Universität Freiburg

Im "Imbit" wird an der Schnittstelle zwischen Gehirn und Technik geforscht

Thomas Steiner

Von Thomas Steiner

Do, 19. Mai 2022 um 22:03 Uhr

Südwest

An der Freiburger Universität wurde das Gebäude des Forschungszentrums "Imbit" übergeben. Wissenschaftler untersuchen dort, wie mit Gehirnsignalen Prothesen oder Roboter gesteuert werden können.

Über den Namen muss noch letzte Klarheit geschaffen werden. Heißt "Imbit" ausgeschrieben "Intelligent Machine-Brain Interfacing Technology", wie es seit langem auf der Internetseite des Forschungszentrums steht und wie es am Mittwoch auch auf T-Shirts der Mitarbeitenden hieß? Oder steht Imbit für "Institute for Machine-Brain Interfacing Technology", wie es in der Pressemitteilung von Finanzministerium und Universität hieß? Je nachdem müsste man das neue Gebäude im Freiburger Westen, das jetzt mit einem kleinen Festakt offiziell übergeben wurde, als "Imbit-Bau" oder kurz als "das Imbit" bezeichnen.

Letzteres wird sich vermutlich durchsetzen, auch wenn dabei ein Teil – die Künstliche Intelligenz – des Forschungspuzzles, das im neuen Bau zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden soll, aus der Abkürzung fällt. Es sind Wissenschaftler verschiedener Disziplinen, die hier an der Frage arbeiten, wie sich mit Signalen aus dem Gehirn Prothesen oder Assistenzroboter steuern lassen. Es ist eine Frage an der Schnittstelle von Neurobiologie, Ingenieurwissenschaften, Informatik und Medizin, untersucht wird kurz gesagt die Schnittstelle von Mensch und Technik.

Auch das neue Gebäude ist eine Schnittstelle, wie die Professorin Ilka Diester bei der Übergabe sagte, nicht zuletzt, weil es die Forscher einlädt, sich zwanglos auf einen Kaffee zu treffen und Dinge zu besprechen. Während die Wissenschaftler bislang an verschiedenen Orten in der Universität untergebracht waren, belegen nun drei Forschungsbereiche je eines der drei Stockwerke des Baus mit rund 3000 Quadratmetern Fläche.

Neurobiologin Diester ist für die Grundlagen zuständig, in den mit viel Technik ausgestatteten Laboren ihres Bereichs "Neuro Core" wird erforscht, wie das Gehirn neuronale Kontrolle über den Körper ausübt und wie es aus der Umwelt gesammelte Informationen integriert.

Der zweite Bereich ist "Neuro Probes", wo es unter der Leitung von Thomas Stieglitz, Professor für Mikrosystemtechnik, um Implantate geht, die Signale aus dem Gehirn auslesen und umgekehrt dort oder an anderen Stellen des Körpers einspeisen. Die Labore in seinem Stockwerk sind quasi Manufakturen, wie Stieglitz beim Rundgang durchs Gebäude sagte: Es werden Prototypen handwerklich hergestellt.

Im Bereich "Neuro Botics" unter der Leitung des Neuromediziners Tonio Ball und des Informatikers Joschka Bödecker geht es etwa um Assistenzroboter, die gehandicapten Menschen einmal bei der Bewältigung des Alltags helfen und von diesen nicht über Sprachbefehle oder Tasten, sondern durch Gehirnsignale gesteuert werden sollen. Experimentiert wird dafür in einer Halle, die zwei Stockwerke hoch ist und auch Platz für die Arbeit mit Flugdrohnen lässt. Dass die Entwicklungen des Imbit im Alltag ankommen, ist allerdings noch ferne Zukunftsmusik. Geforscht wird deshalb auch schon mal virtuell mit Robotersystemen, die es noch gar nicht gibt.

Eingezogen ins Imbit sind die meisten der nun dort Arbeitenden bereits im vergangenen Jahr. Die Corona-Pandemie war schuld, dass die offizielle Übergabe des Gebäudes erst jetzt stattfand. Staatssekretärin Gisela Splett vom Landesfinanzministerium bezeichnete den Bau des Stuttgarter Architektenbüros Heinle, Wischer und Partner in ihrer Festrede als "kubisch und wirtschaftlich". In der Tat ist er ein Würfelbau mit auflockernder Fassadengliederung, die sich auf dem Dach fortsetzt. Und wirtschaftlich ist er, weil, so Splett, Mindestvorgaben etwa für Wärmeschutz deutlich unterschritten wurden.



Von den 42,1 Millionen Euro Baukosten hat der Bund 15, 4 Millionen übernommen, das Land 17,5 Millionen und die Universität 9,2 Millionen. Die laufenden Kosten trägt das seit zehn Jahren existierende Forschungszentrum Brain Links – Brain Tools, zu dem das Imbit gehört. Die Universität geht von jährlich rund 900 000 Euro aus, basierend auf Erfahrungen mit ähnlichen Gebäuden.

Einen Einblick in die Arbeiten im Imbit gibt dieses Video: http://mehr.bz/imbit