Vietnamkrieg

Im Blutrausch – ein Kriegsfotograf erinnert sich an das Massaker von My Lai

Frank Herrmann

Von Frank Herrmann

Di, 13. März 2018 um 12:29 Uhr

Ausland

BZ-Plus Vor 50 Jahren richteten US-Soldaten in dem vietnamesischen Dorf My Lai ein Massaker an. Der Kriegsfotograf Ron Haeberle war damals dabei. Die Erinnerungen verfolgen ihn bis heute.

Es war ein schöner Tag, sagt Ron Haeberle. Blauer Himmel, das satte Grün der Reisfelder, Postkartenidyll. Schwül, drückend schwül war es auch, aber das sei ja in Vietnam nie anders gewesen. Als die Hubschrauber der US-Armee am Morgen des 16. März 1968 My Lai erreichen, ein Dorf gut 500 Kilometer nordöstlich von Saigon, geht gerade die Sonne auf. Soldaten der Charlie Company fliegen ein, um Rebellen des Vietcong aufzuspüren. Nach Informationen der Army haben sich bewaffnete Einheiten der südvietnamesischen Kommunisten in My Lai verschanzt. Sergeant Haeberle, ein Militärfotograf, soll dokumentieren, wie die GIs die Guerilla in die Knie zwingen. Er soll, so beschreibt er es 50 Jahre später, ihren Heldenmut verewigen. Die Bilder, die er drei Stunden später auf seinem Film hat, offenbaren das Gegenteil.

Die Grauen des Vietnamkriegs in einem Tag vereint
Sie zeigen brennende Hütten, eine Ansammlung von Leichen auf einem Feldweg, darunter auch Kinder. Sie zeigen eine tote Frau, die in gekrümmter Haltung neben ihrem Strohhut liegt. Teile der Hirnmasse sind aus ihrem Schädel gequollen. Das Foto – Ron Haeberle hat das Negativ neben zwanzig anderen in eine Plastikfolie gesteckt – ist so entsetzlich, dass es in den Medien nur selten gezeigt wird.

"Es war nur ein Wort: Warum?" Ron Haeberle Er sei aus dem Helikopter gesprungen und sofort in Deckung gegangen, erinnert sich Haeberle. Feindalarm! Er habe Schüsse gehört, nur sei ihm bald klar ...

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