Ein besonderer Fahrdienst

Anika Stiller

Von Anika Stiller (dpa)

Do, 16. September 2021

Südwest

In Karlsruhe ist ein Taxiunternehmen auf vierbeinige Kundschaft spezialisiert.

. Jeden Abend freut sich die Bobtail-Hündin Paula auf das Fahrzeug mit dem Käfig im Kofferraum. "Die kann’s kaum erwarten", sagt Paulas Besitzerin Ulrike Scheuber. Die vierjährige Hündin sei vor allem über die Streicheleinheiten von Fahrer Markus Wagner begeistert. "Ohne Probleme steigt sie dann in den Käfig", sagt Scheuber. Wagners Fahrdienst hat sich auf vierbeinige Mitfahrer spezialisiert. Paula und ihr Frauchen werden von ihm einmal am Tag abgeholt. Doch auch Vögel, Pferde oder exotische Haustiere werden von Wagners Tiertaxi in einem Käfig, einer Box oder im Anhänger transportiert.

Neben Herrchen und Frauchen rufen ihn auch immer wieder Rettungskräfte um Hilfe, denn Wagner und sein Team fangen auch entlaufene Haustiere oder verletzte wilde Tiere ein, um sie zurück zu ihren Besitzern, ins Tierheim oder etwa auf die Wildauffangstation zu bringen. "Wir sind 365 Tage, 24 Stunden erreichbar", sagt er. Bei Notfällen klingele bei ihm auch gelegentlich nachts das Telefon.
Ulrike Scheuber musste im Frühjahr 2020 nach einem Einparkunfall ihren Führerschein abgeben und ist seitdem oft darauf angewiesen, dass andere sie mitnehmen. Straßenbahn sei sie zuvor nie gefahren, sagt sie. "Weil ich ja immer ein Auto hatte." Und im Corona-Jahr 2020 wollte sie auch nicht mit dem Bahnfahren anfangen.

Ein Bekannter fahre sie nun immer zum Einkaufen. Und jeden Morgen nehme eine Freundin Scheuber und Paula mit zu Scheubers Mutter, bei der die beiden den Tag verbringen. Für die Heimfahrt ruft sie das Tiertaxi. Ein normales Taxi habe sie auch schonmal gerufen, sagt Scheuber. Doch der Fahrer habe sie wegen Paulas Größe nicht mitnehmen wollen.

"Wir nehmen in der Regel Tiere mit, wenn nichts dagegen spricht", sagte der Vorsitzende des Taxiverbandes Baden-Württemberg, Thomas Laschuk. Laut Personenbeförderungsgesetz müssen Taxifahrer Tiere auch grundsätzlich mitnehmen, allerdings gibt es einige Ausnahmen. Zum Beispiel, wenn der Fahrer eine Allergie habe, sagt Laschuk.

"Auch wenn ein Hund aggressiv wirkt, muss kein Taxifahrer dieses Tier mitnehmen." Grundsätzlich helfe es, beim Bestellen eines Taxis dazuzusagen, dass ein Tier mitgenommen werden soll, dann schicke die Zentrale nur Fahrer, die auch dazu bereit seien. Fahrdienste wie Wagners, die sich auf das Mitnehmen von Tieren spezialisiert haben, gibt es auch in anderen Städten.

Bei Facebook veröffentlichte Wagner schon Fotos von Schafen, einem Fuchs oder einer Schildkröte, die in den vergangenen Monaten bei ihm mitgefahren sind. Und nach der Hochwasserkatastrophe in Westdeutschland fuhren er und sein Team ins Krisengebiet, um dort Tiere aus den Häusern zu retten. Für seine schwierigeren Einsätze ist Wagner mit Schutzanzügen und bissfesten Handschuhen bestens ausgestattet. Zum Einfangen einer Schlange trage er eine Schutzbrille, erklärt er. Und für den Transport möglicherweise kranker Tiere habe er schon vor der Corona-Pandemie immer FFP2-Masken in seinem Auto gehabt.