"Ihr könnt gerne wiederkommen"

Hubert Gemmert

Von Hubert Gemmert

Di, 28. Juli 2020

Bollschweil

Trachtenkapelle Bollschweil spielt auf der Straße und kommt gut an / Fortsetzung am Donnerstag.

. Bei strahlendem Sonnenschein, mit motivierten Musikerinnen und Musikern, begeisterten Zuschauern und Musik des Musikvereins klang der Abend aus. An drei Standorten wurden Pop-up Konzerte, quasi Stehkonzerte der Trachtenkapelle vor der Haustür, abgehalten und die Menschen hörten gerne zu und freuten sich über das Engagement des Vereins. Am kommenden Donnerstag sollen an drei weiteren Standorten Konzerte gegeben werden.

"Nach mehr als drei Monaten wollten die Musikerinnen und Musiker einfach wieder spielen. Da alle Veranstaltungen ausgefallen sind und wir auch nicht wissen, wie es weiter geht, brauchten wir neue Ideen", berichtete Julian Büche, Vorstand des Musikvereins Trachtenkapelle Bollschweil. Vor rund sechs Wochen sei der Vorstand zum ersten Mal wieder zusammengekommen. "In der Coronazeit haben wir uns in einer Viererrunde immer online zu den anstehenden Vereinsthemen abgestimmt. Aber es war dringend notwendig, sich mal wieder persönlich zu treffen".

In Kleingruppen wurden bei diesem Termin Ideen erarbeitet. Dazu gehörte auch die Straßenmusik. Nach dem Beschluss, diese Pop-up Konzerte als neue Möglichkeit der Musik und des Angebots des Musikvereins umzusetzen, begann die Planung. In nur vier Wochen entstand das Konzept und die Proben wurden abgehalten. Aber es gab ein großes Problem: Wo kann so eine große Kapelle proben und dabei die Corona-Richtlinien einhalten? Bei der Lösung sprang die Gemeinde ein und half schnell und unbürokratisch. Ein Blick auf den Kalender zeigte, die Möhlinhalle ist frei, und schon hatten die Musiker einen kostenlosen Proberaum mit genügend Platz, um alle Vorgaben einhalten zu können. "In Konzerte gehen die Leute, die Konzerte mögen. Aber dies ist einfach etwas Anderes", erklärte Tina Petzold, Bewohnerin der Franz-Koch-Straße. "Fast alle Anwohner sind heute Abend hier. Selbst die Älteren sind aus den Häusern gekommen, um die Musik zu hören und die Menschen zu sehen. Es war einfach klasse, eine tolle Idee, schöne Musik und eine fantastische Kulisse. Mein Favorit ist aber das Schlagzeug auf dem Traktoranhänger. Sowas sollten die auch auf der Bühne machen", sagte Petzold lachend.

Gestärkt durch Getränke, die die Anwohner anboten, machten sich die Musikerinnen und Musiker, die meisten zu Fuß, auf den Weg zum Milchhisli, der nächsten Konzertstation. Auch hier waren die Zuhörer begeistert und wollten Zugaben, die die Kapelle auch gerne bediente, "denn endlich können wir wieder spielen", bemerkte Pascal Arets, der Dirigent der Kapelle. Arets ist gebürtiger Holländer, kam 1995 nach Deutschland und musizierte mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester (WDR), dem NDR Elbphilharmonie Orchester, Radio Symphony Orchestra Hilversum, dem Sinfonie Orchester des Bayerischen Rundfunks und der Staatsoper Stuttgart. Seit Januar 2019 leitet er den Musikverein Bollschweil als Dirigent.

"Die Idee mit den Konzerten kam bei den Aktiven sehr gut an. Unsere Mitglieder sind sehr offen für neue Ideen. Deshalb konnten wir das Konzert auch so schnell umsetzen. Wichtig ist für mich, dass es richtig gemacht wird und am Ende wertvolle Musik dabei herauskommt. Die heute gespielten Stücke sind aus unserem Repertoire, denn in der kurzen Zeit von vier Wochen, das bedeutet nur vier Proben, können keine neuen Stücke einstudiert werden", erklärt Arets.

Er sieht die Konzerte als Werbung für den Verein, verbunden mit der Hoffnung auf eine "baldige Normalität". Seiner Meinung nach würden die kleinen Vereine etwas im Stich gelassen. "Wir sind verunsichert, können nicht planen. Es gibt keine klare Linie, keine Eckpunkte, an denen wir eine Planung festmachen können. Dieses Jahr wird es wohl keine gewohnten Konzerte geben, und wie es nächstes Jahr aussieht, ist ungewiss".

Umso dankbarer nahmen die Zuhörer auch an der letzten Station Am Kupferacker das Angebot des Musikvereins an und waren genauso begeistert, wie die Menschen zuvor.

Als die Kapelle zusammenpackte, rief ein Zuhörer zu den Musikern "Es war sehr schön, ihr könnt gerne wiederkommen".

Am Donnerstag, 30. Juli, gibt es wieder Konzert. Sie beginnen um 19 Uhr an der Kreuzung Kuckucksbadstraße/Ölbergweg, um 20 Uhr im Schönbergweg und um 21 Uhr in der Möhlinstraße.