In Baden wird bald kein Atomstrom mehr produziert

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Von dpa

Sa, 21. Dezember 2019

Südwest

Bis spätestens 31. Dezember muss Block 2 des Akw Philippsburg vom Netz gehen / Die Genehmigung für die Stilllegung ist erteilt.

Drei von fünf Blöcken baden-württembergischer Kernkraftwerke sind vom Netz. Der vierte Block, Block 2 des Kernkraftwerks Philippsburg (KKP2), folgt demnächst. Das Umweltministerium BadenWürttemberg erteilte dem Akw-Betreiber EnBW diese Woche die Genehmigung für Stilllegung und Abbau von Block 2. Im Südwesten läuft dann nur noch ein Meiler in Neckarwestheim im Kreis Heilbronn.

Die beiden Kühltürme sieht man von Weitem. Nur aus einem dringen weiße Nebelwolken gen Himmel. Wenn demnächst Block 2 des Kernkraftwerks Philippsburg bei Karlsruhe abgeschaltet wird, versiegt auch der Dampf über dem zweiten Kühlturm. Bis spätestens 31. Dezember dieses Jahres muss der Meiler vom Netz genommen werden.

"Baden wäre dann schon mal atomkraftfrei", sagt Harry Block. Der Anti-Atomkraft-Aktivist aus Karlsruhe kämpft seit 45 Jahren gegen die Kernenergie und wettert als EnBW-Aktionär gegen die EnBW. Auf jeder Hauptversammlung des Karlsruher Energieversorgers war er dabei, jeden Erörterungstermin zum Rückbau der Meiler in Philippsburg hat er nach eigenen Worten mitgemacht. Während es laut EnBW keine nennenswerten Zwischenfälle in Philippsburg gab, habe er 327 gezählt, davon einige gravierende. "Ich hab die Nase so voll von all dem", sagt er. Am 29. Dezember will er mit Mitstreitern feiern, vor dem Eingang des Philippsburger Kraftwerkgeländes, mit Sekt.

Als erster der fünf Meiler ist Obrigheim 2005 vom Netz gegangen und wird seit 2008 zurückgebaut. 2011 endete die Stromproduktion für Block 1 (KKP 1) in Philippsburg sowie Neckarwestheim (GKN I). Jetzt ist KKP 2 dran und bis 2022 wird auch GKN II in Neckarwestheim stillgelegt. Der Rückbau der schon abgeschalteten Meiler ist in vollem Gange. Bei der EnBW herrschen Zuversicht und Optimismus angesichts der Herausforderungen durch Stilllegung und Abbau. Heute konzentriert sich das Unternehmen auf erneuerbare Energien und hat sein Portfolio unter dem EnBW-Chef Frank Mastiaux umgekrempelt. Vom früheren Image des "Atomstromers" hat sich der Energieversorger verabschiedet. Konsequenterweise ist beim letzten Presse-Rundgang im Block 2 vor dessen Abschaltung von Kernenergie-Begeisterung keine Rede mehr. Umso mehr aber von den Planungen und Abläufen für den Rückbau. "Unsere Strategie war immer: Sicherer Rückbau, Klarheit für Mitarbeiter, Öffentlichkeit und Politik", sagt Jörg Michels, Geschäftsführer der EnBW Kernkraft GmbH.

Die Abschaltung wird dann in der Warte erfolgen, einer Art Riesenschaltzentrale, deren Wände mit Messinstrumenten, Digitalanzeigen, Tafeln mit Tabellen übersät sind. Im linken Teil der Warte wird der nukleare Teil, der Reaktor, bedient. Im rechten Teil die Turbinen. Am Tag X wird dann die Reaktorleistung heruntergefahren, dann der Generator vom öffentlichen Netz genommen, dann die Kettenreaktion durch Einfahren der Brennstäbe gehemmt und schließlich gestoppt.