Immer einen Weg gefunden

Rainer Ruther

Von Rainer Ruther

Sa, 30. Mai 2020

Staufen

BZ-PORTRÄT:Emma und Friedrich Kern, 60 Jahre verheiratet.

. Es war alles lange geplant: der Gottesdienst auf dem Lindenberg am Ort ihrer Grünen Hochzeit. Die Feier mit vielen Gästen, vier Kindern, acht Enkeln, drei Urenkeln. Der Bus, die Gastwirtschaft, die Segnung. Doch von all den Vorbereitungen blieb am Ende nur der Segen für das Diamantene Paar Emma und Friedrich Kern, erteilt durch den Stadtpfarrer Johannes Frische im Rahmen einer Wort-Gottes-Feier im Haus des Jubelpaares. Alles andere ist auf später verschoben, und so lag ein kleiner Corona-Schatten über dem seltenen Jubiläum von 60 Jahren Ehe. Aber nachgeholt werden soll alles auf jeden Fall.

Begonnen hatte die Ehe am 28. Mai 1960, fast genau ein Jahr, nachdem sich Emma und Friedrich auf der Frühjahrsmess in Freiburg kennengelernt hatten. "Es war in der Schiffschaukel", erinnert sich Emma Kern. Sie war 19, er 22 Jahre alt; sie arbeitete in einem Haushalt in Freiburg, er war Kfz-Mechaniker bei Baden-Auto. Emma, gebürtig aus Schörzingen bei Rottweil, wohnte seit ihrem fünften Lebensjahr in Wettelbrunn, wo ihre Eltern eine Küferei hatten. Friedrich hatte da schon ein sehr bewegtes und nicht immer einfaches Leben hinter sich.

"Ich bin geboren in St. Peter und war Hirtenbub auf verschiedenen Höfen im Simonswälder Tal." Für einen Hungerlohn auf dem Bauernhof zu arbeiten, der Wut des Großbauern ausgesetzt zu sein, geschlagen zu werden, zu hungern, eine Kindheit in Einsamkeit fern von den Eltern – das hat ihn fürs Leben geprägt. Hinzu kam, dass sein Vater, ein Bergmann in der Zinkmine in Kappel, 1951 im Stollen tödlich verunglückte. Friedrich Kern hat erst vor kurzem angefangen, von dieser Zeit seines Lebens zu sprechen, berichtet seine Frau. Und er hat sicher auch unter diesen Eindrücken mit seiner Frau eine große Familie gegründet, drei Mädchen und einen Sohn bekommen, die heute noch alle ganz in der Nähe wohnen. "Unsere Heimat ist das Markgräflerland", sagt er, wobei seine Frau und er öfter nach Spanien, auf die Kanarischen Inseln und sogar bis nach Thailand gereist sind.

Schon früh engagierten sich die beiden in der katholischen Kirche, Friedrich Kern als Vorsitzender im Pfarrgemeinderat von St. Vitus, bei Kolping und später im Altenwerk, das er mit gegründet hat. In seine Zeit fiel auch der Bau des Kindergartens in Wettelbrunn und die Renovierung der Kirche im Dorf. Und er zählt zu den Gründungsmitgliedern der Freien Wähler und war immer gemeindepolitisch interessiert.

Nach seiner Pensionierung setzten die beiden ihr ehrenamtliches Engagement fort, waren bei der Caritas, bei Essen auf Rädern. Er ist Träger mehrerer Auszeichnungen, darunter der Landesehrennadel und der Bürgermedaille der Stadt Staufen: "Ich wollte mich immer einbringen in einem Wir," nennt er als sein Motto, "aber Ehrenamt ist nur möglich mit Unterstützung der Ehefrau." Und das Geheimnis einer so langen Verbundenheit? "Wir haben uns einander versprochen", sagt Emma Kern. "Und wir finden in jeder Situation immer einen Weg, an guten wie an schlechten Tagen."