Fairbraucher

In Lörrach soll eine solidarische Landwirtschaft entstehen

Ansgar Taschinski

Von Ansgar Taschinski

So, 24. Januar 2021 um 08:02 Uhr

Lörrach

Auf Initiative des Fairbrauchertreffs Lörrach soll sich eine solidarische Landwirtschaft in Lörrach gründen. Damit soll die Verbindung von Verbrauchern und Landwirtschaft wieder hergestellt werden.

Obst, Gemüse und Getreide gemeinsam vor Ort nachhaltig anbauen – das ist die Idee der solidarischen Landwirtschaft. 44 Interessierte jeglichen Alters verfolgten am Mittwochabend eine Online-Veranstaltung des "Fairbrauchertreffs" und lernten mehr über die Idee und bestehende Initiativen in der Region. Auch in Lörrach soll es bald eine eigene Initiative geben.

"Ich bin fasziniert von der Art, wie wir gemeinsam wirtschaften können", sagte Sarah von Helden aus Efringen-Kirchen, die sich intensiv mit solidarischer Landwirtschaft, kurz SoLaWi, auseinandersetzt.

Von der Landwirtschaft zu leben, habe immer bedeutet, sich regional zu versorgen, erklärte sie. Heute komme aber ein Großteil des Obsts und Gemüses in Supermärkten aus dem Süden, möglichst einheitlich, transport- und lagerfähig. So gehe die Sortenvielfalt verloren, Nachhaltigkeit spiele kaum eine Rolle. Viele Betriebe in der Region könnten preislich kaum international bestehen. "Wir sind heute hier, weil wir daran interessiert sind, den Wandel selbst in die Hand zu nehmen", sagte von Helden.

Finanzielle Sicherheit für die Landwirte

Die solidarische Landwirtschaft stelle die direkte Verbindung von Verbrauchern und Landwirtschaft wieder her, sagte sie. Das Wirtschaften in einer solidarischen Landwirtschaft verbinde den sozialen und solidarischen Umgang miteinander, die Schonung der Umwelt und den Wert guter Ernährung. Um eine SoLaWi ins Leben zu rufen, brauche es entweder einen bestehenden Betrieb, der bereit ist, ihre Prinzipien mitzutragen oder Ackerland, auf dem man von Grund auf starten könne, erklärte von Helden. Alle Mitglieder leisten einen monatlichen Beitrag und erhielten dafür einmal pro Woche bis zu zwei Kilogramm saisonales Obst und Gemüse. Für die Landwirte bedeute die SoLaWi zugleich finanzielle Sicherheit.

"Wir müssen das Rad nicht neu erfinden." Sarah von Helden
Zudem helfen die Mitglieder der SoLaWi regelmäßig bei der Ernte oder Verteilung der Lebensmittel. Jeder gebe so viel Zeit und Geld, wie er oder sie in der Lage sei. Mittlerweile gebe es in Deutschland mehr als 300 SoLaWis und ein großes Netzwerk für gegenseitigen Austausch und Unterstützung. "Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, aber wir müssen uns finden", sagte Sarah von Helden.

10 Hektar versorgen 300 Mitglieder

Einen Schritt weiter ist bereits Susanne Greiner. Vor drei Monaten gründete sie mit sieben Mitstreiterinnen und Mitstreitern eine SoLaWi in Schopfheim. Von ihrem 1,7 Hektar großen Acker wollen sie dieses Jahr 35 Ernteanteile an Mitglieder verteilen, so Greiner. Aktuell versuche man, die Kerngruppe zu vergrößern und sich intensiver um die Rechtsform, Zuschüsse und Naturschutz zu kümmern. "Man muss offen sein, Neues zu lernen", erklärte sie.

Wie eine erfolgreiche SoLaWi in der Praxis aussehen kann, präsentierte auch Luciano Ibarra von GartenCoop Freiburg. 2009 begann er mit einigen Mitstreitern eine SoLaWi in Freiburg zu planen. Heute versorgt die Initiative mit ihrem 10 Hektar großen Gelände 19 Kilometer außerhalb Freiburgs etwa 300 Mitglieder. Sieben Gärtnerinnen und Gärtner sorgen für den reibungslosen Ablauf. Durchschnittlich 100 Euro pro Monat zahlen die Mitglieder, manche mehr, manche weniger, je nach finanziellen Möglichkeiten. Fünf halbe Tage pro Jahr hilft jeder bei der Ernte oder der Verteilung.

Einsätze schaffen den Bezug zum Hof

"Die Einsätze sind eine wichtige Erfahrung, sie helfen einen Bezug zum Hof zu schaffen", sagt Ibarra. Damit eine SoLaWi am Ende erfolgreich sei, brauche es die richtige Mischung aus Idealismus und Pragmatismus.

Auch in Lörrach soll die Idee einer eigenen SoLaWi vorangetrieben werden. Mehrere Teilnehmer der Online-Veranstaltung zeigten großes Interesse, sich zu beteiligen, darunter einige Landwirte. Man wolle die virtuellen Treffen möglichst effektiv nutzen, um alsbald loszulegen, sagte Mitinitiator Hartmut Schäfer und ergänzte: "Ich hoffe, wir treffen uns bald mal persönlich auf dem Acker."
Termin: Nächstes Treffen des Gründungsteams, 3. Februar, 19 Uhr, online. Anmeldung unter http://mehr.bz/solawi-loe oder E-Mail an solawi@fairnetzt-loerrach.de.