Engpässe an Schulen

In Südbaden fehlen 300 Lehrer

Roland Muschel / BZ

Von Roland Muschel & BZ-Redaktion

Do, 05. September 2019 um 15:02 Uhr

Südwest

Allein in Südbaden sind nach Angaben des Freiburger Regierungspräsidiums 300 Lehrerstellen nicht besetzt. Besonders betroffen sind die Grundschulen im Südwesten.

Kurz vor Beginn des neuen Schuljahrs in der kommenden Woche sind in Baden-Württemberg rund 790 Lehrerstellen nicht besetzt. "Das ist sicher nicht zufriedenstellend", sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Donnerstag in Stuttgart. Allein in Südbaden konnten 300 Stellen nicht besetzt werden, teilte das Regierungspräsidium Freiburg mit.

Die Schulverwaltung arbeite mit Hochdruck daran, die offenen Stellen noch zu besetzen. "Wir hoffen, dass wir auf rund 500 offene Stellen runterkommen." Das reguläre Einstellungsverfahren läuft noch bis Ende September. Am angespanntesten ist die Lage an den Grundschulen mit aktuell 390 nicht besetzten Stellen. Der Mangel in diesem Bereich werde den Prognosen zufolge noch "mindestens bis 2025 anhalten", sagte Eisenmann. An den Realschulen fehlen 200 Lehrkräfte.

Für die Schieflage machte Eisenmann vor allem "Planungsfehler der Vergangenheit" verantwortlich und gab damit indirekt der grün-roten Vorgängerregierung die Schuld. Zugleich rief sie Bewerber dazu auf, sich bei der Ortswahl flexibler zu zeigen. "Das geografische Beharrungsvermögen ist gerade bei Junglehrern eklatant", sagte die CDU-Politikerin. So hätten derzeit 220 Grundschullehrer trotz der vielen offenen Stellen kein Angebot angenommen.

Auf wenig Interesse stoßen bei Lehrern die Landkreise Tuttlingen, Rottweil, Schwarzwald-Baar und Waldshut sowie der Rems-Murr-Kreis. Dagegen ballten sich die Einstellungswünsche in Städten wie Freiburg, Heidelberg oder Tübingen. Daher greife die Schulverwaltung "verstärkt auf Maßnahmen wie Versetzungen" und Abordnungen zurück. "Ich muss schauen, dass auch im ländlichen Raum unterrichtet wird."

Für den Doppeletat 2020/21 hat die Ministerin eine Erhöhung der Vertretungsreserve von derzeit 1666 Deputaten auf 2000 beantragt. Der Anstieg solle in Tranchen erfolgen. Wie rasch das Land die Stellen angesichts des angespannten Lehrermarkts besetzen könnte, ist offen.

Doro Moritz, Landeschefin der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), warf am Mittwoch der Kultusministerin Susanne Eisenmann, die CDU-Spitzenkandidatin für die kommende Landtagswahl ist, Versagen vor. Sie sagte auch: "Ich möchte keine Ministerpräsidentin Eisenmann." Die Ministerin konterte am Donnerstag: "Ich bin gegen Doro Moritz als künftige Ministerpräsidentin."

In Südbaden fehlen vor allem Lehrer an den Grundschulen und Realschulen, teilte das Regierungspräsidium Freiburg mit. Bei Gymnasiallehrern dagegen gibt es dem Kultusministerium zufolge einen Überhang. Ihnen werden nun zeitlich befristete Stellen an Grundschulen angeboten.

Mehr zum Thema: