Pflege

Identifikation mit dem Beruf

Claudia Füßler

Von Claudia Füßler

Do, 27. Oktober 2016 um 09:38 Uhr

Beruf & Karriere

Aus drei mach eins: Statt einer Ausbildung in der Krankenpflege, einer in der Kinderkrankenpflege und einer in der Altenpflege, wird es voraussichtlich ab 2018 eine einheitliche Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann geben. Damit sollen die Ausgebildeten dann Menschen aller Altersgruppen gut pflegen können – in Krankenhäusern, in Pflegeeinrichtungen und auch ambulant.

Diskutiert wird diese Neuregelung schon lange, jetzt wird sie endlich realisiert. "Die Entwicklungen im Gesundheitswesen machen diese Änderungen dringend erforderlich", sagt Helmut Schiffer, Pflegedirektor am Universitätsklinikum Freiburg, wo 2900 Pflegende arbeiten und 300 Menschen in Pflegeberufen ausgebildet werden. "Die meisten sprechen von einer Zusammenführung der drei bisherigen Ausbildungen, dabei handelt es sich genau genommen um eine komplett neu konzipierte Ausbildung." Die soll dem Rechnung tragen, was sich in den vergangenen Jahren alles verändert hat in der Pflege. Das ist vor allem der sogenannte Pflegebedarf. So müssen die Pfleger in Pflegeheimen zunehmend chronisch oder mehrfach Erkrankte versorgen, sie leisten damit medizinische Pflege. Umgekehrt müssen in Krankenhäusern immer mehr ältere, mehrfach kranke Menschen gepflegt werden.

"Hinzu kommt, dass die Ausbildung überhaupt nicht alles abdecken kann, Spezialisierungen in Weiter- und Fortbildungen sind per se unabdingbar, zum Beispiel in der Onkologie oder der pädiatrischen Pflege", sagt Schiffer. Mit der neuen einheitlichen Ausbildung können solche Spezialisierungen noch gezielter erfolgen: Alle Auszubildenden erlangen die gleiche fachliche Basis, so dass die Durchlässigkeit später in der Praxis größer ist als bisher – alle können überall arbeiten und nach Interessenlage oder auf Verlangen des Arbeitgebers Schwerpunkte mit Spezialisierungen setzen.

Ausbildung künftig kostenfrei

Die neue Pflegeausbildung ist eine dreijährige Fachkraftausbildung mit Unterricht an Pflegeschulen sowie praktischer Ausbildung. Bei der praktischen Ausbildung können die Auszubildenden einen Schwerpunkt wie beispielsweise Altenpflege wählen, der auf dem Abschlusszeugnis als Vertiefungseinsatz ausgewiesen wird. Die Ausbildung ist auch in Teilzeit möglich und dauert fünf Jahre.

Neu ist auch: Für Auszubildende ist die Ausbildung künftig kostenfrei. Die Finanzierung wird bundeseinheitlich geregelt. Das ist ein Fortschritt, denn derzeit zahlen Auszubildende an etlichen Schulen Gebühren. Zudem erhalten alle Auszubildenden künftig eine Ausbildungsvergütung, wie es in vielen anderen Ausbildungsberufen üblich ist.

Wer die neue Ausbildung machen möchte, braucht einen mittleren Schulabschluss oder eine zehnjährige allgemeine Schulbildung. Möglich ist die Ausbildung auch für diejenigen, die einen Hauptschulabschluss haben, wenn sie über weitere Qualifikationen verfügen. Das kann beispielsweise eine erfolgreich abgeschlossene, mindestens zweijähriger Ausbildung oder eine einjährige Ausbildung in der Pflegeassistenz sein.

Helmut Schiffer sieht eine große Chance in der höheren Identifikation mit dem gesamten Berufsbild: "Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen länger in dem Job bleiben, sie sind breiter aufgestellt, haben mehr berufliche Möglichkeiten und Spielräume", sagt der Pflegedirektor. Umgekehrt profitiere auch der Patient von gut ausgebildetem und motiviertem Personal. Dass Pflegeberufe attraktiver werden, ist dringend notwendig: An Fachkräften herrscht großer Mangel. "Wenn derzeit in Deutschland eine Stelle in der Pflege frei wird, dauert es 100 bis 110 Tage, bis sie wieder besetzt werden kann", sagt Helmut Schiffer. Deshalb soll es zukünftig nicht nur die reformierte Ausbildung zur Pflegefachkraft, sondern darüber hinaus auch ein berufsqualifizierendes Pflegestudium geben.

Eine spannende Ausbildung, mehr Geld und Anerkennung in der Gesellschaft – das könnte der Schlüssel dafür sein, dass sich wieder mehr junge Menschen für einen Beruf in der Pflege interessieren.