von Martin Willi hat am 14. November Premiere mit dem Kriminalstück "Gefährliches Wochenende". Es ist, wie Willi sagt, ein anderes Stück als ursprünglich vorgesehen. Doch das Ensemble musste umdisponieren, da nach den Corona-Regeln nur vier Personen gleichzeitig auf der Bühne sein dürfen. Gespielt wird in zehn Vorstellungen bis 13. Dezember.

Als Kommissarin aus dem früheren Schweizer "Tatort" ist die Schauspielerin Delia Mayer einem Millionenpublikum bekannt geworden. In der Kultschüür ist sie am 21. November als Sängerin zu erleben, die im Trio mit Pianist und Mundharmonikaspieler eine musikalische Fassung von "Alice im Wunderland" aufführt. Eine Hommage an den Operettenkomponisten Ralph Benatzky ("Im Weißen Rössl") bringt ein Sänger-Ensemble am 4. Dezember auf die Bühne.

Martin Willi hofft, dass die Besucher nach dem langen kulturellen Stillstand wieder Lust auf Live-Kultur haben. Auch viele Kulturfreunde aus dem Badischen seien Stammgäste in der Kultschüür, so Willi: "Wir haben ein treues Publikum auf beiden Seiten des Rheins."

Kartenreservierung unter der Telefonnummer 004162/8743012 oder per E-Mail: reservation@kultschuer.ch