Immer noch ein politisch Denkender

Volker Münch

Von Volker Münch

Do, 05. Mai 2022

Müllheim

Der frühere Lehrer sowie Friedens- und Umweltaktivist Ernst Udo Kaufmann ist 95 Jahre alt.

. Mit seinen nunmehr 95 Jahren nimmt Ernst Udo Kaufmann immer noch sehr interessiert am Geschehen in der Stadt und in der Welt teil. Zu seinem Geburtstag am Mittwoch gratulierte Müllheims Bürgermeisterstellvertreter Michael Fischer offiziell im Namen der Stadt. Dass er bis heute ein erklärter Verfechter der Friedensbewegung ist, hängt mit seinen Erlebnissen als jugendlicher Flak-Helfer, den Gräueltaten des NS-Regimes und den Erfahrungen mit den Besatzern zusammen. Kaufmann hatte sich über Jahrzehnte hinweg auch im Umweltschutz und in der Anti-Atomkraft-Bewegung engagiert.

Inzwischen ist es um den gelernten Fotografen und Volksschullehrer – Ernst Udo Kaufmann unterrichtete bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1989 in Dattingen, Seefelden, Müllheim und Neuenburg – ruhiger geworden. Nach wie vor sucht er den Kontakt zu seinen Weggefährten der Umweltbewegung und zur Partei "Die Linke", die er nach wie vor für die einzige Partei hält, die sich konsequent gegen militärische Gewalt ausspreche. Kaufmann ist trotz seiner gesundheitlichen Einschränkungen immer noch ein politisch denkender Mensch. Daran hat auch sein hohes Alter nichts geändert, machte er beim Besuch des Bürgermeisterstellvertreters deutlich.

Angesichts des Ukraine-Krieges wird seine Überzeugung für die Friedensbewegung und seiner eigenen Kriegsvergangenheit nur allzu deutlich. Nichts geändert hat sich an seiner Feststellung, dass er die Solidarität unter den Menschen vermisse. Das betrifft auch seine Kontakte besonders zu seiner Partei und zur Umweltschutzbewegung, die sich rar gemacht hätten. Man spürt, die Nähe zu vertrauten Menschen fehlt ihm, das Alleinsein macht ihm seit dem Tod seiner Frau vor 14 Jahren zu schaffen. Eine Feststellung, die er bereits zu seinem 90. Geburtstag getroffen hatte.

Geboren wurde Ernst Udo Kaufmann in Singen, aufgewachsen ist er größtenteils bei den Großeltern in Müllheim, die Geschäfte für Textilien und Lebensmittel betrieben haben. Nach dem Abitur im Jahr 1947 erlernte er den Beruf des Fotografen. In jener Zeit verdiente er gutes Geld in Nobelorten in der Schweiz, wo er Prominente wie den früheren Showmaster Vico Torriani, den Schauspieler Hans Albers oder den Ölmagnaten Aristoteles Onassis vor der Kamera hatte.

Als er in die Heimat nach Müllheim zurückkehrte, wurden allerdings in der Aufbauphase nach dem Krieg Lehrer gesucht, weshalb sich Kaufmann für eine Lehrerausbildung entschied.

In der Region bekannt wurde Ernst Udo Kaufmann mit seinem Engagement für den Frieden und seinem Widerstand gegen Atomkraftwerke. Besonders der erfolgreiche Kampf gegen das geplante Kernkraftwerk in Wyhl am Kaiserstuhl prägte sein politisches und gesellschaftliches Wirken. So war es für ihn konsequent, mit anderen die Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz Markgräflerland (Agus) zu gründen.

Über viele Jahre hinweg steuerte er Fotoaufnahmen zum Thema Umweltschutz und Frieden bei, stellte seine Fotos auch aus und fertigte Postkarten an. Mit seinem umwelt- und friedenspolitischen Engagement war er immer auch ein Unbequemer, der sich vor politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen und Diskussionen nicht scheute. Davon zeugen nicht zuletzt auch zahlreiche Leserbriefe, die im Laufe der Jahre in dieser Zeitung erschienen sind. Seinen Geburtstag feierte er in seinem neuen Zuhause, dem Haus Köhlgarten. Hier fühle er sich wohl und gut aufgehoben, stellte er dankbar fest.