Kommentar

Innenstädte und Pandemie: Kleine Schritte können helfen

Mark Alexander

Von Mark Alexander

Do, 25. Februar 2021

Kommentare

Studien zeigen: Junge Leute kaufen immer weniger in Innenstädten ein. Damit die Zentren nach Corona nicht ausbluten, müssen sich einerseits Kunden solidarisch zeigen, andererseits Händler mehr digitale Wege gehen.

Corona ist nicht für jede Misere hauptverantwortlich. Oftmals wirkt das Virus wie ein Verstärker. Es beschleunigt Prozesse, die bereits im Gange sind. Das gilt besonders für den innerstädtischen Handel. Eine Studie des Instituts für Handelsforschung Köln hat kürzlich gezeigt, dass es die Stadtzentren ohnehin immer schwerer haben, weil viele junge Leute sie als Einkaufsort nicht mehr sonderlich attraktiv finden. Die unter 25-Jährigen schätzten die Innenstädte mehr zum Ausgehen, weniger zum Einkaufen, heißt es. Dass sie Letzteres bevorzugt online tun, liegt auf der Hand. Haben innerstädtische Händler verpasst, rechtzeitig auf den digitalen Zug aufzuspringen? Das mag in manchen Fällen zutreffen. Andererseits kann man inhabergeführte Geschäfte in der Altstadt nicht mit Online-Riesen wie Amazon vergleichen. Sie setzen auf andere Geschäftsmodelle. Und einer der Faktoren ist eben genau diese innerstädtische Lage. Dass der Ärger dann umso größer ist, wenn die Supermarktkette im Stadtkern im Lockdown ihr gesamtes Sortiment anbieten darf, während nebenan der Spielwarenladen geschlossen bleibt, ist völlig verständlich. Also ist Solidarität gefragt. Die kann von großen Filialisten kommen, die Sortimentsteile absperren. Die kann von der Stadt kommen, die mit Aktionen das Geschäft ankurbelt. In erster Linie muss sie aber vom Kunden kommen. Wer sich etwas Mühe gibt, bemerkt schnell, dass er das Buchgeschenk genausogut (und günstig) beim Händler in der Innenstadt bestellen kann wie beim Online-Riesen. Wer genau weiß, welches Kleidungsstück er braucht, kann es vielleicht jetzt schon im Laden vor Ort ordern. Auf die Vielfalt des globalen Online-Handels muss deswegen niemand verzichten. Mit einem Fokus auf einen gezielten Einkauf statt der großen Online-Retoure kann aber schon ein wichtiger Schritt getan werden – sofern das Sortiment vor Ort stimmt. Wenn dann noch die Händler den Schritt mitgehen und einen digitalen Schub aus der Krise mitnehmen, dann muss man die Innenstädte nicht abschreiben. Denn die Außengastronomie, die es im Umfeld gibt, die kann der Online-Einkauf sowieso nicht bieten. Dass viele auf deren Öffnung sehnsüchtig warten, ist offensichtlich.