Start-up-Brauerei

Im Friedlinger Kulturzentrum wird bald Bier gebraut.

Herbert Frey

Von Herbert Frey

Sa, 24. August 2019 um 14:00 Uhr

Weil am Rhein

Die "Bauerei im Kesselhaus" will handgemachte, feine, ehrliche Biere herstellen. Noch in diesem Jahr soll es in Weil am Rhein losgehen. Die Männer wollen nicht nur brauen, sondern auch aufklären.

Den Raum, in dem der verstorbene Künstler Paul Kochka-Thevenet einst sein Domizil hatte, stattete die "Brauerei im Kesselhaus GmbH" mit der nötigen Infrastruktur aus. Auch der darunterliegende Kühlkeller ist so gut wie einsatzbereit. Noch in diesem Jahr soll es das erste Kesselhausbier geben.

"Wir erreichen bei der Vorbereitung in Kürze die Ziellinie, die für uns zugleich die Startlinie zum Brauen ist", sagt der Haltinger Christian Werner, der das Start Up gemeinsam mit Michael Feldges, Peter Gerst (beide ebenfalls aus Haltingen) sowie den beiden Lörrachern Siegfried Jülich-Tondini und Thomas Bromma gegründet hat. Die leidenschaftlichen Bierliebhaber haben sich zusammengeschlossen, weil sie als einzelne Heimbrauer, deren Erzeugnisse sich wachsender Nachfrage erfreuen, an die Kapazitätsgrenzen gestoßen sind und sich im Verbund professionelles Equipment leisten können.

Kontakt zu Mikrobrauer in Fischingen

Gleichwohl verorten sich die Fünf bewusst in einer Nische, in der sie sich von den Industrie- und "Fernsehbieren", die den Massengeschmack bedienen, abheben wollen. Im Vorfeld suchte man auch den Kontakt zu Sven Wendland, der im Fischinger Milchhüsli eine Mikrobrauerei aufbaut und zu den Bierenthusiasten, die hinter dem Märkter "Grabbe-Bräu" stehen, mit dem Ziel, sich zu ergänzen. In freundschaftlicher Verbundenheit wolle man jeglichem Verdrängungswettbewerb abschwören und gemeinsam eine spannende regionale Bierlandschaft schaffen, erläutern Gerst und Feldges.

Dass die fünf gestandenen Mittfünfziger sich über Kurse, Lektüre und eigenes Experimentieren ein immenses Fachwissen angeeignet haben, vor allem aber, dass sie für das Brauen brennen, wird im Gespräch sofort deutlich.

Raum für Spezialbiere

Handgemachte, "feine, ehrliche Biere" aus biologisch angebauten Grundstoffen aus möglichst regionalem Anbau, die sich an Genießer richten, die Wert auf hochwertige Lebensmittel legen, wollen die Fünf brauen. Neben zwei bis drei Standardsorten soll viel Raum für Spezialbiere, Biere zu bestimmten Anlässen und kreative Rezepte bleiben. Michael Feldges kann sich auch das so genannte "Gypsy Brewing", bei dem bewährte Rezepte auch auf Anlagen anderer Brauereien ausprobiert werden, vorstellen.

"Und wir wollen aufklären", betont Feldges, denn jeder trinke Bier, aber kaum jemand wisse genau, wie es gemacht werde. Deshalb sollen im Kesselhaus auch Braukurse für Gruppen angeboten werden, die ihr Selbstgebrautes später auch mitnehmen können. Transparenz liegt den fünf Brauern sehr am Herzen, die auch Degustationen in Zusammenarbeit mit der Gastronomie etablieren wollen. Denn mit Michael Feldges verfügt die Brauerei auch über einen ausgebildeten Biersommelier.

Werden Wein und Bier vereint?

Alte Rezepte wieder geschmacklich erlebbar zu machen, sich aber auch modernen Craft-Bieren wie etwa dem New England Pale Ale (Nepa) zu widmen – beides ist ihnen ein Anliegen. Um Prozesssicherheit zu erlangen, wird moderne Technik eingesetzt. Dennoch, so Siegfried Jülich-Tondini, werde es auch innerhalb einer Sorte, wie beim Wein, natürliche Geschmacksstreuungen geben.

Apropos Wein: Die Kesselhausbrauer haben spannende Ideen, um Bier und Wein sich begegnen zu lassen. So ist etwa geplant, Bier in alten Barrique- und Whiskyfässern auszubauen. Fässer erhält man dabei unter anderem von der Genossenschaft Haltinger Winzer. Dabei entsteht eine kleine Menge ganz spezieller Jahrgangsbiere mit höhrem Alkoholgehalt.

Logo soll zum Markenzeichen werden

Die Brauerei im Kesselhaus setzt zudem auf naturtrübe Biere, denn die aus fast allen industriell hergestellten Gerstensäften herausgefilterten Hopfenbestandteile seien gerade das, was am Wertvollsten sei. Darin stecke, das habe schon Hildegard von Bingen gewusst, sogar heilende Wirkung, sagt Feldges.

Vom Korn bis ins Glas – alle Produktionsschritte bis hin zum Abfüllen und Etikettieren behält die Braugemeinschaft im Kesselhaus in eigener Hand. Im Kesselhaus sowie in der Gastronomie wird das Bier made in Weil am Rhein dann auch zu erwerben sein. Das Logo, das Grafiker Jonas Mosbacher gerade entwickelt, soll zum Markenzeichen werden.