"In der momentanen Situation ist einfach kein Platz für Handball"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 09. Dezember 2020

Oberliga BaWü

Die Trainer der beiden Schutterwälder Oberliga-Handballteams, Jochen und Nico Baumann, sehen die Planungen der Verbände mit gemischten Gefühlen.

(wk). Die Handball-Oberliga pausiert bis Ende Januar. Dies hat der Vorstand von Handball Baden-Württemberg (HBW) Ende November beschlossen. Nun wird geplant, den Spielbetrieb am letzten Januarwochenende wieder aufzunehmen – und dann nur die Hinrunde zu Ende zu spielen. "Der Starttermin setzt voraus, dass ab Januar der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen werden kann", teilt HBW mit. "Sollte dies nicht der Fall sein, kann sich der Re-Start auch weiter verzögern."

Die Verantwortlichen des TuS Schutterwald, dessen Männer- und Frauenmannschaft in dieser Liga an den Start geht, sehen diese Planung mit gemischten Gefühlen. "Wie soll das funktionieren?", fragt Jochen Baumann, seit Saisonbeginn Trainer der Frauenmannschaft. "Wem bringt es was, wenn wir nur die Vorrunde spielen? Das ist ein Muster ohne Wert." Bei zwölf Mannschaften in der Liga wäre das Kräftemessen bereits nach elf Spieltagen vorbei, drei hiervon hat der TuS mittlerweile absolviert. "Ob man ein Spitzenspiel daheim oder auswärts hat, kann am Ende entscheidend sein. Und wenn sich gleich im ersten Spiel zwei Mädels verletzen, fallen sie die ganze Saison aus. Das macht alles keinen Sinn."

Am liebsten wäre es Baumann, wenn die komplette Runde annulliert würde. "Natürlich ist es zur Zeit schwierig zu entscheiden, was richtig ist oder falsch. Doch der Stellenwert der Frauen-Oberliga ist nicht so hoch, dass man nicht darauf verzichten könnte. In der momentanen Situation ist einfach kein Platz für Handball."

Wie überall sind die Spielerinnen angehalten, sich privat fit zu halten. Regisseurin Selina Margull, Lebensgefährtin von Co-Trainer David Körkel, und Elisa Oßwald haben die Koordination in die Hand genommen. "Sonst wäre es echt heftig", sagt Baumann und spricht vom Trainer-Tief. "Schon der Saisonstart war sehr Corona-belastet. Es ist alles so zäh, so schwierig."

Noch schwieriger gestaltet sich die Planung in der Oberliga der Männer, die coronabedingt auf 18 Mannschaften angewachsen ist. Während alle anderen Klassen eine Teilung der Liga in zwei Staffeln vollzogen haben, verzichtete die Staffelleitung aus rätselhaften Gründen auf diese naheliegende Option. Einziger Vorteil: Das Scheitern des Modells war vom ersten Spieltag an planbar.

Nico Baumann, der die Schutterwälder Männermannschaft trainiert, pflichtet seinem Bruder Jochen bei: "Ich würde vorschlagen, man lässt die ganze Runde. Oder will man jetzt nach der Hinrunde sagen, dass zwei auf- und fünf Mannschaften absteigen?" Natürlich wolle man allzu gern wieder Handball spielen gehen, doch die Aussagekraft der Tabelle nach einer halben Runde zweifelt auch er stark an. "Lieber sollte man mit einer neuen, vollen Runde beginnen, wenn alle geimpft sind."

Mit der eigenen Situation habe seine Meinung nichts zu tun, betont Baumann. Der TuS hat keinen guten Saisonstart erwischt und in vier Begegnungen trotz dreier Heimspiele nur ein einziges Pünktchen hamstern können. Trotzdem dieser bescheidenen Bilanz von 1:7 Punkten sei er für ein Fortsetzen der Vorrunde gewesen, als sich die Staffelleitung nach den Interessen des TuS erkundigt hatte.

"Eine Option wäre auch die Annullierung der bisherigen Spiele und das Austragen der Rückrunde gewesen. Doch ich denke nicht, dass wir dann nach vier Spielen besser dastünden. Wir hätten dann drei Auswärtsspiele gegen dieselben starken Gegner." Dass der schlechte Saisonstart bei nunmehr wahrscheinlich verbleibenden 13 Spielen schwerer ins Gewicht fallen könnte, sieht Baumann gelassen.

"Wir haben einfach schlecht gespielt. Wer uns vergangene Saison gesehen hat, der wird unsere Oberligatauglichkeit nicht in Frage stellen. Die Mannschaft hat sich nicht wesentlich verändert." Mit der Vorbereitung auf die Spiele habe man sich schwergetan, räumt Baumann ein. "Man wusste nie, ob jemand in Quarantäne muss oder ob überhaupt gespielt werden kann. Manchmal kam man sich schon doof vor."

Die Zweifel, dass es besser wird, bleiben. "Wir brauchen mindestens drei, eher vier Wochen, um uns auf die Runde vorzubereiten", sagt Baumann. Alle privaten Trainingseinheiten und Waldläufe könnten ein Training nicht ersetzen, insbesondere hinsichtlich der Verletzungsgefahr. Es müsse also bereits Anfang Januar mit dem Training angefangen werden. "Ich hoffe, dass es funktioniert", schließt Baumann. "Wenn ich aber die Infektionszahlen sehe, habe ich meine Zweifel."