Tirol

Im Ötztal wehren sich Einheimische gegen neue Skipisten

Jannik Jürgens

Von Jannik Jürgens

Sa, 23. März 2019 um 13:30 Uhr

Reise

BZ-Plus Natur vs. Kommerz: Neue Skilifte sollen noch mehr Touristen ins Tiroler Ötztal locken. Doch viele Einheimische finden, dass die Berge nicht weiter verbaut werden dürfen.

Die Tourenski von Gerd Estermann drücken den Pulverschnee zusammen. Es hat etwas von einem Uhrwerk, wie der 66-Jährige Schritt für Schritt durch den tief verschneiten Kiefernwald aufsteigt. Der Neuschnee dämpft die Geräusche, nur Estermanns gleichmäßiges Atmen ist zu hören. Einzelne Sonnenstrahlen stechen durch die Wolkendecke. Estermann hält kurz inne, ein Tannenhäher krächzt, dann staubt Schnee von einem Ast. "Die Waldpolizei", sagt der pensionierte Chemielehrer und zeigt in Richtung des Vogels, der gerade Alarm geschlagen hat.

Nach einigen Höhenmetern werden die einfachen Kiefern von Zirben abgelöst, diesen alten, knochigen Bäumen, die als Vorbild für die Ents im "Herrn der Ringe" gedient haben sollen. Dann lichtet sich der Wald und der Blick fällt auf eine sanft geschwungene Landschaft in gut 2000 Metern Höhe: die Feldringer Böden. Im Sommer mäandern hier Rinnsale, die Tümpel sind Lebensraum für viele Insektenarten. Im Winter bedeckt der glitzernde Schnee die flachen Hänge. Für Gerd Estermann sind die Böden eine der schönsten Naturlandschaften Tirols.

Ginge es nach den Betreibern der Bergbahnen Hochoetz und Kühtai, dann entstünden gleich neben den Feldringer Böden drei neue Skipisten mitsamt Liftanlagen. Auf dem Schafjoch, dem Berg, der sich hinter den Böden erhebt, soll ein Restaurant gebaut werden. Und einen Speichersee für Schneekanonen würde man auch gerne ausheben. Die neuen Lifte sollen das Skigebiet Hochoetz mit dem Skigebiet Kühtai verbinden. Die Anzahl der Pistenkilometer würde sich erheblich steigern.



Als die Pläne bekannt wurden, hat Gerd Estermann ihnen den Kampf angesagt. Für ihn geht es nicht nur um das Bewahren seines Skitourengebietes. Es geht ihm, sagt Estermann, um die Frage, ob der Mensch die Berge immer weiter umbauen darf, um im harten Wettbewerb um Touristen zu bestehen. Für Estermann geht es um die Zukunft der Alpen.

Mittlerweile ist er auf einer Kuppe, kurz vor dem Faltegartenkögele, angekommen. Eigentlich sei das gar keine richtige Skitour hier rauf, sagt Estermann, eher eine Rentnertour. Doch gerade deshalb ist der Aufstieg bei älteren Tourengehern beliebt. Und selbst bei erheblicher Lawinengefahr kann die Tour über die flachen Kuppen noch gegangen werden. Schön ist es hier oben, keine Frage. Der Blick schweift über die Böden ...

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