Wildtiere

In Bötzingen sind Biber auf winterlicher Fresstour

Manfred Frietsch, Horst David

Von Manfred Frietsch & Horst David

Mi, 05. Februar 2020 um 10:59 Uhr

Bötzingen

Auch im dritten Winter in Folge sind bei Bötzingen Biber aktiv. Das große Nagetier, das über 100 Jahre lang aus der Breisgauer Bucht verschwunden war, hat erneut etliche Bäume abgenagt.

Sie konzentrieren sich derzeit auf das Gebiet des Mühlbachs zwischen Bötzingen und Eichstetten sowie auf den unmittelbar angrenzenden Angelweiher.

Auf dem Gelände des Bötzinger Angelvereins waren im Herbst 2017 erstmals abgenagte Rinden an Baumstämmen festgestellt worden, die auf die nächtlichen Fressaktivitäten von Bibern hinwiesen. Jetzt scheint der Appetit des Tieres noch größer geworden zu sein. Erneut sind am Rand des Angelweihers kleine Bäume, vor allem Weiden, in Kniehöhe entrindet oder sogar gefällt worden. Das bestätigte der Vorsitzende des Angelclubs Bötzingen, Horst Eglinsdörfer. An gefällten Bäumen kann das Tier bequem weitere Rinde abnagen, die im Winter seine Hauptnahrung bildet.

Das Bissprofil der Nager ist klar erkennbar

Jetzt hat der Biber auch die Ufergehölze am Mühlbach unterhalb des Weihers als Futterquelle ausgemacht. Mehrere Bäume sind von der Wasserseite aus angeknabbert, einige sind in den Bach gestürzt und offenbar fortgespült worden. Von ihnen stehen nur noch die abgenagten Stümpfe. Zu deren Füßen sammeln sich kleine Haufen von Spänen an, in denen gut das Bissprofil der großen Nagezähne des Tieres zu erkennen ist. Vermutlich unternimmt das Tier auch Ausflüge in angrenzende Gärten, in denen noch Winterpflanzen stehen. Darauf deutet eine Schleifspur unmittelbar neben einem stark benagten, größeren Baum am westlichen Bachufer hin.

Auch die Fischtreppe, die 2016 an der Wolfertschleuse als ökologischer Ausgleich für den Bau der Ortsumfahrung Bötzingen angelegt wurde, hat der Biber für sich entdeckt. Jedenfalls hat er am hier vom Mühlbach abzweigenden Nägelegraben auch schon begonnen, junge Bäumchen an- und abzunagen.

Im Herbst 2018 haben ein oder mehrere Biber auch einen Damm im Riedkanal gebaut, unweit des Grenzdreiecks der Gemarkungen von Bötzingen, Gottenheim und Wasenweiler. Der Damm ist nach wie vor vorhanden, wenn auch offenbar nicht mehr so hoch wie im Spätjahr 2018. Der Damm hat den Kanal, der ein Zulauf des Mühlbaches ist, um einige Dezimeter aufgestaut. Um die Überflutung des angrenzenden Gottenheimer Waldes und einer Wiese auf Wasenweiler Seite zu verringern, war Ende 2018 auf Betreiben der Biberbeauftragen des Regierungspräsidiums Freiburg, Bettina Sättele, ein kleines Umgehungsgerinne im Wald angelegt worden. Ein Anlieger hatte zuvor versucht, den Damm einzureißen. Dafür setzte es im vergangenen Herbst vor dem Amtsgericht Breisach eine Geldstrafe.

Biber breiten sich auch an Elz und Möhlin aus

Aktuelle Fraßspuren an Bäumen im Bereich des Biberdamms gibt es in der Nähe in diesem Winter aber keine, so dass offen bleibt, ob dort derzeit noch Biber leben. Auch ist unklar, ob dort im vergangenen Jahr Jungbiber aufgezogen wurden.

Zu Gesicht bekommen hat auch den Biber beim Bötzinger Angelweiher noch niemand. Der Mühlbach mündet keine zwei Kilometer weiter in Eichstetten in die Alte Dreisam. Auch an ihr gibt es flussabwärts, zwischen Bahlingen und Riegel, Fraßspuren von Bibern. Diese streifen im Winter auf Futtersuche weit umher. Denkbar wäre darum auch, dass alle diese Biberspuren von Gottenheim bis Riegel von den gleichen Tieren stammen.



Nutrias bekommt man leichter zu sehen als Biber

Die Biber sind auch in anderen Gewässernetzen dabei, sich auszubreiten, so an der Elz und an der unteren Möhlin bei Breisach, besonders aber im Schwarzwald. Dort gibt es schon Probleme mit unter Wasser gesetzten Fahrwegen und Feldern oder auch angenagten Bäumen an Wegen und Bahnlinien. Bettina Sättele erklärt, es sei wichtig, Spuren von Bibern zu melden. So könne man sich auch in Abstimmung mit den Gemeinden bei Bedarf frühzeitig um Lösungen bemühen.

Häufig begegnet man derzeit Nutrias, kleinen Vettern des Bibers. Sie haben knapp körperlange runde Schwänze, während der deutlich größere Biber mit seiner breiten, abgeplatteten und schuppigen Schwanzkelle auffällt.

Im Unterschied zum Biber sind Nutrias in Europa nicht heimisch, sondern aus Südamerika eingeschleppt. Sie sind wenig scheu und suchen bei den derzeit milden Temperaturen die Bachböschungen und angrenzenden Felder nach saftigem Grün ab. Anders als der streng geschützte Biber ist die Nutria jagdbar.
Meldung von neuen Biberspuren an: saettele-biberfragen@t-online.de