Vereine in der Pandemie

In Friedenweilers Vereinen gibt es viele Ideen, aber auch große Sorgen

Liane Schilling

Von Liane Schilling

Mi, 25. November 2020 um 17:40 Uhr

Friedenweiler

In den Friedenweiler Vereinen macht man sich Gedanken darüber, welche Angebote zukünftig noch gemacht werden können. Ob alle Aktiven wieder mitmachen werden, ist ebenfalls alles andere als sicher.

Das gesamte Vereinsleben ist durch die Pandemie stark beeinträchtigt. Es ergeben sich unterschiedliche Probleme, aber auch völlig neue, einfallsreiche Ideen werden entwickelt und umgesetzt.

Beim Musikverein Friedenweiler/Rudenberg denkt man über Alternativangebote wie etwa einen Auftritt im Freien zur Christmette nach. Beim Musikverein Rötenbach laufen viele Aktivitäten. Die Führung stellte bereits im ersten Lockdown die einzelnen Register vor die Herausforderung, ein Stück auszuwählen, einzustudieren und binnen einer Woche im Netz zu präsentieren. Bei Verzug drohte "Säumniszuschlag in flüssiger Form," berichtet der Vorsitzende Daniel Heitzmann lachend. Es wird mit Spaß gearbeitet, die Kontakte werden gepflegt. Die Proben im Freien im Sommer fanden Anklang und das Kurkonzert am 31. Juli war Heitzmann zufolge das bestbesuchte in der Vereinsgeschichte. Dennoch fühlt er sich zeitweise hilflos. Sämtliche Videochats und andere Ideen könnten niemals das gemeinsame Musizieren ersetzen, bedauert er. Dass die Zahl der Musiker gehalten werden kann, erscheint ihm zweifelhaft, bereits im Frühjahr gab es durch die Probenpause eine Abmeldung. Auch die Finanzen leiden. Der Dirigent wird weiterhin bezahlt, die Einnahmen fehlen aber. Falls der Christbaumverkauf des Vereins stattfindet, fehlt die Bewirtung. Kassierer Thomas Bier prognostiziert "ein leichtes Minus", ist aber froh, dass die Pandemie nicht ins Bachfestjahr fiel. Die Christbäume für den Balkonschmuck werden im Zweierteam geschlagen und am 27. November zur Abholung bereitgehalten. Froh ist Heitzmann, dass der Forellenverkauf als Ersatz für das Forellenfest etwas Geld in die Kasse brachte, und darüber, dass der Nachwuchs weiterhin in der Schule unterrichtet werden kann. Das nächste Ziel ist am zweiten Weihnachtstag, statt des Kirchenauftritts in kleinen Gruppen ein Weihnachtsliederspiel im Kurpark zu bieten. Am Abend des abgesagten Jahreskonzerts schreibt Heitzmann den Musikern eine E-Mail. Die Stimmlage ist Moll.

Die Hauptsorge des Vorsitzenden des Turn-und Sportvereins (TuS) Rötenbach, Reinhold Klausmann, ist nicht drohender Mitgliederschwund, wenngleich er Bedenken hat, alle Kinder und Jugendlichen im Verein halten zu können. Mancher Übungsleiter könnte während der Zwangspause feststellen, dass er diese Aufgabe nicht wieder aufnehmen will, befürchtet Klausmann. Derzeit ruhen alle Aktivitäten, auch die digitalen Sportangebote. Im Wettkampfsport sei das fehlende Jahr nicht aufzuholen. Nikolausfeiern im Freien seien in Kleingruppen angedacht, aber der Verein habe sich an die Vorgaben zu halten, stellt er klar. Ideen auf Verbandsebene fürs Frühjahr seien noch nicht spruchreif.

Auch bei den Fußballern des Sportvereins Friedenweiler/Rudenberg (SVF) und den anderen Abteilungen des Vereins ist man "traurig, dass jetzt alles eingestellt ist", erklärt der Vorsitzende Michael Tröndle. Durch die ausgefallenen Veranstaltungen leiden auch die Finanzen und alle Hoffnungen werden nun auf den Frühling gesetzt. Die Fußballer, derzeit Tabellendritter, möchten die Saison unbedingt zu Ende spielen, und das neue Gartenhaus soll mit der Dorfgemeinschaft eingeweiht werden.

Im Narrenverein Friedenweiler, der zwei Mitglieder durch die Folgen von Corona verloren hat, sind Ängste zu spüren, weiß Narrenvater Markus Breidel. Zum einen vor weiteren Todesfällen, zum anderen vor dem Mitmachen, auch wenn die Bestimmungen eingehalten werden und die Gruppen klein sind. "Viele werden nicht kommen", befürchtet er. Aber Breidel sieht den Narrenverein als Mehrgenerationenverein und es herrscht Einigkeit im Team, dass nach Möglichkeit ein Angebot für Kinder gemacht werden soll.