Inklusion mehr Wunsch als Realität

Lukas Müller

Von Lukas Müller

Di, 13. August 2019

Lörrach

Ferienprogramm von "leben+wohnen" und Spastikerverein für Menschen mit und ohne Behinderung / Freizeitassistenten gesucht.

LÖRRACH. Viel Sonnenschein, wenig Regen, nicht heiß: Optimales Wetter hatten die Gruppen der Sommerferienprogramme der Offenen Hilfen, einem Gemeinschaftsprojekt der leben+wohnen gGmbH in Tumringen und des Spastikervereins Kreis Lörrach. In den vergangenen beiden Wochen bot das inklusive Angebot für Jugendliche und Erwachsene ein abwechslungsreiches Ferien- und Betreuungsprogramm an. Bei den Ausflügen und der Inklusion stoßen die Verantwortlichen jedoch schnell an Grenzen, wie im Pressegespräch klar wurde.

"Wir müssen bei Ausflügen grundsätzlich in kleinen Gruppen planen, zu dritt oder viert vielleicht", erklärt Anette Ritter-Schreitmüller, Bereichsleiterin der Offenen Hilfen. Ob Bus, Transporter oder Zugfahrten: Bei größeren Gruppen von Rollstuhlfahrern stoße man schnell an organisatorische Grenzen wegen fehlender Kapazitäten wie im Bus oder am Badischen Bahnhof Basel oder wegen infrastrukturellen Defiziten. Die Zugansage "Bitte beachten Sie den Höhenunterschied zur Bahnsteigkante" kennt Doris Meyer, Geschäftsführerin von leben+wohnen, bereits auswendig. Zwar gebe es einen Mobilitätsservice mit einer Rampe; was sehr gut sei, jedoch müsse man sich drei Tage vorher anmelden. An spontane Ausflüge ist da nicht zu denken. Auch mit dem hauseigenen Transportwagen lassen sich nur kleine Gruppen fahren. Ein sandiger Schotterweg zu einem Restaurant kann bei Regen schnell mal zum Problem werden, ebenso die vielen Eintrittsstufen und Erhöhungen in Cafés im Stadtzentrum.

Doch man weiß damit umzugehen. So gab es Ausflüge in den Grütt- und Rosenfelspark oder ins Parkschwimmbad. Eingeteilt in drei Gruppen nahmen 20 Menschen mit Behinderung am Ferienprogramm teil, unterstützt von 6 Fach- und 15 Assistenzkräften. Die Fachkräfte sind hierbei in erster Linie in der Intensivgruppe tätig. Sie ermöglicht es Menschen mit besonders hohem Unterstützungsbedarf spazieren zu gehen, zu singen und zu malen. Dabei wird jeder von einem Betreuer begleitet. Der Stamm ehrenamtlicher Mitarbeiter als Assistenzkräfte wird jedoch kleiner. Zwar kämen Frauen mittleren Alters hinzu, grundsätzlich sinke die Zahl der Freizeitassistenzen jedoch. Menschen ab 15 Jahren können sich dafür schulen lassen.

Für die Durchführung des Ferienprogramms war man jedoch ausreichend gerüstet. So konnten die Teilnehmer an der Kreativgruppe mit Kunsttherapeutin Sybille Printz Kunstwerke anfertigten. "Beim kreativen Tun zeigen sich immer wieder die Erfolgserlebnisse, wenn ein fertiges Produkt entsteht", freut sich Meyer. Neben der Ausstellung der Kunstwerke gab es beim Abschlussfest am Freitag Smoothies, Salate und Gegrilltes. Beim Thema gelebte Inklusion bilden sich bei Meyer und Ritter-Schreitmüller jedoch Sorgenfalten. Es zeige sich immer wieder, dass es viele Hürden und Hemmschwellen gibt, die ein "richtiges" inklusives Angebot verhindern. "Wir haben alles Mögliche probiert", konstatiert Meyer. Anzeigen und Berichte würden nichts an dem ausbleibenden Zulauf ändern, auch nicht aus der Nachbarschaft. Jedoch gebe es gut funktionierende Kooperationen, sei es mit dem Theater Tempus fugit oder dem Radio Kleines Wiesental.

Überhaupt tue sich viel, mit dem Runden Tisch "Kultur inklusiv" im Dreiländermuseum und dem Behindertenbeirat der Stadt. Der Weg zu einem inklusiven Miteinander in der Gesellschaft sei aber noch weit. Eine erste Station darauf könnte das Café Klatsch in der Teichmattenweg 21 sein, das jeden letzten Samstag des Monats von 14 bis 16 Uhr öffnet. Im Mittelpunkt steht, wie auch bei den Ferienprogrammen, das Miteinander.