Interview

In St. Märgen gibt es am 4. Oktober den ersten Verschenketag

Susanne Gilg

Von Susanne Gilg

Mo, 28. September 2020 um 11:40 Uhr

St. Märgen

Die 23 Jahre alte Maschinenbaustudentin Patricia Fehrenbach organisiert den ersten Verschenketag in St. Märgen. Im BZ-Interview erklärt sie die Idee dahinter und wer mitmachen kann.

Telefon, Plüsch-Schildkröte oder eine ganze Spielesammlung: Wer am Sonntag, 4. Oktober, zwischen 10 und 17 Uhr einen Spaziergang durch St. Märgen macht, sollte einen großen Rucksack dabeihaben. Denn die 23 Jahre alte Maschinenbau-Studentin Patricia Fehrenbach ruft zum ersten Verschenketag in St. Märgen auf. Welche Idee dahintersteckt, erklärt Patricia Fehrenbach im Gespräch mit Susanne Gilg.

BZ: Was haben Sie zu verschenken?
Fehrenbach (lacht): Wir sind frisch umgezogen und haben daher eine ganze Menge zu verschenken: Vor allem Bücher, Spiele, Deko und Kleider sind es bei uns.

BZ: Sie veranstalten am 4. Oktober den ersten Verschenketag in St. Märgen. Worum geht’s dabei genau?
Fehrenbach: Ich hatte solche Aktionen schon in umliegenden Gemeinden wie Kirchzarten oder Stegen gesehen. Und die Idee dahinter ist, dass jeder, der Sachen daheim hat, die noch funktionstüchtig sind, die er aber nicht mehr braucht, an die Straße zu stellen und sie so zu kennzeichnen, dass erkennbar wird, dass sie zu verschenken sind. Es wäre schön, wenn es im Dorf möglichst viele Stellen gäbe, an denen etwas verschenkt wird. Vielleicht lädt die Aktion ja zu einem Spaziergang durchs Dorf ein – mit großem Rucksack oder Bollerwagen.

"Es wäre schön, wenn jeder eine Runde durchs Dorf dreht." Patricia Fehrenbach
BZ: Was erhoffen Sie sich von dem Tag?
Fehrenbach: Es wäre schön, wenn jeder eine Runde durchs Dorf dreht – und wenn unsere Sachen am Abend alle weg sind (lacht). Und natürlich wäre es schön, wenn sich möglichst viele an dem Verschenketag beteiligen und gut erhaltene Gegenstände an die Straße stellen.

BZ: Spielt der Umweltgedanke bei der Aktion auch eine Rolle?
Fehrenbach: Ja, auf jeden Fall. Ich finde, dass in unserer Gesellschaft viel zu viel weggeworfen wird. Und warum sollte man Dinge, die man selbst nicht mehr braucht, nicht einfach verschenken? Das ist doch viel sinnvoller, als sie einfach wegzuwerfen. Jemand anderes freut sich vielleicht.

BZ: Über welche Gegenstände haben Sie sich schon gefreut, wenn Sie in Kirchzarten und Stegen beim Verschenketag unterwegs waren?
Fehrenbach: Wir haben dort zum Beispiel schon eine Kühlbox gefunden, Brotkörbe und einen Milchaufschäumer. Das ist doch toll, wenn solche Dinge dann noch eine Verwendung finden.
Zur Person:

Patricia Fehrenbach (23) stammt aus St. Märgen und studiert im letzten Semester Maschinenbau. Sie hatte die Idee zum ersten Verschenketag in St. Märgen.

BZ: Gibt es bei den Gegenständen, die Menschen verschenken, eine Art Hitliste? Was wird besonders oft ausrangiert?
Fehrenbach: Ja, was man ganz viel sieht sind Spiele und Bücher. Das merken wir ja auch an den Sachen, die wir selbst zu verschenken haben.

BZ: Besteht dabei nicht die Gefahr, dass manche Menschen den Verschenketag als Sperrmüll-Ersatz nutzen und auch Schrott vor die Tür stellen?
Fehrenbach: Wichtig ist, dass die Sachen nicht kaputt sind und man sie selbst noch verwenden würde. Es soll natürlich keine Schrottsammlung werden. Was auch wichtig ist: Die Sachen, die niemand mitgenommen hat, müssen am Abend wieder ins Haus geholt werden. Sonst erlaubt uns die Gemeinde sicher kein zweites Mal, einen solchen Tag zu veranstalten.

"Das Gute an dem Tag ist ja, dass er fast keinen Organisationsaufwand mit sich bringt." Patricia Fehrenbach
BZ: Gibt es schon Pläne, den Verschenketag künftig regelmäßig in St. Märgen anzubieten?
Fehrenbach: Wenn die Premiere am 4. Oktober gut läuft, dann könnte ich mir vorstellen so eine Aktion zwei Mal pro Jahr zu machen – zum Beispiel einmal im Frühjahr und einmal im Herbst. Das Gute an dem Tag ist ja, dass er fast keinen Organisationsaufwand mit sich bringt. Man muss sich nicht anmelden, jeder kann mitmachen, es gibt keine Verpflichtungen.

BZ: Glauben Sie, dass der Verschenketag sich auch in anderen Gemeinden im Hochschwarzwald etablieren könnte?
Fehrenbach: Ja, ich glaube, das Thema gewinnt immer mehr an Bedeutung. Viele Menschen haben inzwischen genug von der Wegwerfmentalität, die leider noch viel zu viel vorherrscht. Von daher glaube ich, dass sich solche Aktionen künftig überall etablieren werden.

BZ: Was ist, wenn es am 4. Oktober regnet?
Fehrenbach: Dann verschieben wir den Verschenketag um eine Woche – das wäre dann der 11. Oktober.