Isebächler Urgestein mit Herz für Schwächere

Liane Schilling

Von Liane Schilling

Mo, 11. Mai 2020

Friedenweiler

Egon Schwörer war der erste freigestellte Betriebsratsvorsitzende bei IMS / Heutige Generation soll demokratisch Handeln.

FRIEDENWEILER-KLEINEISENBACH . Soziales und gewerkschaftliches Engagement sowie politisches Interesse und Liebe zu seiner Heimat prägen den Alltag von Egon Schwörer in all den Jahrzehnten. Seit seiner Geburt wohnt der 90-Jährige im Haus 41 in Kleineisenbach, dem kleinsten Ortsteil der Gemeinde Friedenweiler und gilt als Isebächler Urgestein.

Egon Schwörer ist nicht nur ein Kenner der Ortsgeschichte und Zeitzeuge vieler Ereignisse um und im Dorf, sondern seit Jahrzehnten auch politisch und sozial engagiert. Er hat die Entstehung und Entwicklung der Firma Pfeiffer ebenso erlebt wie den Bau und den Aufschwung des Cafés Waldhüsli. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als überall Zerstörung herrschte, empfahl ihm sein Vater, ein Handwerk zu erlernen. In der Schreinerei Weisser in Neustadt begann er eine Lehre, wechselte aber bald in die Metallbranche. So verbrachte er 32 Jahre seines Berufslebens bei der Firma IMS in Eisenbach. Dort war er über viele Jahre Vorsitzender des Betriebsrates.

Als erster von der Arbeit freigestellter Betriebsratsvorsitzender, engagierter Gewerkschafter und SPD-Mitglied, setzte er sich für die Belange der Arbeiter ein, hatte aber oft auch eine Gratwanderung zu absolvieren zwischen den Vorstellungen der Geschäftsführung und den Gewerkschaftsanliegen, wenn beispielsweise zu Streiks aufgerufen wurde.

Im Verein der Kolpingfamilie Eisenbach, und bei seinem Wirken bei den Sozialdemokraten und in der Gewerkschaft legte er stets Wert darauf, dass die Schwächeren berücksichtigt wurden. Schwörer akzeptiert auch andere Meinungen, aber keine diktatorische Einstellungen, erklärt er im BZ-Gespräch entschieden.

Nach der Gemeindereform, bei der er die Fusion mit Rötenbach nicht befürwortete, war er auch Mitglied des Gemeinderats. Heute ist er froh, dass es die unechte Teilortswahl gibt, die dem kleinen Ortsteil einen Vertreter im Gremium garantiert, vorausgesetzt es gibt Bewerber.

Der jungen Generation gibt Schwörer den Rat sich politisch zu interessieren, immer genau hinzuschauen und demokratisch und sozial zu handeln sowie beim Misserfolg nicht klein beizugeben, sondern es erneut zu versuchen.

Schwörer ist in vielen Vereinen engagiert. Er war 25 Jahre Mitglied der Feuerwehr Friedenweiler, gehört nunmehr 71 Jahre dem Sportverein Eisenbach an, jeweils 51 Jahre dem Musikverein Friedenweiler/Rudenberg und der Industriegewerkschaft Metall, sowie mehr als 50 Jahre dem SPD-Ortsverein Eisenbach, beziehungsweise nach dem Zusammenschluss dem Ortsverein Neustadt.

Egon Schwörer ist Witwer, hat zwei erwachsene Söhne und eine Enkeltochter. Seine Hobbys sind oder waren Laientheater, Hand- und Mundharmonikaspiel sowie das Fotografieren.