Missbrauch

Ich schäme mich für die Bischöfe

Luna Born

Von Luna Born (Freiburg)

Do, 15. Oktober 2020

Leserbriefe

Zu: "Kirche regelt Entschädigung", Agenturbeitrag (Politik, 25. September)
Der Titel sagt schon alles: Die Kirche regelt Entschädigung! Wenn die Bischöfe "die Kirche" sind, dann stimmt diese Aussage. Auf jeden Fall stimmt, dass die Bischöfe die Entscheidung im absoluten Alleingang ohne jede aktuelle Beteiligung der Betroffenen gefällt haben. Der zaghaft begonnene Dialog mit den Opfern wurde erneut zum Monolog, die von der Expertengruppe mühsam erarbeiteten Vorschläge wurden komplett ignoriert.

Die einsame und machtdemonstrierende Entscheidung der katholischen deutschen Bischöfe: Es soll keine Entschädigung geben! Weiter soll lediglich eine Anerkennungszahlung erfolgen. Anerkennung wofür genau? Für den Missbrauch? Für die andauernde Retraumatisierung im Rahmen der Antragsverfahren? Für die Vertuschung und Verschleppung und den Schutz der Täter? Bleibt unklar! Die Begründung für diese Entscheidung klingt wie blanker Hohn: So ein Leid könne gar nicht entschädigt werden. Die Betroffenen sollen geschützt werden vor einem schwierigen Antrag mit hohen Anspruchsforderungen. Als Kinder und Jugendliche wurden und werden sie nicht geschützt vor sexueller Gewalt durch Kirchenmänner, im Rahmen des Antragsverfahrens auf Anerkennung des erlittenen Leids steht der Täterschutz über dem Opferschutz. In dem Moment, in dem es darum geht, dass die Täterorganisation gleich Richterorganisation Verantwortung übernehmen soll, im Sinne von Entschädigung des entstandenen finanziellen Schadens durch das erlittene Leid, da plötzlich sollen die Opfer geschützt werden? Katholische deutsche Bischöfe: Ich schäme mich für euch! Luna Born, Freiburg