"Ich hätte nicht mit so einem Ergebnis gerechnet"

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 01. Juli 2020

Bad Krozingen

DREI FRAGEN AN Michael Albrecht, der in Bad Krozingen einen Spendenlauf für krebskranke Kinder organisiert hat – trotz Corona.

. Vor zwei Jahren hat Michael Albrecht seinen Sommerurlaub für einen Spendenlauf geopfert: Damals ist er 1100 Kilometer von Freiburg nach Flensburg gewandert. Jetzt hat er wieder eine Laufaktion organisiert – unter Corona-Bedingungen. Wieder gehen die Spenden an den Förderverein krebskranker Kinder sowie den Verein Tigerherz, der Familien unterstützt, bei denen ein Elternteil an Krebs erkrankt. Mit Anja Bochtler sprach er über die Aktion, die diesmal in Bad Krozingen stattfand.

BZ: Bei Ihrem großen Spendenlauf im Sommer 2018 hatten Sie vor dem Start gezielt die Öffentlichkeit gesucht, diesmal dagegen musste alles so geheim wie möglich ablaufen, weil Sie wegen Corona kein großes Publikum und Gedränge wollten. Hat das geklappt?
Albrecht: Ja, das hat sehr gut hingehauen. Wir hatten für das vergangene Wochenende einen 24-Stunden-Spendenlauf organisiert, an einem sehr abgelegenen Ort auf dem Sportplatz des FC Bad Krozingen. Eine Freundin meiner Familie war auf die Idee gekommen, weil sie vor ihrer Pensionierung Lehrerin am Gymnasium in Bad Krozingen war und den Sportplatz kannte. Er liegt am Rand von Bad Krozingen, in der Nähe des Herzzentrums. Dort kommen nur wenige Menschen vorbei. Deshalb waren die Läuferinnen und Läufer unter sich. Von Samstag, 16 Uhr, bis Sonntag, 16 Uhr, sind 23 Menschen angetreten und haben 606 Kilometer geschafft. Fünf Unternehmen haben sich bereit erklärt, zusammen zwei Euro für jeden Kilometer zu spenden. Ich hätte nicht mit einem so fantastischen Ergebnis gerechnet.

BZ: Ist wirklich 24 Stunden lang immer jemand gelaufen – auch nachts?
Albrecht: Immer, die ganze Zeit. Unser Star war eine Läuferin, die mit Pausen in 23 Stunden und 22 Minuten 103 Kilometer gelaufen ist. Sie hat die ganze Nacht durchgehalten, auch dann, als es früh morgens um 3.55 Uhr zu regnen anfing. Mit dabei waren ein Arbeitskollege von mir mit seiner Partnerin, ehemalige Kollegen, Freunde von mir und meiner Frau, die zum Teil auch wieder Freunde mitgebracht haben. Zwei meiner Kinder haben mitgemacht, und auch meine Frau, die nicht nur gelaufen ist, sondern auch alles mitorganisiert und für die Verpflegung organisiert hat. Ich selbst konnte diesmal nur drei Runden gehen und nicht laufen, weil ich seit einem Dreivierteljahr einen Knorpelschaden habe.

BZ: Ohne Corona hätten Sie alle noch viel mehr vorgehabt. War immer klar, dass Sie auf jeden Fall irgendwas auf die Beine stellen würden?
Albrecht: Eigentlich war geplant gewesen, dass jeder von uns das ganze Jahr über an verschiedenen Laufevents bundesweit teilnehmen würde, am Ende hätten wir die Kilometer zusammengezählt. Doch die Läufe fallen wegen Corona alle aus. Als die Absage für den 24-Stunden-Lauf für Kinderrechte im Seepark in Freiburg kam, bei dem wir eigentlich alle zusammen hatten antreten wollen, habe ich gesagt: Wir müssen irgendwas hinkriegen. Das Laufen macht Spaß und ist gut, um die eigenen Grenzen auszutesten. Und die Arbeit des Fördervereins für krebskranke Kinder unterstütze ich schon lange, weil ich sie so wichtig finde. Der Verein Tigerherz kam dazu, als ein Kollege an Krebs gestorben ist und seine Familie dort Unterstützung bekam.

Michael Albrecht (59) ist Projekt- und Bauleiter beim Sanierungsunternehmen Scherer in Freiburg, hat drei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau in Freiburg.